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Flugbranche Lufthansa droht großer Ärger in Österreich

Die Restrukturierung bei der Tochter AUA stößt Lokalpolitikern in der Alpenrepublik übel auf. Lufthansa-Chef Carsten Spohr zeigt sich davon unbeirrt.
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Wegen der Restrukturierung von Austrian Airlines droht der Lufthansa Ärger in Österreich. Quelle: AP
Lufthansa und Austrian Airlines

Wegen der Restrukturierung von Austrian Airlines droht der Lufthansa Ärger in Österreich.

(Foto: AP)

FrankfurtEs ist die erste wirkliche Bewährungsprobe für Alexis von Hoensbroech in seiner neuen Rolle als Vorstandschef der österreichischen Lufthansa-Tochter Austrian Airlines (AUA). Mit seiner Ankündigung, künftig Verbindungen von Flughäfen jenseits von Wien nach Deutschland aufzugeben und mehrere dezentrale Basen zu schließen, hat sich der 48-jährige Manager mächtig Ärger eingehandelt.

„Das kommt einem Wegfall an Arbeitsplätzen und einem schweren Schlag gegen die betroffenen Standort-Bundesländer gleich“, zitiert die Tageszeitung „Die Presse“ Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser. Das Angebot an die betroffenen rund 200 Mitarbeiter, nach Wien umzusiedeln, bezeichnete er gar als „Erpressung“.

Auch die Gewerkschaft Vida ist empört und warnt vor massiven Folgen für die betroffenen Regionen. „Der Widerstand könnte noch größer werden“, heißt es in Lufthansa-Kreisen. Auch Streiks werden nicht ausgeschlossen.

Die AUA-Spitze hatte am Donnerstag bekanntgegeben, dass 122 wöchentliche Flüge zwischen Graz, Linz, Salzburg und Innsbruck jeweils zu den deutschen Flughäfen Frankfurt, Düsseldorf und Stuttgart an Lufthansa oder deren Billig-Plattform Eurowings abgegeben werden. Entsprechend will AUA die Basen – also die Standorte für die Crews – an den sechs österreichischen Standorten schließen.

Auf den ersten Blick handelt es sich um eine kleine strategische Anpassung, denn die Flughäfen werden weiter von der Lufthansa-Gruppe bedient, also nicht abgehängt. Aber der eine oder andere in Österreich fürchtet, dass das nur ein erster Schritt ist und die Regionalflughäfen mittelfristig mehr oder minder ganz aufgegeben werden könnten.

Von Hoensbroech, seit Sommer 2018 CEO von AUA, dürfte in der Sache wohl hart bleiben. Denn er beseitigt strategische Mängel, die längst schon nicht mehr existieren sollten.

Der Betrieb von kleinen Basen mit zuweilen weniger als 20 Mitarbeitern und nur zwei Flügen am Tag ist im hart umkämpften Flugbetrieb nicht mehr wirtschaftlich darstellbar. Lufthansa und Eurowings wiederum betreiben auf der deutschen Seite an den betreffenden Standorten sowieso Basen, die nun genutzt werden können.

Auch wird dem AUA-Chef kaum etwas anderes übrigbleiben, als die Ankündigung durchzuziehen. Denn Lufthansa-Chef Carsten Spohr will einen Fehler seiner Vorgänger beseitigen: das Durchschleppen von margenschwachen Beteiligungen.

Das bekam schon die wirtschaftliche schwächelnde Brussels Airlines zu spüren. Die Beteiligung wird in Eurowings integriert, hat für den Billigableger die Steuerung des Langstreckenverkehrs übernommen. Dagegen gab es teils heftigen Widerstand der Politik aber auch von nationalen Unternehmern. Doch Spohr blieb hart, Bernard Gustin, seit Juni 2012 CEO von Brussels, musste Anfang vergangenen Jahres den Posten räumen. Seitdem steht Christina Förster an der Spitze der belgischen Airline, eine Vertraute von Spohr.

Auch von Hoensbroech genießt das Vertrauen des Lufthansa-Chefs. Er wurde von Spohr ganz bewusst nach Wien geschickt. Denn die Tochter ist operativ noch nicht da, wo sie hinsoll. AUA kam in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres auf eine Marge bezogen auf das operative Ergebnis (Ebit) von 5,5 Prozent. Spohr hat mehrfach betont, AUA werde nur Mittel für neue Jets bekommen, wenn man sich bei der Marge den Werten von der Vorzeigetochter Swiss nähert. Die erreichte zuletzt 14,3 Prozent.

Von Hoensbroech wird zugetraut, diese Vorgabe zu erreichen. Als Vorstandsmitglied bei Lufthansa Cargo schaffte er es vor wenigen Jahren nicht nur, das beschlossene Sparprogramm über 40 Millionen Euro umzusetzen. Er holte sogar 80 Millionen Euro an Kosten aus der Frachttochter der Lufthansa heraus.

„Er ist stets freundlich und verbindlich, aber er ist in der Sache knallhart“, beschreibt ein Wegbegleiter den studierten Physiker. Die Analyse dessen, was bei AUA nicht stimmt, dürfte dem Manager zudem nicht sehr schwergefallen sein.

Als Mitarbeiter des früheren und kürzlich verstorbenen Lufthansa-Chefs Wolfgang Mayrhuber war er es, der 2009 die Integration der frisch übernommenen AUA umsetzte. Dass die Ineffizienzen, die von Hoensbroech nun beseitigen will, dennoch so lange Bestand haben konnten, wird im Umfeld der Lufthansa unter anderem mit der Rücksichtnahme auf Mayrhuber begründet. Der AUA-Deal war eine Herzensangelegenheit des gebürtigen Österreichers. Zudem sorgte die Übernahme in der Alpenrepublik damals für heftige Diskussionen, es mussten also Zugeständnisse gemacht werden.

Doch das kann sich AUA heute wohl nicht leisten. Wien, das Drehkreuz der Lufthansa-Tochter, hat sich in den letzten Jahren zu einem Standort für Billig-Airlines entwickelt. Das sorgt für einen massiven Preisdruck, der etwa durch die Mehrheitsübernahme von Laudamotion – hervorgegangen aus der ehemaligen Air Berlin-Tochter Niki – und durch den irischen Billig-Anbieter Ryanair noch weiter verschärft wird.

Der AUA-Chef will das Vordringen der Billigheimer nicht weiter akzeptieren und Wien stärken: „Das ist eine Kampfansage im schärfer werdenden Wettbewerb in Wien zu verstehen. Wir sind bereit, noch weitere Schritte zu gehen, um unser Drehkreuz zu verteidigen.“

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1 Kommentar zu "Flugbranche: Lufthansa droht großer Ärger in Österreich"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Was erwartet sich die österreichische Politik, wenn sie ausgemachte Billiganbieter wie Lauda Air - Ryain Air am Drehkreuz Wien massiv in die Hände spielen. Klar ist, wo BILLIG, da auch wirklich BILLIG. Das bedeutet, dass nicht nur die Ticketpreise billig sind, sondern auch die Mitarbeiter billig bezahlt werden und der Service billig ist.
    Wenn Lufthansa seine Geschäftsprozesse daraufhin anpasst, sichert das Arbeitsplätze und Serviceleistungen.
    Air Berlin hat das nicht geschafft! Air Berlin existiert nicht mehr.

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