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Fluggesellschaft Austrian Airlines verhandelt mit Österreich ums Überleben

Eine mögliche Staatsbeteiligung bei der Lufthansa-Tochter wird kontrovers diskutiert. Es geht offenbar um einen Betrag von bis zu 800 Millionen Euro.
17.04.2020 - 13:12 Uhr Kommentieren
Coronavirus: Lufthansa-Tochter Austrian Airlines verhandelt mit Österreich über Staatshilfen
Austrian Airlines

Die Lufthansa-Tochter wird den Flugbetrieb bis zum 19. Mai einstellen.

Wien Die Austrian Airlines (AUA) steht mit dem Rücken zur Wand. Die durch die Coronakrise in Not gekommene Tochter der Lufthansa verhandelt mit Österreich über Staatshilfen. Die Gespräche mit CEO Alexis von Hoensbroech und anderen Vorstandsmitgliedern mit der staatlichen Coronahilfe-Finanzierungsagentur Cofag haben nach österreichischen Medienberichten bereits begonnen.

Im Raum steht ein Betrag von bis zu 800 Millionen Euro für die Fluglinie. Es soll dabei vor allem um Kreditlinien gehen. Die AUA selbst nennt keinen Betrag. Die Verhandlungen sollen Anfang Mai beendet sein. Austrian Airlines mit seinen 7000 Mitarbeitern ist bereits seit 2009 Teil des Lufthansa-Konzerns.

Doch die Gespräche sind schwierig. Denn die österreichische Regierung unter Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) ist nicht bereit, der Lufthansa-Tochter bedingungslos finanziell unter die Arme zu greifen. Sie hat bereits deutlich gemacht, dass die Obergrenze von 120 Millionen Euro nur in Ausnahmefällen überschritten werden soll.

Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) sagte, dass erst einmal die deutsche Konzernmutter alles tun müsse, „um das Überleben der Austrian Airlines“ in der Lufthansa-Gruppe zu sichern. Für eine Staatshilfe müssen die Voraussetzungen wie Standortgarantie und Arbeitsplätze geschaffen werden, meinte die Vertraute von Kanzler Kurz. In der Diskussion ist beispielsweise eine Staatsbeteiligung der Österreicher an der Austrian Airlines, die zuletzt einen Umsatz von 2,1 Milliarden Euro erzielte.

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Standort erkennen

    Schramböck gab sich zu einer möglichen Staatsbeteiligung an der AUA zurückhaltend. „Unser Ziel ist es nicht, uns grundsätzlich an Unternehmen staatlich zu beteiligen“, sagte die ehemalige Managerin des teilstaatlichen Konzerns Telekom Austria.

    Die rechtspopulistische FPÖ fordert unterdessen eine Staatsbeteiligung. „Nur eine Beteiligung der Republik sichert Standort und Jobs“, sagte FPÖ-Chef und Ex-Verkehrsminister Norbert Hofer. Als die Lufthansa vor über zwei Jahrzehnten Austrian Airlines übernahm, erhielt sie eine Mitgift von 500 Millionen Euro. In Wien wird hinter vorgehaltener Hand kritisiert, dass die Lufthansa in der Coronakrise nun für die AUA abermals den österreichischen Steuerzahler zur Kasse bitten will.

    Derzeit spricht der Vorstand auch mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft über einen Sparkurs. Seit 20. April befindet sich die Austrian Airlines in Kurzarbeit. Die Verhandlungen sind von großer Bedeutung. Doch nur wenn es zu einem Kompromiss kommt, ist eine außergewöhnliche Unterstützung seitens der Regierung möglich, sind Insider in Wien überzeugt.

    Der Bordbetriebschef Rainer Stratberger fordert unterdessen langfristig auf Kurzarbeit zu setzen, um Kündigungen zu vermeiden. Derzeit erhält die Austrian Airlines über die Kurzarbeitermodelle bis zu 320 Millionen Euro in den nächsten sechs Monaten, berichtete die österreichische Zeitung „Presse“. Die AUA muss vor allem ihre Kosten in der Belegschaft, an den Flughäfen und Lieferanten drastisch senken, um bei einem geringeren Umsatz überlebensfähig zu bleiben.

    Umweltministerin will Staatshilfen an Klimabedingungen knüpfen

    Eine großzügige Unterstützung für die Lufthansa-Tochter durch die schwarz-grüne Regierung in Wien ist umstritten. Der grüne Koalitionspartner kommt durch Klimaaktivisten unter Druck. In einem offenen Brief an die Regierung in Wien fordern rund 30 Organisationen in Österreich, darunter Fridays for Future, die künftigen Staatshilfen mit konkreten Auflagen für den Klimaschutz zu verbinden.

    Die Klimaschutz-Aktivisten verlangen auch, die Steuerprivilegien der Flugindustrie abzuschaffen und eine progressiv ansteigende Vielfliegerabgabe einzuführen. „Staatshilfen an die Fluglinie AUA müssen an Klima-Bedingungen geknüpft sein, etwa an ein Aus für Kurzstreckenflüge“, sagte Greenpeace-Programmdirektorin Sophie Lampl am Freitag.

    Umweltministerin Leonore Gewessler will bereits die Staatshilfen mit Klimabedingungen verbinden. „Wenn es um mehrere hundert Millionen Euro Steuergeld geht, dann muss es auch klare klimapolitische Bedingungen geben. Und: Wenn es Unternehmen wieder besser geht, muss auch der Steuerzahler etwas von den Hilfen haben“, sagte die Grünen-Politikerin dem „Standard“.

    Austrian Airlines hat sich unterdessen entschieden, den Flugbetrieb bis mindestens 19. Mai einzustellen. Die Kurzarbeit für die 7000 Mitarbeiter wurde nun um einen zusätzlichen Monat verlängert. Der Flughafen in Wien besitzt für die Lufthansa eine wichtige Rolle. Er ist das zentrale Drehkreuz für Ost- und Südosteuropa. Bereits seit 18. März fliegt die AUA mit ihren rund 80 Flugzeugen nicht mehr von Wien.

    „Unser Ziel bleibt jedoch unverändert: Sobald es möglich ist, wollen wir wieder anfangen zu fliegen“, sagte CEO von Hoensbroech. „Auch wenn es noch ein weiter Weg bis zu einer neuen Normalität sein wird, bereiten wir uns schon jetzt mit voller Kraft darauf vor.“ Die Lufthansa-Tochter rechnet damit, dass sich das Airline-Geschäft frühestens in drei Jahren normalisieren wird.

    Mehr: Um Airlines in der Viruskrise zu retten, könnten Staatsbeteiligungen der erfolgversprechendste Weg sein. Die Lufthansa will dieses Mittel unbedingt vermeiden.

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