Flagship-Wahn Das Ende der Protz-Boutiquen

Das US-Mode-Label Ralph Lauren schließt sein Geschäft auf New Yorks berühmter Fifth Avenue. Auch andere Luxus-Marken verzichten auf Edel-Adressen – denn für die Glanz-und Glamourwelt ändert sich das Umfeld radikal.
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Ralph Laurens schließt seinen Polo-Flagship-Store auf der Fifth Avenue in New York: Der Trend zum Verzicht auf Protz-Boutiquen hat begonnen. Quelle: Reuters
Ralph Laurens Polo-Flagship-Store auf der Fifth Avenue in New York

Ralph Laurens schließt seinen Polo-Flagship-Store auf der Fifth Avenue in New York: Der Trend zum Verzicht auf Protz-Boutiquen hat begonnen.

(Foto: Reuters)

New YorkRalph Lauren ist das prominenteste Opfer. Das amerikanische Modelabel schließt seinen Polo-Laden auf der New Yorker Fifth Avenue – ein für die Marke repräsentatives Geschäft auf einer der besten und damit teuersten Straßen der Welt.

Fifth Avenue, Champs-Élysées, Bond Street, Via Montenapoleone. Das sind die Namen, die bisher als absolutes Muss galten in der Glamourwelt. Wer in der Luxusindustrie bestehen wollte, musste einen eigenen Laden in diesen Top-Lagen haben - möglichst noch von einem Star-Architekten entworfen, in edelsten Materialien und möglichst groß. Die „Flagship-Stores“ sind gewissermaßen Schaufenster mit Blick auf ausgewählte Produkte der Marken. Die Kosten für die Eröffnung einer solchen Boutique liegen zwischen fünf und 50 Millionen Euro. Dabei galt stets die Devise: Egal, ob der Laden selbst Geld verdient oder nicht, es ist die Strahlkraft, die zählt.

Kleider machen Milliardäre
Platz 10: Burberry
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Der Hoflieferant von Queen Elizabeth und Prince Charles gehört zu den luxuriösesten Modelabels der Welt – und zu den teuersten. Gegründet wurde das Unternehmen 1856. Seit 1920 ist Burberry an der Londoner Börse notiert, die Marke ist Mitglied im FTSE 100 Index.

Umsatz 2015: 3,4 Milliarden Euro*

*Geschäftsjahr 2014/15

Quelle: Umsatzrangliste europäischer Bekleidungsmarken nach der Zeitschrift „TextilWirtschaft“, dfv-Mediengruppe

Platz 9: Prada Group
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Die bekannteste Marke der Prada Group ist heute noch Prada, allerdings sind Marke und Unternehmen nicht mehr synonym: Weitere Marken der Prada Group sind Miu Miu, Church’s und The Original Car Shoe. Das Unternehmen Prada wurde 1913 von Mario und Martino Prada gegründet, 1919 stieg der exklusive Hersteller von Handschuhen, Taschen und Koffern zum königlichen Hoflieferanten auf. 1978 übernahm Miuccia Prada, Enkelin von Firmengründer Mario, die Geschäfte und baute die Prada Group zu einem global agierenden Modekonzern aus. Prada eröffnete erst im Jahr 1983 ein zweites Ladenlokal, wie das erste in Mailand liegend.

Umsatz 2015: 3,5 Milliarden Euro

Platz 8: Next
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Der britische Modehändler Next, 1982 gegründet, besitzt mittlerweile nach eigenen Angaben über 500 Geschäfte im Vereinigten Königreich und Irland, sowie „nahezu“ 200 Franchise-Stores in 40 Ländern. Er ist mittlerweile zum führenden Online-Modehändler Großbritanniens aufgestiegen und liefert seine Kollektionen in über 72 Länder. Next setzt auf eigene Designs und vertreibt ausschließlich die eigene, gleichnamige Modemarke.

Umsatz 2015: 5,6 Milliarden Euro

Platz 7: C&A
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Im Jahr 1841 gründeten die Brüder Clemens und August Brenninkmeijer das Unternehmen 'C. en A.' und eröffneten ein Geschäft, das als eines der ersten Kleidung in Konfektionsgrößen verkaufte. Bis heute befindet sich das Unternehmen in mittlerweile sechster Generation in Besitz der Familie Brenninkmeijer. C&A ist mit 1575 Filialen in 21 europäischen Ländern vertreten und beschäftigt rund 35.000 Mitarbeiter.

Umsatz 2015: 6 Milliarden Euro

Platz 6: Primark
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Die erste deutsche Filiale des 1969 gegründeten Textil-Discounters wurde 2009 in Bremen eröffnet, mit mittlerweile 20 Läden ist die Bundesrepublik das Land mit den drittmeisten Primark-Filialen außerhalb des Vereinigten Königreichs. Strategie des irischen Unternehmens ist es, auf in der Regel mehreren tausend Quadratmetern Verkaufsfläche modische Textilien, Schuhe und Accessoires zu extrem niedrigen Preisen anzubieten – damit ist der Konzern anders als andere Textil-Discounter vor allem bei jungen Menschen erfolgreich. Wegen Arbeits-, Lohn- und Produktionsbedingungen in Billiglohnländern steht das Unternehmen immer wieder in der Kritik.

