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Flixbus gegen BlaBlaBus

Die Franzosen wollen es mit dem deutschen Marktführer aufnehmen.

(Foto: Montage: Getty Images/View Stock RM, Blabla Bus, Denis ALLARD/REA/laif)

Fernbusverkehr BlaBlaBus soll in Deutschland gegen Flixbus antreten

BlaBlaCar baut sein Bus-Geschäft in Europa aus. Das französische Start-up verspricht günstige Tickets und die Kombination von Mitfahrgelegenheiten.
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Düsseldorf Der französische Mitfahrdienst BlaBlaCar will Flixbus, dem Quasimonopolisten auf dem deutschen Fernbusmarkt, nicht das Feld allein überlassen. BlaBla-CEO Nicolas Brusson kündigt den Ausbau auch des Fernbusgeschäfts außerhalb Frankreichs an.

Bis Jahresende 2019 sollen in Deutschland und den Beneluxstaaten 60 Städte unter dem neuen Namen BlaBlaBus angefahren werden, wie Brusson dem Handelsblatt sagte. Der 41-jährige Franzose startet die Expansion bewusst in dem Land, in dem die grünen Flixbusse den Markt fast vollständig beherrschen. „Die Menschen wollen ein alternatives Angebot“, meint Brusson.

Durch Übernahme des Fernbusgeschäfts der französischen Staatsbahn SNCF im vergangenen Herbst kombiniert BlaBla seit einigen Monaten Mitfahrgelegenheiten und Buslinien, bislang aber nur in Frankreich.

Die Fernbusmarke „Ouibus“ der SNCF ist mit 200 Destinationen weitgehend auf das Heimatland beschränkt und soll im Laufe des Jahres 2019 auf BlaBlaBus umfirmiert werden.

Die Franzosen rollen den deutschen Markt von Westen auf und wollen in einer ersten Welle die wichtigsten 60 Großstädte Deutschlands ins Programm nehmen.

Die ersten Linien könnten laut Brusson im Frühjahr starten, was aber von den laufenden Verhandlungen mit lokalen Busunternehmen abhänge. BlaBla betreibt dasselbe Geschäftsmodell wie das deutsche Start-up Flixmobility aus München. Beide Plattformen organisieren das Streckennetz, vertreiben Tickets online und via App. Die Fahrzeuge werden von selbstständigen Busunternehmen gefahren, die unter Vertrag genommen werden.

Firmenchef Brusson ist überzeugt, dass Buskunden auch Mitfahrgelegenheiten nutzen, um an Orte zu kommen, die durch keine Linie angebunden sind. BlaBla hat nach eigenen Angaben 65 Millionen Nutzer in 22 Ländern.

Flixbus kontrolliert 95 Prozent des deutschen Marktes

Rund 6,5 Millionen Kunden sind es in Deutschland, denen BlaBla im vergangenen Jahr vier Millionen Fahrten vermittelt hat. Zum Vergleich: Fernbusse nutzen hierzulande etwa 23 Millionen Menschen. Diese Zahl stagniert nach dem stürmischen Zuwachs ab 2013, dem Jahr der Liberalisierung des Fernbusmarkts in Deutschland.

Flixbus kontrolliert nach jüngsten Berechnungen des Berliner Marktforschers Iges gut 95 Prozent des Markts und hat damit begonnen, in Ergänzung des Busnetzes nun auch Eisenbahnverbindungen anzubieten. Hamburg-Köln und Stuttgart-Berlin werden bereits gefahren, Berlin-Köln soll bald dazukommen.

Entscheidend wird sein, zu welchen Preisen BlaBlaBus versucht, der Flix-Gruppe Marktanteile abzujagen. Tatsache ist, dass die Preise für Fernbustickets, die weitgehend Flixbus-Konditionen spiegeln, seit dem Tiefpunkt 2015 um etwa 20 Prozent in Deutschland angestiegen sind.

