Fernbusse Flixbus ist der große Gewinner des Bahn-Chaos in Frankreich

Angesichts des massiven Bahn-Streiks steigen viele Franzosen auf Flixbus um. Bei dem deutschen Fernbus-Anbieter steigen die Buchungen rasant.
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Seit 2016 ist das deutsche Start-up in Frankreich aktiv. Quelle: AFP
Flixbus in Paris

Seit 2016 ist das deutsche Start-up in Frankreich aktiv.

(Foto: AFP)

ParisRund 30 Millionen Euro pro Tag kostet der Streik bei der französischen Bahn den Staatskonzern SNCF. Ein Arbeitskampf verursacht hohe Kosten, das ist keine Neuigkeit. Doch dass er auch ein Wachstumstreiber sein kann, ist eher ungewöhnlich.

In Frankreich expandiert der private Fernbusbetreiber Flixbus dank des Arbeitskampfes mit geradezu unheimlicher Geschwindigkeit. „Nach dem ersten Streik am 22. März haben wir um 40 Prozent zugelegt, und seit der vergangenen Woche noch einmal um 60 Prozent“, freut sich Raphaël Daniel von Flixbus Paris, einer Tochter des deutschen Busunternehmens.

„Wir haben sehr viele Leute gewonnen, die normalerweise nicht den Bus nehmen.“ erläutert der Deutsch-Franzose. „Die Kunden haben die Störungen am 22. März erlebt, dann sahen sie den Plan mit den Streiktagen bis Ende Juni und haben reagiert“, erklärt er das Verhalten der Neukunden. Flixbus setzt hauptsächlich parallel zu den stark befahren Hochgeschwindigkeitsstrecken der SNCF wie Paris-Lille oder Paris-Lyon zusätzliche Busse ein. Insgesamt ist die Flotte mittlerweile von 250 auf 300 Busse angewachsen.

Das liegt nicht nur an den kürzeren Verbindungen zwischen drei und fünf Stunden Fahrzeit, die einen Ersatz für die vielen ausfallenden TGV-Schnellzüge bieten. Auch auf Langstrecken wie Paris-Marseille hat Flixbus an den zwei Streiktagen 3. und 4. April alle Reservierungen verkaufen können.

Die Bahnstreiks in Frankreich haben auch am zweiten Tag für Chaos und Gedränge an den Bahnhöfen in Paris und anderswo gesorgt. Knapp 86 Prozent aller Züge wurden am Mittwoch landesweit gestrichen, wie die SNCF mitteilte. Betroffen waren auch internationale Verbindungen unter anderem nach Deutschland.

Die Eisenbahnergewerkschaften und Präsident Emmanuel Macron streiten über einen Regierungsplan, Privilegien für Bahnangestellte abzuschaffen, wie etwa eine lebenslange Anstellung. Der Plan ist Teil von Macrons Vorhaben, Frankreich insgesamt wettbewerbsfähiger zu machen.

Volle Busse, hohe Ticketpreise

Der Ausstand beschert dem Unternehmen volle Busse – ein doppeltes Geschäft. Flixbus lastet nicht nur die Kapazität voll aus, sondern nimmt für die letzten Tickets auch deutlich höhere Preise. Paris-Lille beispielsweise war am Mittwochnachmittag ausverkauft. Für ein Ticket am späteren Abend musste man 29,90 Euro ausgeben, mehr als das Dreifache des Preises, der zu ruhigeren Zeiten gilt.

Bereits am Donnerstag – kein Streiktag – sinken die Tarife auf rund zehn Euro. Doch am kommenden Montag, dem nächsten Streiktag, der auf einen Arbeitstag fällt, schießen sie wieder in die Höhe. Viele Busse sind bereits ausverkauft: Die Franzosen richten sich auf einen langen Streik ein und sorgen vor.

Daniel will der Kritik begegnen, Flixbus verdiene sich an der Not der Streikopfer eine goldene Nase: „Wir haben die Preise nicht erhöht, aber der Mechanismus ist wie immer, die Verhältnisse sind jetzt wie an den verkehrsstärksten Wochenenden während der Ferienmonate Juli und August.“ Gesenkt hat man die Tarife allerdings auch nicht.

Bei der Bahn funktioniert das Kapazitätsmanagement jedoch genauso, auch dort werden die letzten Plätze zu sehr hohen Werten feilgeboten. Während des Streiks aber verzichtet die SNCF auf Aufschläge. Wessen Zug ausfällt, der darf ohne Mehrkosten mit einem anderen fahren – falls er überhaupt reinkommt.

Flixbus existiert seit 2016 in Frankreich, als die Fernbusverbindungen liberalisiert wurden – von einem gewissen Emmanuel Macron, damals noch Wirtschaftsminister. Mittlerweile bringen die quietschgrünen Karossen es jährlich auf 5,2 Millionen Fahrgäste. Damit liegen sie sogar noch vor dem Konkurrenten Ouibus, der eine Tochter der SNCF ist.

Flixbus veröffentlicht seinen Umsatz nicht. Raphaël Daniel sagt lediglich, er sei „gut“. Rentabel arbeite man noch nicht, sei in Frankreich aber nicht mehr weit davon entfernt. Kein Wunder: Flixbus beschäftigt hier nur 60 Mitarbeiter. „Wir müssen nun versuchen, die neuen Fahrgäste zu Stammkunden zu machen“, formuliert der Manager die Aufgabe seines Unternehmens.

Sehr hoch ist die Wahrscheinlichkeit nicht: Die TGV sind so schnell und gleichzeitig vergleichsweise günstig, dass Fernbusse nur konkurrenzfähig sind, wenn sie deutlich billiger bleiben, was derzeit nicht mehr der Fall ist.

Sollte der Streik sich verschärfen, könnte Flixbus noch mehr profitieren. Wenn einige Gewerkschaften beginnen, wie 2016 Treibstoffdepots zu blockieren und damit die Tankstellen auf dem Trockenen sitzen zu lassen, würden auch private Mitfahrdienste ausfallen. Flixbus aber könnte weiter verkehren: „Wir haben keine eigenen Busse, sondern arbeiten mit regionalen Busunternehmern zusammen, die haben jeder eigene, sehr große Dieseldepots“, kündigt Flixbus-Manager Daniel an.

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