Finanzspritze für Chal-Tec Vom Ebay-Powerseller zur Marke

Der Berliner Unternehmer Peter Chaljawski will preisgünstige Elektronik-Marken kreieren und diese über Ebay, Amazon und Otto vertreiben. Dabei helfen ihm ein neuer Investor und Enie van de Meiklokjes.
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Chal-Tec hat die TV-Moderatorin als Botschafterin der Markle Klarstein verpflichtet.
Enie van de Meiklokjes

Chal-Tec hat die TV-Moderatorin als Botschafterin der Markle Klarstein verpflichtet.

HamburgDer Berliner Unternehmer Peter Chaljawski holt einen Finanzinvestor in sein Unternehmen Chal-Tec. Zusammen wollen sie Eigenmarken für Unterhaltungselektronik und Küchengeräte bekannt machen. „Dazu wollen wir die gesamte Werbe-Klaviatur spielen bis hin zu TV-Spots“, sagte Chaljawski dem Handelsblatt.

Bislang sind seine Marken wie Klarstein für Küchengeräte, Auna für Kopfhörer und Schubert für Musikinstrumente wenig bekannt. Chaljawski lässt die Produkte in Asien fertigen und will damit eine Alternative zu den großen Marken aufbauen – so ähnlich, wie es Elektroketten wie Saturn mit ihren Eigenmarken machen. Der Unterschied: „Wir wollen aktuell nicht in den stationären Handel“, sagte Chaljawski. Er will weiterhin nur über online handeln – über die Marktplätze von Ebay und Amazon, über Otto und eigene Websites.

70 Millionen Euro Umsatz machte der Unternehmer im vergangenen Jahr damit. Im laufenden Jahr sollen es 100 Millionen werden – dank neuer Werbekampagnen zum Weihnachtsgeschäft. Dabei soll auch die Finanzspritze vom Investor Ardian helfen. Die ehemalige Axa-Tochter beteilige sich mit „rund 40 Prozent“, teilten die beiden Partner mit. Den Preis dafür lassen sie offen. „Wir wollen stark investieren nicht nur in die Bekanntheit unserer Marken, sondern auch in internationales Wachstum und neue Produkte“, sagte Chaljawski. Aktuelle Zahlen zum Unternehmensergebnis will er nicht nennen. laut Bundesanzeiger erwirtschaftete Chal-Tech jedoch 2013 unter dem Strich ein Plus von 1,2 Millionen Euro – fast doppelt so viel wie im Vorjahr.

Diese Start-ups krallten sich US-Konzerne
Der neuste Deal
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Nun könnte es für sie und ihre Chefs so weit sein: Das Berliner Start-Up 6Wunderkinder, das für seine To-do-Listen-App „Wunderlist“ als erste Berliner Gründung Geld von dem berühmten US-Risikokapitalgeber Sequoia Capital bekam, wird von Microsoft übernommen. Zuvor hatte das Wall Street Journal berichtet, der US-Konzern lege 100 bis 200 Millionen US-Dollar für die Wunderkinder auf den Tisch.

Wunderlist bringt Mega-Exit ein
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Das junge Unternehmen begeistert mit seiner To-do-Liste und anderen Angeboten mehr als sechs Millionen Menschen weltweit – und nun offenbar auch die Entscheider bei Microsoft. US-Medien taxierten den Wert der Firma Ende 2013 auf 60 bis 65 Millionen Dollar, die App-Schmiede selbst veröffentlicht keine Unternehmenszahlen, die eine Bewertung zuließen. 6Wunderkinder ist eines der bekanntesten Start-ups der Berliner Gründerszene, doch bei weitem nicht das erste deutsche Jungunternehmen, bei dem US-Konzerne zugreifen. Die Übernahmelust der Amerikaner geht quer durch alle Branchen, wobei fast alle Übernahmen der vergangenen Jahre im Bereich Onlinedienstleistungen liefen. Und noch etwas fällt auf: Häufig übernahmen die Konzerne kleine Kopien ihrer eigenen Geschäftsmodelle – offenbar machten die deutschen Raubkopien ihre Sache meist äußerst gut.

