Fipronil-Skandal Aldi nimmt sämtliche Eier aus dem Verkauf

Im Skandal um giftbelastete Eier nehmen Aldi Süd und Aldi Nord deutschlandweit sämtliche Eier aus dem Verkauf. Es handele sich um eine „reine Vorsichtsmaßnahme“. Es könne jedoch zu Engpässen bei Eiern kommen.
Update: 04.08.2017 - 12:21 Uhr 9 Kommentare

„Das Fipronil stammt aus Belgien - und wurde nach Niedersachsen geliefert“

Berlin/HannoverIm Skandal um giftbelastete Eier nehmen Aldi Süd und Aldi Nord deutschlandweit sämtliche Eier aus dem Verkauf. Das teilten die Unternehmensgruppen am Freitag mit. Es handele sich um eine „reine Vorsichtsmaßnahme“, es könne weiter von keiner gesundheitlichen Beeinträchtigung ausgegangen werden, hieß es in der Mitteilung.

Von sofort an dürften nur noch Eier an Aldi geliefert werden, für die ein Nachweis vorliege, dass sie negativ auf fipronilhaltiges Anti-Läusemittel getestet seien. Die Unternehmen teilten mit, das Vorgehen werde möglicherweise dazu führen, dass es zu Engpässen bei der Versorgung mit Eiern kommt.

Die Unternehmensgruppen begründeten ihr Vorgehen den Angaben zufolge damit, dass sie „Klarheit und Transparenz“ bei ihren Kunden herstellen wollten. Schon seit Anfang der Woche beziehe Aldi keine Eier mehr aus gesperrten niederländischen Betrieben. Zudem seien in den vergangenen Tagen in einzelnen Regionen Freiland-, Bodenhaltungs- und Bio-Eier vorsorglich aus dem Verkauf genommen worden, wie es weiter hieß.

Der Deutsche Bauernverband kritisierte den Verkaufsstopp als überzogene Reaktion. Angesichts bisheriger Risikobewertungen und Untersuchungen sei er zum derzeitigen Zeitpunkt nicht angemessen, teilte der Verband am Freitag mit.

Am Donnerstagabend hatte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) in Berlin mitgeteilt, dass mittlerweile von zwölf betroffenen Bundesländern auszugehen sei. Eine Schlüsselrolle hätten Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Die Lage sei „unter Kontrolle“, es gebe aber „noch keine Entwarnung“. Warenströme würden mit Hochdruck untersucht, auch für Produkte mit verarbeiteten Eiern. Ein Ursprung des Skandals sind belastete Eier aus den Niederlanden, die auch in Deutschland in den Handel gelangten – darunter Bio-Eier.

Die Bundesregierung nehme das Geschehen „sehr ernst“, sagte Schmidt. Er fügte hinzu, dass eine akute gesundheitliche Gefährdung für die Verbraucher nach derzeitigem Stand praktisch ausgeschlossen sei. Auch niedersächsische Legehennenhalter stehen unter Verdacht, Ställe mit dem Anti-Läusemittel Dega-16 desinfiziert zu haben. Dort sind nach Angaben des Landesagrarministeriums nunmehr vier Betriebe gesperrt, in denen sich ein Verdacht bestätigt habe.

Von Pferdelasagne und Ehec-Sprossen
2017: Läusegift auf Eiern
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Der Skandal um möglicherweise mit dem Insketizid Fipronil belastete Eier beschäftigt Deutschland in diesem Sommer. Inzwischen sei von zwölf betroffenen Bundesländern auszugehen, sagte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt. Fipronil war über das Anti-Läusemittel Dega-16 in die Eier gelangt. Das Mittel beruht eigentlich nur auf ätherischen Ölen wie Menthol und Eukalyptus. Vermutlich hatte ein belgischer Hersteller Fipronil beigemischt, obwohl das Mittel für die Geflügelzucht verboten ist. Aldi nahm unterdessen sämtliche Eier aus dem Verkauf.

2016: Plastik im Schokomantel
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Abermillionen Schokoriegel mussten in die Werkstatt – sozusagen. Nachdem eine Kundin in einem Mars-Riegel auf ein Stück Plastik gebissen hatte, begann der Hersteller mit einer gigantischen Rückruf-Aktion. Sie galt für alle Staaten der Europäischen Union, mit Ausnahme von Bulgarien und Luxemburg. Betroffen waren Riegel der Marken Mars und Snickers; zudem alle Produkte der Marke Milky Way Minis und Miniatures sowie mehrere Celebrations-Mischungen mit diesem Mindesthaltbarkeitsdatum.

2016: Glyphosat und Malz, Gott erhalt's
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Pro Jahr konsumiert ein Deutscher durchschnittlich 107 Liter Bier. Und damit nicht nur, streng nach dem deutschen Reinheitsgebot, Wasser, Hopfen, Hefe und Malz, sondern auch noch eine gerüttelte Menge Glyphosat – das weltweit meist eingesetzte Pestizid. In deutschen Bieren wurden Mikrogrammwerte deutlich über den Grenzwerten für Trinkwasser gemessen, im krassesten Fall 300-fach über dem Grenzwert. Direkte Gefahr für die Gesundheit besteht allerdings nicht.

