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Alitalia-Maschine

Rom hatte der FS den Auftrag erteilt, ein Konsortium für die Sanierung der seit 2017 insolventen Fluggesellschaft zusammenzustellen.

(Foto: AFP)

Fluggesellschaft Der Kampf um Alitalia hat gerade erst begonnen

Die Namen der Retter der dauer-insolventen italienischen Airline stehen. Doch die Sanierung dürfte noch für viel Streit unter den Beteiligten sorgen.
Update: 16.07.2019 - 11:30 Uhr Kommentieren

Frankfurt Das eine der beiden Versprechen hat die national-konservative Regierung in Rom eingelöst. Die Heimat-Airline Alitalia bleibt in italienischer Hand. Nach einer mehrstündigen Sitzung entschied sich der Aufsichtsrat der staatlichen Eisenbahngesellschaft Ferrovie dello Strato (FS) am Montagabend für die zum Benetton-Reich gehörende Infrastrukturgesellschaft Atlantia als Partner.

Die italienische Regierung hatte der FS den Auftrag erteilt, ein Konsortium für die Sanierung der seit 2017 insolventen Fluggesellschaft zusammenzustellen. Unter dem Strich kontrolliert der Staat künftig gut 50 Prozent der Airline: 15 Prozent direkt und rund 35 Prozent indirekt über die FS. Zusammen mit den ebenfalls rund 35 Prozent, die an Atlantia gehen sollen, liegen also 85 Prozent der Anteile bei italienischen Aktionären. 15 Prozent entfallen auf die US-Airline Delta.

Das zumindest für die Mitarbeiter viel entscheidendere zweite Versprechen der Regierung ist damit allerdings noch nicht eingelöst: die Sicherung der rund 11.000 Jobs bei der Airline. Vor allem an diesem Punkt wird sich in den kommenden Monaten zeigen, ob der Plan der Regierung aufgehen wird. Schon jetzt ist absehbar, dass die Sanierung ohne Jobabbau nicht gelingen kann.

Nicht ohne Grund warnte Vize-Premier und Industrieminister Luigi di Maio unmittelbar nach der Entscheidung der FS vor einem vorzeitigen Jubel. Erst wolle er einen „ersthaften Betriebsplan“ sehen. Der soll bis Ende September stehen.

Die spannende Frage ist, wie viel Freiheiten die Regierung den künftigen Anteilseignern bei der Restrukturierung und der Entwicklung dieses Plans geben wird. Streit und Reibereien sind zu erwarten. Denn die nun vorgestellte Lösung wurde von der Regierung mit aller Macht „hingebogen“.

Das beginnt schon mit der Wahl der FS als die Gesellschaft, die bei der Sanierung die Führung übernehmen soll. Ganz freiwillig hat das Management der FS diese Rolle nicht übernommen, wie zu hören ist. Die Regierung musste hier wohl viel „Überzeugungsarbeit“ leisten.

Tatsächlich gibt es auch keine belastbaren Synergien zwischen beiden Unternehmen, die gehoben werden könnten. Vielmehr rührt zumindest ein Teil der Probleme von Alitalia daher, dass die FS neue Hochgeschwindigkeitstrassen eröffnet und der Alitalia damit Kunden abspenstig gemacht hat.

Schwierige Beziehung zwischen Benetton und Rom

Auch die Benetton-Familie zögerte lange mit einem Engagement. Erst in allerletzter Minute legte sie offiziell eine Offerte vor. Das überrascht nicht. Das Verhältnis des Familien-Unternehmens zur italienischen Regierung ist schwierig.

Atlantia, die Vermögensverwaltung der Benettons, ist seit dem Brückeneinsturz in Genua nicht gut gelitten in Rom. Das Unternehmen wurde nach der Katastrophe hart von der Regierung angegangen. Sogar mit dem Entzug von Aufträgen wurde gedroht.

Atlantia ist der Betreiber des betroffenen Autobahnstücks, einen klaren Schuldnachweis für die Katastrophe gibt es bis heute nicht. Dennoch hatte sich Industrieminister di Maio gegen eine Beteiligung von Benetton ausgesprochen. Erst auf Vermittlung von Premierminister Giuseppe Conte hat sich das Unternehmen dann angeblich doch dazu entschlossen, mitzumachen. Gute Voraussetzungen für Verhandlungen über heikle Themen wie den Abbau von Stellen sind das allerdings nicht.