1999: Urknall des Samwer-Universums
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Wenig überraschend, dass sie zu den Ersten gehörten: Die Samwer-Brüder um Oliver Samwer, Gründer und Vorstandsvorsitzender des Start-up-Inkubators Rocket Internet. Noch lange bevor Rocket Internet die Kopie von Internetunternehmen professionalisierte und zu einem grundlegenden Geschäftsmodell machte, gründeten die Samwer-Brüder 1999 das Internetauktionshaus Alando. Schon im Mai des gleichen Jahres verkauften sie das Unternehmen für 43 Millionen Dollar an Ebay, just den US-Konzern, den sie kopiert hatten.

2004: Jamba lässt die Kassen klingeln
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Nur einige Jahre nach dem Alando-Deal konnten die Samwer-Brüder wieder einen erfolgreichen Exit, also eine Übernahme durch einen größeren Konzern, landen. Die Samwers hatten im Jahr nach dem Alando-Verkauf den Klingelton- und Mobilanwendungsanbieter Jamba gegründet. Das Unternehmen,“ das zwischenzeitlich wegen Abonnementverkäufen an Minderjährige in die Kritik geraten war, reizte 2004 den US-Konzern VeriSign. Stolze 273 Millionen US-Dollar legte der Konzern damals auf den Tisch, doch da Oliver und Marc Samwer bis 2005 nicht aus dem Konzern ausstiegen und die Verkaufserlöse an verschiedene Beteiligungsfirmen ausgeschüttet wurde, nahmen die beiden Gründer sogar noch mehr Geld ein.

Mai 2010: Der City-Deal
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Oliver Samwer (Mitte), hier mit seinem Finanzchef Peter Kimpel und Rocket Internet-Manager Alexander Kudlich, lockte die US-Konzerne weiter mit seinen Kopien: Unter dem Rocket Internet-Dach entstand etwa das Gutschein-Portal CityDeal, das den US-Konzern Groupon imitierte. Entweder es ärgerte die große Konkurrenz – oder es beeindruckte sie. Jedenfalls griff Groupon im Mai 2010 für umgerechnet 125,4 Millionen Euro zu und zog das deutsche Start-Up in den eigenen Rennstall.

Dezember 2010: Ebay schlägt erneut zu
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John Donahoe bescherte den Gründern des Berliner Markenbewertungsportals brands4friends Freude. 150 Millionen Euro zahlte der Ebay-CEO, um die Plattform mit der großen Konsum-Community zu übernehmen. Dabei hatten Analysten das Unternehmen kurz vor dem Deal nur mit 100 Millionen Euro bewertet. Doch Ebay dürfte damals zunehmend unter Druck geraten sein, da Akteure wie Amazon im Bereich der Shopping-Communities ebenfalls aktiv geworden waren. brands4friends, das zuvor durch buchhalterische Fehler in finanzielle Bedrängnis geraten war, stand nach dem Deal wieder auf sicheren Füßen.

April 2011: Make a Big Point
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Sie waren schon eine Größe im Gamingbereich, mehrere Investoren waren bei Big Point aus Hamburg bereits vor 2011 mit dreistelligen Millionensummen eingestiegen. Doch 2011 kam mit 350 Millionen US-Dollar die große Übernahme durch die US-Investoren Summit Partners und TA Associates, wobei der Gründer Heiko Hubertz weiterhin Anteile behielt. Der Onlinespieleentwickler erwirtschaftete nach eigenen Angaben zur Zeit der Übernahme dreistellige Millionenumsätze, der Gewinn lag 2009 bei zwölf Millionen Euro.

Erste Erfahrung mit TV-Spots hat Cal-Tec bereits im vergangenen Jahr mit der Küchengeräte-Marke Klarstein gewonnen. Dafür verpflichtete das Unternehmen die TV-Moderatorin Enie van de Meiklokjes als Markenbotschafterin. „Enie passt gut zu Klarstein: Sie ist eine individuelle Persönlichkeit und ein bunter Typ“, sagte Chaljawski. Auch er hat wie die ehemalige Viva-Ansagerin mit Musik begonnen: 2005 startete er einen Webshop für DJ-Ausrüstung. Bei der Suche nach Equipment sei ihm aufgefallen, dass eine Marke im mittleren Preisbereich gefehlt habe, sagte Chaljawski. So sei er auf die Möglichkeit gestoßen, Elektronik unter eigener Marke in Asien zu beziehen. Und so ist DJ-Ausrüstung auch im eigenen Flagship-Laden „Electronic-Star“ in Berlin weiterhin gut vertreten.

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