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Fluggesellschaft Lufthansa findet neuen Finanzchef – der hat zunächst eine große Aufgabe

Remco Steenbergen kommt vom Schokoladenunternehmen Barry Callebaut. Seine wichtigste Aufgabe wird die Ablösung der Staatshilfen sein.
11.11.2020 Update: 11.11.2020 - 10:24 Uhr 1 Kommentar
Die Airline hat einen neuen Finanzchef. Quelle: dpa
Lufthansa

Die Airline hat einen neuen Finanzchef.

(Foto: dpa)

Frankfurt Lufthansa hat endlich einen neuen Finanzvorstand gefunden. Es ist Remco Steenbergen, aktuell noch Finanzchef des Schweizer Schokoladenkonzerns Barry Callebaut, der wiederum zum Teil der Jacobs Holding sowie einigen Mitgliedern der Familie Jacobs gehört. Steenbergen werde sein Amt am 1. Januar 2021 übernehmen, heißt es in einer Mitteilung von Lufthansa.

Auf den 52-jährigen gebürtigen Niederländer wartet ein dickes Pflichtenheft. Das vorrangige Ziel des neuen Finanzchefs wird es sein, die neun Milliarden Euro schwere Staatshilfe aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und Belgien möglichst rasch zu refinanzieren.

In den entsprechenden Verträgen etwa mit der deutschen Regierung ist festgelegt, dass der Zinssatz deutlich steigt, je länger Lufthansa auf die Finanzhilfen zugreifen muss. Deshalb hat Lufthansa-Chef Carsten Spohr die Refinanzierung und Ablösung der Staatshilfe zum Ziel Nummer eins erklärt – neben der Sicherung des Unternehmens.

Lufthansa leidet wie alle Airlines massiv unter den Folgen der Corona-Pandemie. Weltweit gibt es Reisebeschränkungen, die Kunden halten sich mit Buchungen zurück.

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    Weil Lufthansa mit den vier Drehkreuzen Frankfurt, München, Zürich und Wien sowie den Premiummarken Lufthansa, Swiss und AUA stark von Geschäftsreisenden und Langstreckenverbindungen abhängt, ächzt der Konzern extrem unter der Last der Krise. Das Management geht davon aus, in diesem Winter maximal 25 Prozent der sonst üblichen Kapazität anbieten zu können.

    Finanzressort bisher nur provisorisch besetzt

    Die Berufung Steenbergens dürfte intern und auch bei Investoren für eine gewisse Erleichterung sorgen. Das Finanzressort ist bei Lufthansa seit Wochen schon eher provisorisch besetzt, nachdem Ulrik Svensson ausgerechnet zu Beginn der Pandemie sein Amt als CFO aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste.

    Weil sich der Aufsichtsrat rund um den Vorsitzenden Karl-Ludwig Kley Zeit lassen wollte bei der Suche nach einem qualifizierten Finanzexperten, wurde die Aufgabe zunächst Thorsten Dirks übertragen, im Vorstand der „Hansa“ unter anderem für die Digitalisierung verantwortlich. Doch Dirks ist in erster Linie Technologieexperte, kein lupenreiner Finanzer.

    Die Lufthansa hat einen neuen CFO gefunden. Quelle: Barry Callebaut Group
    Remco Steenbergen

    Die Lufthansa hat einen neuen CFO gefunden.

    (Foto: Barry Callebaut Group)

    Als Dirks dann kurze Zeit später ebenfalls um die Auflösung seines Vertrags bat, übernahm Konzernchef Spohr selbst die Finanzen. Doch auch er ist kein Finanzexperte. Damit fehlte Lufthansa in den schwierigen und langen Verhandlungen etwa mit der Bundesregierung über die Staatshilfe ein ausgewiesener Kenner des Finanzwesens. „Das hat man durchaus gemerkt“, heißt es in Führungskreisen des Unternehmens.

    Eigentlich wollte Aufsichtsratschef Kley den neuen CFO schon früher präsentieren. Doch die Gespräche mit potenziellen Kandidaten zogen sich, wie im Unternehmensumfeld zu hören ist: Viele, die angesprochen worden seien, hätten abgesagt.

    Steenbergen bringt Expertise mit

    Lufthansa hat damit zu kämpfen, dass den Führungskräften und Topmanagern vorerst bei der Bezahlung enge Grenzen gesetzt sind – aufgrund der Staatshilfe. Das schreibt die EU-Kommission vor, der Bund hat die Vorgaben in dem Vertrag über die Finanzhilfen übernommen. Das Fixgehalt wird danach eingefroren, Boni sind tabu. Das habe den einen oder anderen Kandidaten davon abgehalten, einen gut bezahlten Posten aufzugeben, heißt es.

    Mit Steenbergen glaubt Kley nun aber den Richtigen für den Job gefunden zu haben. Er bringe exzellente Finanzexpertise aus verschiedenen Unternehmen und Branchen mit. „Gerade jetzt, in dieser schwierigen Pandemie mit ihren gravierenden Folgen für den Luftverkehr, ist ein international erfahrener und anerkannter CFO für die Lufthansa Group wichtiger denn je“, so Kley.

    Steenbergen startet mit etwas Rückenwind. Lufthansa hat zu Wochenbeginn zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie wieder den Zugang zum Kapitalmarkt getestet. Die Nachfrage nach der Wandelschuldverschreibung war so groß, dass der Konzern die Bedingungen zu eigenen Gunsten leicht modifizieren und die Summe von 525 auf 600 Millionen Euro ausweiten konnte. Gleichzeitig sorgt die Aussicht auf einen Impfstoff wieder für mehr Zuversicht.

    Steenbergen dürfte die aktuellen Entwicklungen mit Freude aufnehmen. Er ist seit drei Jahren Finanzchef von Barry Callebaut. Leicht sei es der Familie Jacobs nicht gefallen, den CFO bei der Schweizer Beteiligung ziehen zu lassen, heißt es in Lufthansa-Kreisen. Das sei auch ein Grund dafür, dass die Bekanntgabe des Wechsels sich noch etwas in die Länge gezogen habe.

    Der Schokoladenkonzern ist mehrheitlich an der Schweizer Börse notiert. Auch bei Barry Callebaut konnte man Steenbergens Know-how gut gebrauchen. Vor seinem Job dort war der Niederländer in verschiedenen Positionen für Philips und KPMG tätig.

    Mehr: Lufthansa-Aufsichtsratschef Kley in Interview – „Notverkäufe wird es nicht geben“

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    1 Kommentar zu "Fluggesellschaft: Lufthansa findet neuen Finanzchef – der hat zunächst eine große Aufgabe"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • LH sammelte mit der Ausgabe einer Wandelanleihe 600 Millionen Euro ein, der Zinssatz liegt bei 2,0 %.
      Die Investoren glauben wieder an LH, der Staat (Scholz) nicht.
      Die Ablösung der Staatshilfen macht Sinn, sind viel zu teuer 4-9,5%! Das muss man deutlich günstiger finanzieren oder deutlich mehr gut qualifizierte Mitarbeiter entlassen.

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