Finanzmakler Sparkurs von MLP zahlt sich aus

Nach Millionenverlusten im Vorjahreszeitraum kann der Finanzvermittler wieder einen Gewinn vorweisen. Besonders beim Vermögensmanagement fragten die Kunden mehr Leistungen der Wieslocher nach.
Update: 09.08.2012 - 11:05 Uhr 4 Kommentare
Die Unternehmenszentrale des Finanzdienstleisters Marschollek, Lautenschläger und Partner AG (MLP) in Wiesloch. Quelle: dpa

Die Unternehmenszentrale des Finanzdienstleisters Marschollek, Lautenschläger und Partner AG (MLP) in Wiesloch.

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StuttgartDer Finanz- und Versicherungsmakler MLP hat dank seines 2011 aufgelegten Sparprogramms den Gewinn im zweiten Quartal dieses Jahres deutlich gesteigert. Das operative Ergebnis (Ebit) lag in den Monaten April bis Juni bei 3,1 Millionen Euro nach einem Verlust von 6,8 Millionen Euro vor Jahresfrist, wie der auf die Beratung von Hochschulabsolventen spezialisierte Makler am Donnerstag in Wiesloch bei Heidelberg mitteilte. Auch nach Steuern verdiente MLP mit 0,8 Millionen Euro wieder Geld, im Vorjahreszeitraum war ein Nachsteuerverlust von 4,4 Millionen Euro angefallen.

Die vor allem aus Provisionszahlungen stammenden Erlöse legten ebenfalls zu und stiegen um drei Prozent auf 112,3 Millionen Euro, da die knapp 805.000 Kunden vor allem in der Sparte Vermögensmanagement mehr Leistungen nachfragten. Mit dem um 24 Millionen Euro gesunkenen Fixkostenblock ist MLP sicher, sein vor Jahren gestecktes operatives Margenziel von 15 Prozent am Ende dieses Jahres zu erreichen.

Was einen guten Versicherungsvertreter ausmacht
Carsten Maschmeyer
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Auftritt

In Strukturvertrieben wie AWD, der einmal von Carsten Maschmeyer geführt wurde, gelten strenge Kleidervorschriften für Vermittler. Die Berater wirken deshalb oft zum Verwechseln ähnlich: Dunkler Anzug, weißes Hemd, farblose Krawatte. Kritiker raten, hinter das seriös wirkende Äußere zu blicken. So zeigte der Film "Versicherungsvertreter" MEG-Vermittler, die sich erst beim Kunden auf Augenhöhe einschmeicheln und hinterher mit dem flotten Sportwagen abrauschen. Das Erscheinungsbild kann blenden und verrät nichts über Beratungsqualität.

Cocktail am City Beach
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Beratung im Büro

Gehen Sie zu Ihrem Versicherungsvertreter und schauen Sie sich sein Arbeitsumfeld an. Vermittler, die am liebsten im Wohnzimmer des Kunden Kaffee trinken, in der Sonne Cocktails schlürfen oder im Cafe Kuchen essen, haben vielleicht keine eigenen Räumlichkeiten, sondern nur ein Großraumbüro. Dort sitzen sie mit anderen Verkäufern, die über das Telefon oder das Internet Geschäfte anbahnen und vor Ort mit einer Schmalspurberatung die rasche Vertragsunterschrift suchen. Zwar hat der Ort der Beratung nichts mit der Qualität der Beratung zu tun, doch auf die Arbeitsweise des Beraters könnte er Hinweise liefern.

Bundesregierung geht gegen unerwünschte Telefonwerbung vor
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Telefon? Nein Danke!

Ein Versicherungsvertreter braucht eine solide Basis, um Geld zu verdienen. Er sollte einen festen Kundenstamm haben und in einem stabilen Umfeld arbeiten. Wenn er darauf angewiesen ist, über das Telefon Geschäfte anzubahnen, sollten Interessenten vorsichtiger werden. Es könnte sich um jemanden handeln, der nur einmal einen schnellen Abschluss machen möchte und dann nie wieder zu sehen ist.