Grafik

Vor vier Jahren zahlten Kunden laut Iges 8,9 Cent pro Kilometer (Normalpreis), inzwischen sind es 10,7 Cent. Lockvogelpreise sind dagegen in etwa konstant geblieben bei 3,8 Cent. Dazu kommt, dass Flixbus zum Beispiel Gebühren für Reservierungen eingeführt hat, die aber nicht verpflichtend sind . Nach Angaben Brussons liegt der Durchschnittspreis für Fahrten mit Ouibus in Frankreich halb so hoch, bei etwa fünf Cent. Ob BlaBlaBus zu diesem Kampfpreis einsteigen wird, ließ Brusson gegenüber dem Handelsblatt offen. „Sicherlich werden wir aber sehr günstige Konditionen zum Start anbieten.“

Gut in Erinnerung ist noch der Versuch des britischen Unternehmens Megabus vor ein paar Jahren, mit Ein-Euro-Tickets selbst auf Langstrecken wie Köln-Berlin in den deutschen Markt zu kommen. Der Versuch endete kläglich, die kontinentaleuropäischen Verbindungen wurden von Flixbus aufgekauft. Megabus betrieb allerdings eigene Fahrzeuge und musste deshalb hohe Investitionen stemmen. So hatte auch Ouibus einmal angefangen und bei 55 Millionen Euro Umsatz dann 35 Millionen Euro Verlust (2017) eingefahren. Für das vergangene Jahr hatte die SNCF noch ein Defizit von 25 Millionen Euro für die Tochter erwartet.

Aggressive Expansion

Die französische Staatsbahn verabschiedete sich wegen der Verluste von ihrem erst ab 2015 aufgebauten Fernbusgeschäft. Inzwischen hat auch Ouibus auf das Modell ohne eigene Busflotte umgestellt. Für den Deal mit BlaBla sprach zudem, dass Flixbus sehr aggressiv in Frankreich expandiert. Ouibus und Flixbus teilen sich derzeit in etwa den Markt mit je 40 Prozent Anteil auf. In Deutschland hatte Flixbus binnen fünf Jahren den schärfsten Konkurrenten MeinFernbus übernommen und Konkurrenten wie Deutsche Bahn oder Post aus dem Markt verdrängt.

Iges-Geschäftsführer Christoph Gipp „kann sich durchaus vorstellen“, dass trotz der marktbeherrschenden Stellung von Flixbus ein neuer Anbieter in Deutschland Fuß fassen könnte. Marktanteile seien aber nicht über den Preis allein zu gewinnen. Der neue Wettbewerber müsste vor allem ein „halbwegs engmaschiges Netz aufbauen“.

BlaBla hätte nach Gipps Einschätzung aber deshalb einen Vorteil, weil das Unternehmen einen eingeführten Markennamen habe. „Der Bekanntheitsgrad ist sehr wertvoll und sehr wichtig.“ Aber: „Das wird ein sehr steiniger Weg.“

Deutschland ist für BlaBla nur der erste Schritt beim Aufbau eines Fernbusgeschäfts. Über weitere Länder soll später entschieden werden. In Russland habe man schon einige Buslinien unter Vertrag, berichtet Brusson. Flixbus erkundet gerade den Aufbau des Geschäfts in Russland.

BlaBlaCar wurde Mitte des vergangenen Jahrzehnts von Frédéric Mazzella, Francis Nappez und Nicolas Brusson als digitale Version der in Deutschland schon etablierten Mitfahrzentrale gegründet. Diese übernahm BlaBla 2015. Im vergangenen Geschäftsjahr schrieb das Unternehmen laut Brusson erstmals einen Gewinn.

Für die Expansion im Busgeschäft wird BlaBla allerdings noch einmal viel Geld in die Hand nehmen müssen. Auch wenn die Buchungsplattform schon vorhanden ist. Bislang steckten Investoren mehr als 400 Millionen über drei Finanzierungsrunden in das französische Unternehmen. Die wichtigsten unter ihnen sind Isai, Accel Partners, Index Ventures, Insight Venture Partners, Vostok New Ventures, Lead Edge Capital und Baring Vostok.

Im Zuge der Übernahme von Ouibus im November stieg auch die SNCF als Gesellschafter mit ein, es flossen 101 Millionen Euro. BlaBla macht keine Angaben über die Beteiligungsquoten, aber es gibt wohl keinen dominierenden Investor.

Nur so viel hat BlaBla selbst berechnet: Die kombinierte Mitfahrer- und Fernbusplattform wird seit der letzten Finanzierungsrunde auf 1,6 Milliarden Euro Wert geschätzt.

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1 Kommentar zu "Fernbusverkehr: BlaBlaBus soll in Deutschland gegen Flixbus antreten"

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  • Ich bin gespannt, bis wann aufgrund der niedrigen Preise bei diesen Unternehmen wieder der nächste schwere Unfall aufgrund eines Materialversagens passiert... -_-
    Ob so ein System so gut für die Kunden ist..

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