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Fluggesellschaft Investoren zweifeln an der Lufthansa

Schon wieder überrascht die Lufthansa die Märkte mit einer schlechten Nachricht. Die Investoren sind irritiert – besonders über den Vorstand.
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Die Billigtochter Eurowings macht dem Dax-Konzern Probleme. Quelle: AFP/Getty Images
Stewardessen von Eurowings und Lufthansa

Die Billigtochter Eurowings macht dem Dax-Konzern Probleme.

(Foto: AFP/Getty Images)

Frankfurt Am kommenden Montag hat der Vorstand die Gelegenheit, den Schaden wiedergutzumachen. Dann lädt das Lufthansa-Management Investoren und Analysten zum Capital Markets Day. Gefragt sind vertrauensbildende Maßnahmen. Denn nach der überraschenden Absenkung der Ergebnisprognose für 2019 am späten Sonntagabend sind die Anleger irritiert.

Über elf Prozent verlor die Lufthansa bis Montagmittag. Kurzzeitig hatte das Minus sogar 13 Prozent betragen. Anders ausgedrückt: Die Lufthansa verlor bis Montagmittag an der Börse fast eine Milliarde Euro an Wert. Das ist deutlich mehr als jene rund 500 Millionen Euro, die der Konzern nun 2019 weniger auf der Ergebnisseite erwartet. Statt eines bereinigten Ergebnisses von mindestens 2,5 Milliarden Euro sollen es nun nur noch mindestens zwei Milliarden Euro sein.

Doch die Investoren waren über die Informationen aus der Frankfurter Lufthansa-Zentrale offensichtlich so entsetzt, dass sie der „Hansa“ in Scharen den Rücken zuwandten. Das dürfte zum einen daran liegen, dass es die zweite schlechte Nachricht ist, die Europas größte Fluggesellschaft innerhalb weniger Wochen publiziert hat.

Mitte April hatte der Konzern, ebenfalls für viele überraschend, einen Quartalsverlust von 336 Millionen Euro auf Basis des bereinigten Ergebnisses vor Zinsen und Steuern (Ebit) einräumen müssen.

Ein anderer Grund für den Rücksetzer dürfte die Kommunikationspolitik des Managements sein. Noch vor zwei Wochen war Lufthansa-Chef Carsten Spohr auf der Jahrestagung des Weltverbands IATA durchaus zuversichtlich aufgetreten. In einem Fernsehinterview war sogar der Eindruck entstanden, Lufthansa sei die einzige Airline in Europa, die optimistisch auf die kommenden Monate schaut, während andere Airline-Manager vor harten Zeiten warnen.

Gegenüber der „Neuen Züricher Zeitung“ hatte Spohr später noch einmal gute Vorausbuchungen bestätigt. Das klingt nun gänzlich anders. Die anhaltend starke Performance auf der Langstrecke gleiche den Preisverfall im Europaverkehr, der durch marktweite Überkapazitäten und aggressiv wachsende Billigkonkurrenten ausgelöst wurde, nur teilweise aus, heißt es in der Mitteilung. 

Eurowings macht Ärger

Vor allem dem Kurz- und Mittelstreckengeschäft unter der Marke Eurowings wird also die Verantwortung für das gerissene Jahresziel gegeben. Eurowings machen seit Langem die reinen Billiganbieter zu schaffen. Am heftigsten drückt hier Easyjet. Die britische Airline hat den Berliner Teil der insolventen Air Berlin übernommen und fliegt damit auf vielen Strecken in direkter Konkurrenz zu Lufthansa und zu Eurowings.

Weitaus weniger Überlappungen gibt es dagegen mit der irischen Ryanair, obwohl diese auch ab Frankfurt fliegt. Easyjet ist zwar mit nicht ganz so aggressiven Preisen unterwegs wie Ryanair. Aber die Fluggesellschaft hat niedrigere Kosten als Eurowings. Lufthansa-Insider schätzen diese für einen innerdeutschen Easyjet-Flug pro Passagier auf rund 70 Euro, Eurowings soll auf einen Wert von rund 90 Euro kommen.

Jedes Ticket, dass Eurowings oder auch die Lufthansa-Gruppe also innerdeutsch für weniger als 90 Euro verkauft, ist damit ein Verlustgeschäft. Eurowings muss aber immer häufiger mit niedrigeren Preisen agieren, um etwa auf der hart umkämpften Strecke Berlin-München mit Easyjet mithalten zu können. Lufthansa-Chef Spohr hat mehrfach deutlich gemacht, dass die Lufthansa-Gruppe ihre führende Position in den Heimatmärkten verteidigen werde.

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Auch in der Ad-hoc-Mitteilung vom Sonntagabend wird das noch einmal betont. Der Preis dafür ist hoch. Die sogenannten Stückerlöse – der Erlös pro Passagier und geflogenem Kilometer – werden bei Eurowings wohl im gesamten Jahr im mittleren einstelligen Prozentbereich sinken. Gleichzeitig kann Eurowings die dagegenstehenden Stückkosten langsamer senken als kalkuliert.

In Summe erwartet Lufthansa nun für Eurowings 2019 erneut einen Verlust, was sich in einer Ebit-Marge von minus vier und minus sechs Prozent widerspiegelt. Bislang hatte Lufthansa ein ausgeglichenes Ergebnis erwartet. Das Management habe deshalb weitere Turnaround-Maßnahmen beschlossen, die es bald vorstellen werde, heißt es.

Vorstand unter Druck

In Konzernkreisen rätselt man allerdings, wie diese weiteren Maßnahmen aussehen könnten. Denn der Lufthansa-Ableger habe mittlerweile eigentlich eine niedrige Kostenbasis. Probleme bereitet – so wird berichtet – eher die Flotte. Die Flugzeuge sind zusammengekauft, entsprechen bei der Wartung nicht dem Niveau der Lufthansa und fallen häufiger aus.

Ein Ansatzpunkt könnte beim Personal liegen. Lufthansa und insbesondere Eurowings befinden sich gerade in einem Tarifkonflikt mit der Kabinengewerkschaft UFO. Die steckt wegen Missmanagement und Streitigkeiten im Vorstand selbst in der Krise, weshalb Lufthansa die Handlungsfähigkeit anzweifelt und derzeit nicht verhandeln will.

Daniel Flohr, der stellvertretende Vorstandschef der UFO, hat aber am Montag schon mal klargemacht, dass man den Versuch, bei Eurowings einen angeblich zu teuren Tarifvertrag loszuwerden, nicht akzeptieren werde. Doch auch der Vorstand steht unter Druck. Spätestens am kommenden Montag wollen die Investoren und Analysten eine Perspektive haben, wie es mit der Lufthansa weitergeht.

Die Erwartungen sind hoch. „Wir fragen uns, ob es irgendetwas gibt, das das Unternehmen tun kann, um das Vertrauen der Investoren kurzfristig zurückzugewinnen“, schreibt Daniel Röska von Bernstein Research.

Mehr: Im ersten Quartal hatte die Lufthansa einen hohen Betriebsverlust zu verzeichnen. Für Anteilseigner bedeutet das durchaus Grund zur Besorgnis, kommentiert Jens Koen.

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