Ungarn Budapest - Gellért-Heilbad
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Bieder feiern

Die zum Ergo-Versicherungskonzern gehörende Hamburg-Mannheimer hat für ihre besten 100 Vertreter eine rauschende Sex-Party in Budapest organisiert, in der traditionsreichen Gellert-Therme. Wüstenrot fuhr mit seinen Vertretern nach Rio, dabei streiften sie auch ein zweifelhaftes Gebäude. Mit solchen Feiern belohnen Finanzkonzerne Power-Vertreter, die besonders viele Verträge verkauft haben. Oft kommt bei solchen Vermittlern die Beratung zu kurz, weil sie zu sehr ans Geldverdienen denken.

Demonstration von Versicherungsangestellten
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Ruhiges Arbeitsumfeld

Der Verkaufsdruck in der Versicherungsbranche ist groß, manchmal tragen auch Kostensenkungsprogramme von Aktiengesellschaften dazu bei. Wo Versicherer im Innendienst Kosten senken, müssen Vermittler oft besonders viele Abschlüsse liefern. Denn der Versicherer will seine Gewinnmarge erhöhen. Das Bedürfnis der Kunden nach gutem Service und günstigem Versicherungsschutz muss da oft zurückstehen.

Kundenberatung bei Sparkasse
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Orientierung am Bedarf

Verkäufer reden gerne und stellen ihren Kunden dann Fragen, die nur in ihrem Sinne beantwortet werden können. Das leitet dann meist schnell über in den Verkauf einer ganz speziellen Versicherung. Gute Berater erkundigen sich dagegen nach den Bedürfnissen und checken, ob ein Kunde die wichtigen Versicherungen hat, wie etwa eine private Haftpflicht oder einen Schutz gegen Berufsunfähigkeit. Als Kunde sollten Sie sagen, was Ihnen wichtig ist. Ob jemand eine Versicherung überhaupt benötigt, hängt auch von der Risikobereitschaft und dem Vermögen des Kunden ab. Wer finanziell gut dasteht, kann einen Schaden auch mal selbst tragen.

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Selbstbewusstsein

Hochwertige Beratung ist nicht umsonst, auch wenn manche Versicherungsvertreter diesen Eindruck gerne erwecken. Seriöse Vermittler nennen daher vor der Beratung ihren Preis und lassen den Kunden entscheiden, ob er damit einverstanden ist. Das kann ein Honorar sein, das vorher vereinbart wird. Es kann aber auch eine Provision sein, die hinterher von den ersten Beiträgen an die Versicherung abgezogen wird. In jedem Fall sollte der Kunde wissen, was er bezahlt - und was er dafür bekommt. Denn die Kehrseite des Preises ist die Leistung, die jedoch sehr unterschiedlich ausfallen kann.

MLP verspricht sich von der zweiten Jahreshälfte 2012 eine „deutliche Belebung“ seiner Geschäfte. Vor allem die Vermittlung von Altersvorsorge- und Krankenversicherungs-Policen werde zulegen, sagte Vorstandschef Uwe Schroeder-Wildberg am Donnerstag in einer Telefonkonferenz. Er rechne damit, dass die Geschäftsbelebung stärker als saisonal üblich und damit auch kräftiger als im Vergleichszeitraum des vergangenen Jahres ausfalle.

Vor allem die vom Gesetzgeber vorgesehene diskriminierungsfreie Neuordnung der Versicherungstarife („Unisex“) werde sich positiv auswirken. Versicherungs-Policen dürfen künftig nicht mehr das Geschlecht zur Bestimmung von Risiken berücksichtigen: Das wird Auswirkungen auf die Höhe künftiger Versicherungspolicen haben, da Männer statistisch gesehen im Straßenverkehr mehr Unfälle verursachen und Frauen deutlich länger leben. Für Männer lohne es sich daher, vor Jahresende in der Krankenversicherung und Pflegeversicherung über einen Vertragsabschluss zu den noch günstigeren Konditionen nachzudenken, sagte der MLP-Chef.

Kerngeschäft Altersvorsorge schwierig

Das Unternehmen hatte 2011 die Ausgaben zusammengestrichen und in Vertrieb und Informationstechnik investiert, um mehr Schwung in das seit Jahren verhaltene Geschäft mit der Vermittlung von Altersvorsorge- und Versicherungs-Policen, Hypotheken und Vermögensverwaltung zu bringen.

