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Flugbranche Eurowings steht ein harter Sparkurs bevor

Eurowings will mit kleinerer Flotte und dem Verzicht auf Langstreckenflüge wieder profitabel werden. Doch mancher im Konzern zweifelt am Schrumpfkurs.
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Eurowings steht ein harter Sparkurs bevor Quelle: dpa
Eurowings

Die Flotte von 139 Kurzstreckenjets soll bis Ende 2022 um bis zu 20 Prozent schrumpfen.

(Foto: dpa)

Frankfurt Es war auffällig, wie stark der Lufthansa-Chef im Juni beim Capital Markets Day des Konzerns wieder und wieder auf den Ableger Eurowings zeigte. Und das mit einer Mischung aus Selbstkritik und Drohung.

„Wir haben Eurowings in zu kurzer Zeit zu viel zugemutet“, räumte Carsten Spohr freimütig ein. Um dann umgehend den für die Tochter zuständigen Vorstand Thorsten Dirks auf die für ihn typisch charmante, aber auch sehr direkte Art in die Pflicht zu nehmen. Eurowings werde es in die schwarzen Zahlen schaffen. „Wenn das dann gelungen ist, wird Thorsten der Held sein.“

Tatsächlich ist Eurowings die mit Abstand größte Baustelle in der Lufthansa-Gruppe. In den zurückliegenden zwei Jahren wurden die Probleme überdeckt – vor allem durch das rasante Wachstum der Tochter und die Übernahme der Air-Berlin-Teile. Nun werden sie immer sichtbarer. Im ersten Quartal flog der Ableger ein Ergebnis vor Steuern von minus 256 Millionen Euro ein. Die versprochene schwarze Null wurde deshalb von diesem auf das Jahr 2021 verschoben.

Der Führung der Lufthansa-Tochter aber die alleinige Schuld für das Desaster zu geben greift zu kurz. Zwar gab es schon bei der Gründung von Eurowings Fehler – strategisch war der Schritt allerdings richtig, um gegen Ryanair oder Easyjet überhaupt eine Chance zu haben.

Lufthansa-Chef Spohr wusste den Ableger zudem für weitere Aufgaben zu nutzen. Für den obersten Lufthanseaten war Eurowings ein Instrument, um die Gewerkschaften zu Zugeständnissen zu bewegen. Die Gründung der Tochter folgte der Logik: Man braucht alle fünf Jahre eine neue, noch nicht tariflich festgelegte, billigere Betriebsplattform. Damit kann den Arbeitnehmervertretern angedroht werden, Wachstum nur dann stattfinden zu lassen, wenn sie sich kompromissbereit zeigen.

Zudem war Eurowings ein Abladeplatz für jene Probleme, die der Lufthansa-Chef bei der Kernmarke nicht lösen konnte oder wollte. Nur aus diesem Grund musste Eurowings Langstrecke fliegen. Nur deshalb startet Eurowings anders als geplant an den großen Drehkreuzen Frankfurt und München. Denn die Kernmarke Lufthansa hat zu hohe Kosten, um dort gegen Easyjet oder Ryanair anzukommen. 

Billigmarke soll schrumpfen

Nun soll die Billigmarke schrumpfen. Die Langstrecke wird bald von Lufthansa vermarktet, der Ableger soll sich wieder ganz auf das Europageschäft konzentrieren. Brussels Airlines wird nicht in Eurowings integriert. Die Flotte von derzeit 139 Kurzstreckenjets soll bis Ende 2022 um bis zu 20 Prozent schrumpfen, Stellen werden abgebaut.

Und die Zahl der Flugbetriebe, der sogenannten AOC, soll von vier auf einen reduziert werden. Denn nur so ist die Komplexität aus dem System zu bekommen. „Spohr will an Eurowings ein Exempel statuieren“, sagt ein Manager.

Mancher im Konzern spricht bereits von einer „mission impossible“ für das Team um den zuständigen Konzernvorstand Dirks. Denn vor allem die Reduzierung auf eine Betriebsplattform (AOC) ist eine gewaltige Herausforderung. In Arbeitnehmerkreisen wird befürchtet, dass dieses AOC das von Eurowings Europe in Wien sein soll. Es gilt innerhalb von Eurowings als die „Produktion“ mit den geringsten Kosten.

Der Widerstand der Gewerkschaften dürfte groß sein. Sie werden sich ihre Zustimmung „bezahlen“ lassen. Andererseits wird Dirks die Vereinfachung der Strukturen bei Eurowings ohne die Unterstützung der Mitarbeitervertretungen nicht umsetzen können. Es zeichnet sich ein langer und äußerst komplizierter Verhandlungsmarathon ab – Arbeitskämpfe inklusive.

Mehr: Die Lufthansa soll neu strukturiert werden. Wie der Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr dieses Mega-Projekt realisieren will, lesen Sie hier.

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