Leer ausgegangen sind zwei andere Bieter. Claudio Lotito, der Besitzer des Fußballclubs Lazio Roma, hatte ein Angebot unterbreitet. Doch di Maio hatte Bedenken und „Garantien für eine solide Finanzierung“ gefordert. Die sollen dann angeblich nicht geliefert worden sein.

Auch die Gruppe Toto mit Carlo Toto, dem Ex-Chef von Air One, kam nicht zum Zuge. Das gilt auch für German Efromovich. Der aus Bolivien stammende Hauptaktionär der kolumbianischen Airline Avianca wollte bis zu 400 Millionen Euro bieten, hätte dafür aber gerne den Chefposten bekommen. Das kam offensichtlich sowohl für die Regierung als auch die Investmentbank Mediobanca, die in der Transaktion berät, nicht in Frage.

Dass mit Delta eine ausländische Airline mit im Boot ist, werten viele in der Branche als Versuch, der Rettung den Anschein von Professionalität zu verleihen. Das dürfte auch ein Zeichen an die Wettbewerbshüter in Brüssel sein. Die EU-Kommission schaut sich das Hin und her um Alitalia seit einiger Zeit genau an.

Denn Alitalia hängt nicht erst seit der Insolvenz 2017 am Staatstropf. In den zurückliegenden 15 Jahren steckte die Regierung fast 15 Milliarden Euro in die marode Airline. Nachhaltig schwarze Zahlen hat das der Fluggesellschaft dennoch niemals beschert.

Im vergangenen Jahr lag der operative Verlust vor Steuern bei 154 Millionen Euro, bei einem Umsatz von rund drei Milliarden Euro. Das Lohn-Niveau gilt branchenweit als hoch, hinzu kommen diverse Privilegien für das fliegende Personal, die die Gewerkschaften eisern verteidigen. Von den Arbeitnehmerorganisationen gibt es zudem gleich mehrere, was Kompromisse in Tariffragen erschwert.

Wie unnachgiebig die Belegschaft ist, zeigte sich 2017. Damals stimmten die Angestellten mehrheitlich gegen einen Sanierungsplan – wohl wissend, dass damit die Pleite unabwendbar sein würde. Seitdem verwalten von der Regierung eingesetzte Kommissare das Unternehmen.

Die Regierung, damals noch von Paolo Gentiloni, billigte erst einen Überbrückungskredit in Höhe von 600 Millionen Euro, der dann um weitere 300 Millionen Euro aufgestockt wurde. Langsam schrumpfen diese Reserven aber, was den Handlungsdruck erhöhte.

Einfach wird die Sanierung nicht – nicht nur wegen des sensiblen Themas Jobabbau. Die Rivalen haben die Dauerkrise von Alitalia dazu genutzt, ihre Marktposition in Italien auszubauen. Mit Easyjet und Ryanair sind dort zwei Billiganbieter sehr präsent, die für ihre aggressive Preispolitik bekannt sind. Die arabische Fluggesellschaft Qatar wiederum kämpft mit der Beteiligung Air Italy um Kunden.

Auch Lufthansa hat seinen Ableger Air Dolomiti gestärkt, um sich zusätzliche Marktanteile im begehrten Italien zu sichern. Die größte europäische Fluggesellschaft reagierte damit auf die zuletzt massiv geschrumpften Chancen, selbst bei Alitalia zum Zuge zu kommen.

Das Team um Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte schon vor längerer Zeit ein sehr konkretes Angebot für Alitalia vorgelegt. Der Plan: Alitalia sollte als eigenständige Marke erhalten bleiben, aber mit einem deutlich angepassten Kurz- und Langstreckennetz.

An anderen Bereichen wie etwa den Bodendiensten hatte man in Frankfurt kein Interesse. Zudem sah der Plan den Abbau von zahlreichen Arbeitsplätzen. Zwar hatte die „Hansa“ zugesagt, dass viele Beschäftigte in der großen Lufthansa-Gruppe Unterschlupf finden könnten. Doch darauf wollten sich die Regierung nicht einlassen.

Mehr: Personalengpässe bei LSG Sky Chefs führen zu Versorgungsproblemen in der Luft. Hintergrund dürften die Verkaufspläne für die Cateringtochter der Lufthansa sein.

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