Umsatz 2015: 7,6 Milliarden Euro

Platz 5: Kering
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Das französisch-italienische Modeunternehmen Kering wurde 1963 von dem französischen Unternehmer François Pinault gegründet und bis 2005 von diesem geführt. Seit dem 21. März 2005 wird der Konzern von Pinaults Sohn, François-Henri Pinault (im Bild), geleitet. Der Name Kering dürften nur den Wenigsten bekannt sein. Doch mit Labels wie Puma oder Gucci erreicht der Konzern ansehnliche Umsätze.

Umsatz 2015: 11,5 Milliarden Euro

Platz 4: Christian Dior
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Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg 1946 gegründet, trug Christian Dior maßgeblich dazu bei, dass sich Paris als Modehauptstadt der Welt etablieren konnte. Insgesamt beschäftigt das Unternehmenskonglomerat über 100.000 Mitarbeiter. Für die Modesparte von Dior arbeiten knapp 3600 Menschen.

Umsatz 2015: 12,3 Milliarden Euro

Diese Logik haben sich auch die Immobilienbesitzer zunutze gemacht, die die Mieten Jahr für Jahr nach oben schraubten. Damit sind die Edel-Boutiquen zuletzt mehr zu einem Geschäft für die Vermieter als für die Modehäuser geworden. 2016 betrugen die Mieten auf der Fifth Avenue in New York fast 30.000 Dollar pro Quadratmeter im Jahr. Das heißt: Ein eher kleiner 300 Quadratmeter großer Laden kostet knapp neun Millionen Dollar Miete im Jahr. Kein Wunder, dass da Marken wie Ralph Lauren die Waffen strecken. Auch bei anderen Marken standen zuletzt Neu-Eröffnungen von eigenen Läden nicht mehr im Mittelpunkt.

Aber es ist nicht nur eine Kapitulation vor den hohen Mietpreisen, die die Luxushäuser aus den Nobelmeilen fliehen lassen. Und auch liegt es nicht nur am Rückgang der Touristenzahlen in New York, dass Ralph Lauren seinen Laden schließt. Es ist ein klares kaufmännisches Kalkül: Die Kunden kaufen nicht mehr so viel in diesen Monomarken-Läden.

In einer Umfrage des Luxusverbands Altagamma und der Boston Consulting Group gaben im vergangenen Jahr nur noch 27 Prozent der Befragten an, ihren letzten Luxus-Einkauf in einem Monomarken-Laden getätigt zu haben. Zum Vergleich: Zwei Jahre zuvor waren es noch 35 Prozent.

Sind das gute Nachrichten für die Luxushersteller? Ja und Nein. Ja, weil sich der Flagship-Trend in den vergangenen Jahren zum Flagship-Wahn gewandelt hatte. Selbst kleine Luxus-Unternehmen mit geringeren Umsätzen mussten in der Vergangenheit die kostspieligen Dependancen eröffnen, um in der Glitzerwelt mitspielen zu können. Und das galt nicht etwa nur für New York, Paris und Mailand. Da der Markt längst weltübergreifend ist und das Wachstum vor allem aus Asien kommt, mussten auch Edel-Boutiquen in Kuala Lumpur und Singapur her. Damit ist nun hoffentlich Schluss.

Nein, es sind keine guten Nachrichten, weil sich die Luxus-Labels trotzdem nicht zurücklegen können. Was sie an physischer Edel-Präsenz nicht mehr leisten müssen, das müssen sie nun im Internet leisten: edle Auftritte, die die Kunden auch im Netz träumen lassen. Das gilt nicht nur für die eigene Website, sondern auch für den Auftritt in den sozialen Medien. Der muss genauso edel anmuten und das gleiche exklusive Gefühl vermitteln wie die bisherigen Boutiquen. Statt das Geld in Mieten zu stecken, gilt es nun, die richtigen Köpfe einzustellen, die den Luxus virtuell übersetzen.

Von Z wie Zalando bis Z wie Zalando
Platz 10: Zalando Lounge
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Zalando Lounge ist der Rabattwarenladen des Online-Versandhändlers. Nutzer dieses Portals müssen sich registrieren. Danach bekommen sie Angebote mit bis zu 70 Prozent Rabatt. Die Mitgliedschaft in der Zalando Lounge ist kostenlos.

Umsatz (2014)*: 71,8 Millionen Euro**

*Quelle: Statista, EHI Retail Institute

**umfasst Einnahmen der Online-Shops in Deutschland im Segment Bekleidung, Schuhe und Textilien

Platz 9: Walbusch
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Bis in die 1960er-Jahre verkaufte Walbusch neben Herrenkleidung auch Elektrorasierer und Haushaltswaren. Später konzentrierte sich der Konzern auf den Verkauf von Herrenmode. Bekannt ist das Unternehmen für sein Hemd mit dem Walbusch-Kragen ohne Knopf. Zunächst war Walbusch nur als Versandhändler tätig. Erst 2009 wurde die erste Filiale eröffnet. Im Handelsblatt-Interview erklärte Firmenchef Christian Busch: „Die Frau entscheidet, was gekauft wird“.