2014: Dänischer Wurstskandal erreicht Deutschland
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In Dänemark stellte sich 2014 heraus, dass Produkte des Wurstherstellers Jørn A. Rullepølser mit Listerien-Bakterien verseucht waren. Listerien sind für gesunde Menschen in aller Regel ungefährlich, allerdings ein Risiko für immungeschwächte Personen und schwangere Frauen. In Dänemark starben innerhalb von 30 Tagen zwölf Menschen, 15 weitere erkrankten. Der Betrieb wurde geschlossen, die Produkte zurückgerufen. 160 Kilogramm waren auch an einen deutschen Supermarkt in Schleswig-Holstein an der dänischen Grenze gegangen – sie waren bereits verkauft, bevor sie sichergestellt worden konnten. Verbraucher wurden gebeten, die Wurst zu vernichten oder zurückzugeben.

2014: Käse mit Coli
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Das Unternehmen Vallée-Verte rief die zwei Käsesorten „Saint Marcellin“ und „Saint Felicien“ zurück. In den Produkten der französischen Käserei Fromageries L'Etoile wurden Coli-Bakterien nachgewiesen. Diese können innerhalb einer Woche nach Verzehr zu teils blutigem Durchfall, Bauchschmerzen, Erbrechen sowie Fieber führen. Gerade bei Kindern besteht außerdem die Gefahr von Nierenkomplikationen.

2014: Von wegen Edel-Hähnchen
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2014 deckte die „Zeit“ auf: Das Neuland-Gütesiegel, gegründet vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), dem deutschen Tierschutzbund und der Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft, als ganz besonderes Qualitätssiegel hielt bei Brathühnchen nicht so ganz, was es versprach. Eigentlich sollten Neulandtiere aus Freilandhaltung stammen, gefüttert mit Körnern aus der Region. Tatsächlich stammen in Norddeutschland viele Tiere aus einem ganz gewöhnlichen industriellen Schlachtbetrieb in Niedersachsen.

2013: Pferd in der Lasagne
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Zusammen mit der Ehec-Epidemie wohl der aufsehenerregendste Lebensmittel-Skandal der vergangenen Jahre: 2013 stellte sich heraus, das Rindfleisch in mehreren Fertiglasagnen aus der Tiefkühlung war eigentlich Pferd. Im Anschluss wurden in Labortests rund 70 Fälle von falsch etikettierten Fertigprodukten nachgewiesen. Die größte Menge an Pferdelasagne gab es in Nordrhein-Westfalen mit 27 Fällen, gefolgt von Hessen (13), Baden-Württemberg (8) und Bayern (8). Weitere betroffene Länder waren Mecklenburg-Vorpommern (5), Brandenburg (4) und Hamburg (2).

Vorerst nicht betroffen waren laut Bundesministerium die vier Länder Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Die Discounter Aldi Nord, Aldi Süd und Lidl hatten bereits Eier von Höfen unter Fipronil-Verdacht aus den Regalen genommen. Einen Verkaufsstopp für alle niederländische Eier verhängten Rewe und Penny.

Nach Angaben des niedersächsischen Agrarministers Christian Meyer (Grüne) sind weitaus mehr belastete Eier aus den Niederlanden in Deutschland verkauft worden als bislang bekannt. Nach neuesten Informationen handele es sich nicht nur um drei Millionen, sondern zehn Millionen Eier, sagte Meyer am Freitag im ZDF. „Ich glaube, in Deutschland weitet es sich weiterhin aus.“

Der Höhepunkt dieses Gifteier-Skandals sei noch nicht erreicht. Bislang gebe es aber noch keine Hinweise, dass auch von Hühnerfleisch eine Gesundheitsgefahr ausgeht. „Aber wir untersuchen auch das jetzt.“ Produkte, in denen Eier verarbeitet wurden, würden ebenfalls unter die Lupe genommen.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat vorerst keine Befunde für einen möglicherweise gesundheitsschädlichen Gehalt an Fipronil pro Kilogramm Ei. Bisher vorliegende Daten lägen „um einen Faktor zehn“ unterhalb des kritischen Werts, bis zu dem eine Gefährdung für Erwachsene wie Kinder unwahrscheinlich sei. Dieser Wert gelte sowohl für lose Eier als auch für verarbeitete Produkte. Generell gelte: „Fipronil hat in Eiern nichts zu suchen“, sagte BfR-Abteilungsleiterin Monika Lahrssen-Wiederholt.

