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Fluggesellschaft Lufthansa baut Vorstand um – Arbeitsdirektorin Volkens geht

Personalchefin Bettina Volkens verlässt die Fluggesellschaft zum Jahresende. Es ist nicht der einzige Wechsel im Vorstand der Lufthansa.
Update: 03.12.2019 - 11:36 Uhr Kommentieren
Die Lufthansa-Arbeitsdirektorin verlässt nach sechs Jahren im „beiderseitigen Einvernehmen“ zum Jahresende das Unternehmen. Quelle: Lufthansa Group
Bettina Volkens

Die Lufthansa-Arbeitsdirektorin verlässt nach sechs Jahren im „beiderseitigen Einvernehmen“ zum Jahresende das Unternehmen.

(Foto: Lufthansa Group)

Frankfurt Die Lufthansa baut den Vorstand um. Bettina Volkens, seit Mitte 2013 Arbeitsdirektorin und im Vorstand für das Personal verantwortlich, gibt zum Jahresende ihr Amt auf. Das teilte die Lufthansa am Rande einer Sitzung des Aufsichtsrates am Dienstag mit. Die Aufgaben von Volkens übernimmt Michael Niggemann, bisher Finanzchef der Tochter Swiss. Er wurde für drei Jahre in den Vorstand berufen.

Volkens habe sich um das Unternehmen verdient gemacht und reiche diese Aufgabe nun an ein junges Team weiter, das auf diesem Fundament aufsetzen wird“, wird Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley in der Mitteilung zitiert: „Der gesamte Aufsichtsrat empfindet große Dankbarkeit für ihr Wirken in unserem Unternehmen.“

Einzige Frau im neu formierten und um einen Posten erweiterten Vorstand wird die bisherige Chefin von Brussels Airlines, Christina Foerster. Sie soll unter anderem Marketing sowie gesellschaftliche und Klima-Aspekte bearbeiten.

Thorsten Dirks verliert seine Zuständigkeit für die Billigtochter Eurowings und soll sich künftig um IT und Digitalisierung kümmern. Die Airlines des Dax-Konzerns werden künftig allein vom Vorstand Harry Hohmeister geführt.

Volkens war zuletzt wegen des Dauerstreits mit der Kabinengewerkschaft UFO in die Kritik geraten. Über Wochen herrschte Unklarheit, was Europas größte Fluggesellschaft vorhatte. Ausgelöst durch internes Missmanagement bei der UFO und einen heftigen Führungsstreit zweifelte die Lufthansa an der sogenannten Vertretungsbefugnis der Gewerkschaft und verweigerte Gespräche.

Nachdem sich die UFO intern halbwegs sortiert hatte und einen Warnstreik startete, knickte das Unternehmen ein. Allerdings war es Lufthansa-Chef Carsten Spohr, der mit der Idee einer umfassenden Schlichtung die verfahrene Situation entspannte.

Die Schlichtungsmodalitäten selbst handelte dann wieder Volkens aus, doch angeblich nicht umfassend genug. So entbrannte kurze Zeit später erneut ein Streit zwischen UFO und Lufthansa darüber, inwieweit für die gesamte Airline-Gruppe während der Schlichtung Friedenspflicht herrscht, also ein Verzicht auf Streiks. Die Schlichtung kippte daraufhin wieder. Bis heute steht keine Vereinbarung über eine Schlichtung.

Mittlerweile hat aber Volkens’ Vorstandskollege Detlef Kayser die Verhandlungsführung übernommen, ein klare Demontage von Volkens. Deshalb war ihre Demission in Lufthansa-Kreisen bereits erwartet worden.

Management muss Vertrauen wiederherstellen

Gleichwohl sehen einige im Konzern Volkens als Bauernopfer für den völlig verkorksten Umgang mit der Kabinengewerkschaft. Denn die Juristin und erfahrene Personalerin – unter anderem war die 56-Jährige bei der Deutschen Bahn für das Thema verantwortlich – steckte in einem handfesten Dilemma, das sie nicht alleine zu verantworten hatte.

Auf der einen Seite wollte die Lufthansa gegenüber der UFO Härte zeigen. Mit diesem „Rezept“ hatte man vor Jahren schon eine lange Auseinandersetzung mit der Pilotenvertretung Vereinigung Cockpit (VC) gemanagt und war am Ende zu einem für beide Seiten langfristigen und belastbaren Kompromiss gekommen. Andererseits sollte dieser „harte Weg“ anders damals bei der VC aber von möglich wenigen Streiks begleitet werden.

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Zweimal schon musste Lufthansa bei der eigenen Vorhersage nachjustieren. Gerade erst hat das Management wieder Vertrauen bei den Investoren und Analysten aufgebaut. Eine dritte Warnung vor schlechter als erwarteten Zahlen will man nicht riskieren.

Doch schon der erste Warnstreik der UFO war teuer, wie zu hören ist. Zwar war die Beteiligung gering. Doch die Lufthansa hatte einen umfassenden Notflugplan erstellt, in dem am Ende viel mehr Flüge ausfielen als eigentlich nötig.

Ob es Niggemann und Kayser gelingen wird, die Fronten zu befrieden, ist offen. Die UFO strotzt derzeit wieder vor Selbstbewusstsein. Und bei aller Kritik an Volkens bescheinigen viele Lufthansa-Mitarbeiter der 56-Jährigen, dass sie sich über die Jahre tief in die hochkomplexe Tarifmaterie eingearbeitet und sich darüber auch das Vertrauen der Tarifpartner erarbeitet hat.

Allerdings ist Volkens wohl nie so richtig im Konzern angekommen. Ihre Schwerpunkte wie die einer besseren Work-Life-Balance mit der Förderung von mehr Heimarbeit oder auch neuen Arbeitsumgebungen mit Großraumbüros waren vielen eingefleischten Lufthansa-Mitarbeitern eher suspekt. „Irgendwie fehlt ihr das Kerosin im Blut“, sagt eine Führungskraft.

Mehr: Aktuell kann die Lufthansa Erfolge für sich verbuchen. Doch eine Vision für die langfristige Zukunft der Airline ist im Moment noch nicht erkennbar, kommentiert Handelsblatt-Autor Jens Koenen.

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