Das Kerngeschäft mit Altersvorsorge verlaufe weiterhin schwierig, räumte der mit Finanzvermittlern wie AWD, OVB oder DVAG konkurrierende Makler ein. „Hier zeigt sich nach wie vor eine Zurückhaltung vieler Anleger im Zuge der Diskussion rund um die europäische Schuldenkrise bei langfristigen Anlagen“, begründete MLP die Schwäche. Daher konnten weniger Provisionserlöse eingestrichen werden.

Von dieser Verunsicherung profitiert MLP jedoch zum Teil in der zum zweiten Standbein ausgebauten Vermögensverwaltung, da Kunden ihre Gelder dort kurzfristig anlegen und parken, was die Erlöse steigen lässt. Während die Kundenzahl im jüngsten Quartal leicht um gut 5000 wuchs, ging die Zahl der Kundenberater auf 2104 zurück. Ende März waren noch 2121 Kundenbetreuer für MLP tätig.

Mit dem jüngsten Quartalsgewinn übertraf der vor 41 Jahren gegründete Makler die Erwartungen der Finanzanalysten. Die von Reuters befragten Experten hatten im Schnitt lediglich mit einem operativen Gewinn von 2,9 Millionen Euro gerechnet. Dementsprechend lagen die im Kleinwertesegment SDax gelisteten Aktien mehr als drei Prozent im Plus bei 4,82 Euro.

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4 Kommentare zu "Finanzmakler: Sparkurs von MLP zahlt sich aus"

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  • Ein sehr guter Link, um einmal die Schönschreiber von MLP zu entlarfen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/detektiv-fuers-netz-lexikon-wiki-scanner-enttarnt-deutsche-schoenschreiber-a-500910.html

    MLP gehört wie die DVAG, AWD zu den Strukturvertrieben.

    Bei diesem Vertriebssystem geht es nur um Gewinnmaximierung und Verkauf der eigenen Produkte.

    Die ERGO z.B. hat derzeit eine sehr negative Schlagzeile. http://www.procontra-online.de/artikel/date/2012/10/ergo-tausende-kunden-verlieren-millionen/

    Sehr interessant dabei zu sehen, dass bei der DVAG auch massiv eine "Umdeckung" von Verträgen vorgenommen wurde. Speziell bei Riester und der BU, neuerdings mit einer Basis-Rente gekoppelt. Einfach danach über Google suchen und dann kann jeder das Ausmaß erkennen.

    Wer sich dann immer noch bei einem Strukturvertrieb beraten lässt, ist selbst Schuld. Besser ist es daher, sich vorher genau darüber zu informieren.

  • ich empfehle in diesem zusammenhang:

    http://www.finanzparasiten.de/

  • Das sehe ich genauso, es gibt inzwischen einige Internetdienste wie "zuwax" die Vermittler und Provisionen überflüssig machen. Wer allerdings weiter die Hellseher um MLP, AWD und Co. in Anspruch nimmt und diese auch fürstlich und durch meist versteckte Gebühren und damit geringere Wertsteigerungen bezahlt, dem ist nicht zu helfen.

  • Es bleibt die Frage, wann man einen Finanzvertrieb überhaupt braucht.

    Finanz-Vertriebe sind für den Kunden erst einmal sehr teuer. Sehr, sehr teuer....

    95 % der "Besser-Verdiener" - die ja in der Regel in teuren Städten wohnen - sind gut bedient, wenn sie es schaffen bis zum Rentenbeginn, ein entschuldetes Eigenheim zu schaffen. In Städten wie München kostet das Haus schnell mal über eine Million Euro.

    So, wenn man auf dem Arbeitsmarkt wirklich der „gesuchte Spezialist“ ist, ja dann wird sich auch der Arbeitgeber um die „Betriebsrente“ kümmern. Am besten per Direktzusage, wie bei den meisten Großunternehmen und im öffentlichen Dienst absolut üblich. Kostenfrei für den Mitarbeiter….

    Die Ausbildung der Kinder kostet auch….

    Dann vielleicht ein „Polster“ von Euro 50.000 für alle Fälle.

    So, wenn dann noch was Nennenswertes übrig bleibt, kann man über eine Beartung nachdenken.

    Aber warum früher? Und warum ohne Kostenverhandlung/Kostenvergleich…

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