Umsatz: 72,2 Millionen Euro

Platz 8: C&A Online
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Einst hatte C&A die Konfektionsgrößen eingeführt. Seitdem avancierte der Modekonzern zu den größten Bekleidungsherstellern Deutschlands. C&A beschäftigt mehr als 36.000 Menschen. Seit 2008 bietet der Konzern seine Kleidung auch im Internet an. Allerdings ist der Anteil des Internetgeschäfts gemessen am Gesamtumsatz in Deutschland (über drei Milliarden Euro) noch gering.

Umsatz: 79,3 Millionen Euro

Platz 7: s.Oliver
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s.Oliver kommt nicht wirklich in Fahrt. Seit Jahren kämpft der Modekonzern mit wirtschaftlichen Problemen. Zwar konnte der Umsatz im vergangenen Jahr leicht gesteigert werden, doch das Online-Geschäft weist entgegen des Trends rückläufige Zahlen vor. 2013 lag der Online-Umsatz bei 127 Millionen Euro. Im Jahr darauf sanken die Einnahmen um mehr als 16 Millionen Euro.

Umsatz: 110,8 Millionen Euro

Platz 6: Brands-4-Friends
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Im Umsatzranking auf Platz sechs ist die Private Sale GmbH aufgelistet. Hinter dem Unternehmen steckt brands4friends.de. Das ist eine kommerzielle Online-Community, die im Internet eine spezielle Sortimentsausrichtung anbietet. Zugang zum Angebot erhalten Interessenten nach einer Registrierung. brands4friends.de bot im September 2007 in Deutschland als erste Mode-Online-Community ihren Dienst an. Seitdem konnten die Erlöse kontinuierlich gesteigert werden.

Umsatz: 114,6 Millionen Euro

Platz 5: Esprit
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Der Online-Handel hat dem Moderiesen Esprit stark zugesetzt. Erst nach und nach erholt sich der Konzern – auch dank eines eigenen Online-Angebots. Mit einem Umsatz von mehr als 162 Millionen Euro positioniert sich Esprit in Deutschland auf dem fünften Platz.

Umsatz: 162,5 Millionen Euro

Platz 4: Heine
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Die Heinrich Heine GmbH gehört zu den ersten Modeversandhändlern in Deutschland mit eigenem Online-Shop. Bereits 1996 konnten Kunden ihre Ware im Internet bestellen. Seit 2009 wird der Fokus auf das E-Commerce zunehmend verstärkt.

Umsatz: 204 Millionen Euro

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4 Kommentare zu "Flagship-Wahn: Das Ende der Protz-Boutiquen"

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  • "Glamourwelt. Wer in der Luxusindustrie bestehen wollte, musste einen eigenen Laden in diesen Top-Lagen haben"

    Die Zeiten ändern sich.

    Auch die Kundschaft in der "Glamourwelt" kriegt durchaus mit, was sich um sie herum in der (realen) Welt so alles tut.

    Und dass es heute um andere Dinge geht, wenn man "bestehen" will.

  • Calvin Klein - Pepe - Pash - Nike - Burberry
    Gola - Joines - Carhartt - Mexx - Gap und Etnies
    Helmut Lang - Miu Miu - Pro-Keds und Chanel
    Dockers - OshKosh - Southpole - Fubu und Diesel
    Guess - Dior - Laura Berg - Walsh - Adidas
    Polo Sport - Logg - Strenesse was soll denn das
    Gucci - Rolex - Esprit - Armani - Oilily
    DKNY - Replay - Miss Sixty - Energie
    Versace - Mikaze - Lacoste es was es wolle
    Warum spielt die Kleidung die größte Rolle?
    Donna Karan - H&M - No Name - Yves Saint Laurent - Dries Van Noten - Zeiss und Dr. Martens

    Mein Haus - mein Auto - meine Yacht - meine Villa
    Mein Privatjet - mein Büro - meine Putzfrau und mein Killer
    Meine Frauen - meine Muskeln - meine Insel und mein Bett
    Meine Ringe - meine Ketten - mein Whirlpool - mein Klosett
    Meine Bilder - meine Firmen - meine Brillen - meine Uhren
    Meine 5 Affären um richtig rum zu huren
    Das alles brauchst du, damit du weißt wer du bist
    Weil du denkst, dass reich und schick sein besser ist
    Kleider machen Leute
    Zumindest war das so bis heute
    Jetzt wird sich ausgezogen und ganz ungelogen
    Nackt sehen wir fast alle gleich aus

    Zitat / Text: Ben - Kleider machen Leute
    https://www.youtube.com/watch?v=xAMh4xqqMmE

  • Also ich mag den Polo von Volkswagen und ich finde nicht, dass er besonders heraus geputzt wird.

  • ich war mal in diesem Polo-Shop in NY..aber mehr zur Belustigung wie krank man auf teure Klamotten sein kann...da wird ne Handtasche wie ein zig-Karat Edelstein ausgestellt, da packst du dir an den Kopf...

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