Schmidt mahnte eine lückenlose Klärung der Vorgänge an. Zentral sei vor allem, wo im Handel oder anderswo sich noch kontaminierte Eier befinden könnten, die dann aus dem Verkehr zu nehmen seien. Bund und die betroffenen Länder stünden in enger Abstimmung, auch mit den Niederlanden und Belgien würden Informationen ausgetauscht. Verbotene Verwendung des Insektengifts wie bei Hennen sei nicht hinnehmbar und müsse von der Justiz geahndet werden, sagte der Minister.

Grüne fordern Konsequenzen beim Bund
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9 Kommentare zu "Fipronil-Skandal: Aldi nimmt sämtliche Eier aus dem Verkauf"

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  • @Herr Toni Ebert, 04.08.2017, 12:27 Uhr

    "Aber bei den Lidl / ALDI Sachen ist das sehr selten. Auch weiß ich, dass man beim Anbau der Lebensmittel nicht noch der hungernden Bevölkerung in den III. Ländern die letzten Anbauflächen klaut."

    Das ist in der Tat ein sehr wichtiger Aspekt (woher wissen Sie das so genau??). Sollten die mit werben (was allerdings allgemein zugängliche transparente Informationen zu den Lieferketten voraussetzt).

    Mindestens genauso wichtig ist es allerdings, dass zur Produktion des verdammten Sojamehls, mit dem die armen Tiere, die ihr Leben in Mastfabriken - also nicht auf Höfen mit artgerechter Tierhaltung - fristen müssen vollgestopft werden, nicht noch mehr wertvoller Regenwald Sojaanbauflächen weichen muss.

    Ich esse übrigens auch ab und zu Fleisch. Aber wenn z.B. 100g Bio-Schinken 2,49 Euro kosten (während von dem aus "konventioneller" Haltung 200g für 0,99 Euro zu haben sind), mäßigt man sich automatisch. Besser schmecken tut's übrigens auch.

  • Die Eier landen in den Nudel, sie essen alles auf, war alles schon da, Beschwerden sinnlos.

  • @Herr Toni Ebert, 04.08.2017, 12:27 Uhr

    Sehr geehrter Herr Ebert, die Belastung der Lebensmittel mit was-auch-immer ist mir, so unerfreulich sie auch ist, weitgehend egal.

    Zumal man wahrscheinlich in vielen Ländern froh wäre, wenn man "nur" diese Probleme hätte (allerdings nimmt man dort - mangels Angebot - vermutlich auch nicht ganz so viel industriell hochverarbeiteten "Lebensmittel"müll zu sich wie z.B. in den USA und Europa).

    >>> Mir geht es bei Bio-Lebensmitteln eigentlich ausschließlich um das Wohl der Tiere. <<<

  • Frau Annette Bollmohr,


    Dass es sich dabei auch noch ausgerechnet um Produzenten von Bio- und Freilandeiern handelt, ist echt bitter.
    <<<<<<<<<<<<<<<<<<<<

    Es ist kein Problem, dass der typische BIO-Kunde es liebt, wenn man ihn betrügt. Was meinen sie wohl, womit der BIO-Experte die Blattläuse tötet oder das Unkraut vernichtet ?

    Mit Brenneseln ??

    Leider komme ich vom "Fach" und kann daher bestens auf die teuren, mega schwer belasteten Bio Sachen verzichten.

    Ich weiß, wenn ich normale Lebensmittel bei Lidl / Aldi kaufe, dann weiß ich, dass ich eine Best-Qualität habe und der Bauer (aus Kostengründen) keine Schwermetalle spitzt. Ausnahmen wird es immer geben. Aber bei den Lidl / ALDI Sachen ist das sehr selten. Auch weiß ich, dass man beim Anbau der Lebensmittel nicht noch der hungernden Bevölkerung in den III. Ländern die letzten Anbauflächen klaut.


  • Das gibt eine Menge Rührei.

    Kann man vielleicht in der Kälbermast verwenden.

  • Hühnerhofbesitzer meine ich

  • Mir tun vor allem die Besitzer leid, die jetzt die Folgen der verantwortungslosen Schlamperei eines einzelnen niederländischen Betriebs auszubaden haben:
    http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/hallo_niedersachsen/Belastete-Eier-auf-drei-Hoefen-nachgewiesen,hallonds39912.html

    Dass es sich dabei auch noch ausgerechnet um Produzenten von Bio- und Freilandeiern handelt, ist echt bitter.

  • Hm, der einzige, der hier meckert, sind doch Sie, Herr Ebert.

  • Und wieder eine hervorragenden Möglichkeit für das niedere Untervolk, sich hier mal so richtig schön aus zu meckern. Das ist natürlich schwer, denn das Sommerloch ist böse und die netten, stets objektiven und sehr, sehr wissenden Reporter müssen sich schon etwas einfallen lassen, um das Grundbedürfnis Meckern irgendwie befriedigen zu können.

    Aber es scheint gelungen zu sein. Wieder hat sich hier ein Meckerkopp gefunden, der erst einmal so richtig eins vom Leder gezogen hat.

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