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Faserhersteller Lenzing investiert eine Milliarde Euro in nachhaltige Baumwoll-Alternative

Der Anbau von Baumwolle verschlingt viel Wasser, Fläche und Pestizide. Der Textil-Zulieferer Lenzing setzt nun mit Spezialfasern auf mehr Nachhaltigkeit.
26.06.2019 - 16:46 Uhr Kommentieren
„Wir vollen vom Rohstofflieferanten zum Spezialfaserhersteller werden.“ Quelle: Reuters
Lenzing-Chef Stefan Doboczky

„Wir vollen vom Rohstofflieferanten zum Spezialfaserhersteller werden.“

(Foto: Reuters)

Wien An der Baumwolle lässt Stefan Doboczky kein gutes Haar. „Baumwolle ist sehr wasserintensiv. Sie verbraucht vier Mal so viel Wasser wie unsere Fasern“, sagte der Vorstandschef des österreichischen Faserherstellers Lenzing. Hinzu kommen noch der enorme Flächenbedarf und die großen Mengen an Pestiziden, die für den Anbau von Baumwolle notwendig sind.

„Das Thema Nachhaltigkeit ist eines der zentralen Themen der Textilwirtschaft“, legte er mit Blick auf H&M, Inditex, Ikea und Adidas nach. Die Botschaft des Konzernchefs hat einen guten Grund. Lenzing produziert nachhaltige Fasern als Konkurrenzprodukt zur Baumwolle.

Der Konzern setzt in diesem Zusammenhang stark auf kohlendioxidarme Herstellungsverfahren. Bis 2050 plant Lenzing, klimaneutral zu sein. Der oberösterreichische Konzern will insbesondere mit Spezialfasern schnell wachsen, um das ökologische Ziel zu erreichen.

Deshalb baut der Konzern im thailändischen Prachinburi, eineinhalb Autostunden von der Hauptstadt Bangkok, bis Ende 2021 eine Lyocellfaseranlage. Lyocell ist eine holzbasierte, biologisch abbaubare Faser. Insgesamt will Lenzing über eine Milliarde Euro am neuen Standort für insgesamt vier Lyocellfabriken ausgeben.

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Standort erkennen

    Im ersten Bauschnitt errichtet der Konzern, der sich mehrheitlich im Besitz der Wiener Mittelstandsholding B &C befindet, rund 400 Millionen Euro bis Ende des übernächsten Jahres investieren.

    Hinter dem Projekt verbirgt sich eine Strategie, die den Konzern mit seinen 6800 Mitarbeitern, davon 3200 in Österreich, tiefgreifend verändern wird. „Wir vollen vom Rohstofflieferanten zum Spezialfaserhersteller werden“, sagt Doboczky. Dadurch solle eine höhere Wertschöpfung möglich werden.

    „Mit Spezialfasern können wir uns preislich entkoppeln“, ist sich der CEO sicher. Denn mit Viskosefasern kann derzeit kein großes Geld verdient werden. „Im Viskosefasermarkt gibt es ein massives Überangebot“, sagt der Lenzing-Chef. Auch sein Konzern litt in den vergangenen Jahren unter dem Auf und Ab des Marktes.

    Der Konzern ist ein wichtiger Lieferant der weltweiten Textilindustrie vom Unterwäschehersteller bis zum Produzenten von sportlicher Funktionskleidung. Die holzbasierten Lyocellfasern sind aber auch in Hygieneartikeln, Kosmetikprodukte oder in Verpackungen zu finden.

    Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte Lenzing einen Umsatz von 1,64 Milliarden Euro, die Ebit-Marge lag bei 11,6 Prozent. Doboczkys Strategie erinnert an den österreichischen Stahlkonzern Voestalpine. Das Linzer Traditionsunternehmen hat sich mit Spezialstählen zu einem Technologieunternehmen gewandelt und so die Verwerfungen im Stahlmarkt unbeschadet überstanden.

    Strategischer Meilenstein

    Die Lenzing-Aktie legte am Mittwochnachmittag an der Wiener Börse um 0,64 Prozent auf 94,75 Euro zu. Der Kurs des Faserunternehmens hatte sich in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt.

    Für Lenzing ist das Großprojekt in Thailand ein strategischer Meilenstein. Denn die letzte Neugründung eines Standortes liegt fast ein Vierteljahrhundert zurück. Die Anlage in Südostasien mit 700 Mitarbeitern wird nach Unternehmensangaben rund 100.000 Tonnen Lyocellfaser pro Jahr herstellen. Derzeit produziert Lenzing in Österreich, Großbritannien und den USA insgesamt 250.000 Tonnen.

    Mit dem Bau des Werkes in Thailand reagiert Lenzing auch auf die protektionistische Politik von US-Präsident Donald Trump. „Die Handelsbeziehungen zwischen den USA und China waren ein Faktor“, sagte Doboczky. Der sich immer stärker aufschaukelnde Handelskrieg zwischen den Vereinigten Staaten und China mit Strafzöllen stellt für die Faserbranche eine hohe Belastung dar.

    Der Lenzing-Chef verwies auf den Strafzoll von 25 Prozent, den China seit Anfang Juni auf Importe aus den USA verlangt. Deshalb haben die Österreicher den Ausbau ihres Werkes in der Hafenstadt Mobile im US-Bundesstaat Alabama auf Eis gelegt. Das Investorengeld fließt nun stattdessen nach Thailand. Hinzu kommt, dass für Lenzing Asien der mit großem Abstand wichtigste Absatzmarkt ist.

    Um Lyocellfasern herstellen zu können, braucht Lenzing Zellstoff. Zum einen werden sie durch eigene Werke in Österreich und Tschechen gewonnen. Doch das reicht dem Konzernchef nicht aus. Er favorisiert ein Zellstoff-Werk in brasilianischen Uberlandia. Künftig will er nach eigenen Angaben 75 Prozent des Zellstoffes selbst produzieren, um so unabhängiger von Lieferanten zu werden. Derzeit stellt Lenzing lediglich 56 Prozent her.

    Mit der Übernahme der Regierungsgeschäfte durch den Rechtsextremisten Jair Bolsonaro wurden die Umweltauflagen gesenkt. Eine Entscheidung über einen Standort in Brasilien will Doboczky noch in diesem Jahr treffen.

    Mehr: Die Grünen wollen ihre Idee für eine ökologisch-orientierte Wirtschaft gemeinsam mit den Unternehmen vorantreiben. Auch viele Topmanager suchen den Dialog.

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