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Fluggesellschaft Rätselraten um Germania – Rettet Ex-Air-Berlin-Chef Hunold die Airline?

In der Zitterpartie um die Krisen-Airline soll es eine überraschende Wende geben. Angeblich will Joachim Hunold zusammen mit anderen Airline-Managern finanziell aushelfen.
Update: 04.02.2019 - 16:53 Uhr Kommentieren
Der ehemalige Air-Berlin-Chef plant offenbar die angeschlagene Fluggesellschaft Germania zu retten. Quelle: dpa
Joachim Hunold

Der ehemalige Air-Berlin-Chef plant offenbar die angeschlagene Fluggesellschaft Germania zu retten.

(Foto: dpa)

Frankfurt, BerlinEs wäre ein Déjà-vu der besonderen Art: Die gleiche Adresse haben Germania und Air Berlin bereits: Saatwinkler Damm in Berlin. Doch teilen sie demnächst auch noch den Namen ihres Investors?

Glaubt man den Informationen der „Neuen Rhein/Neuen Ruhr Zeitung“, könnte es so kommen. Danach will Joachim Hunold, langjähriger Chef und Anteilseigener der pleitegegangenen Air Berlin, mit zwei weiteren Luftfahrt-Managern der finanziell angeschlagenen Germania bis zum Sommer aushelfen – mit rund 20 Millionen Euro.

Eine Bestätigung für die Informationen gab es bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe allerdings nicht. Ein Germania-Sprecher wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Hunold reagierte auf eine Anfrage des Handelsblatts zunächst nicht.

So halten viele in der Branche die Meldung für fragwürdig. „Es sind immer die gleichen Namen, die in solchen Fällen auftauchen. Das war bei Air Berlin schon genauso“, sagt ein Airline-Manager, der ungenannt bleiben will.

Die angeblichen Informationen über ein Engagement Hunolds heizen die Spekulationen über die Zukunft von Germania an. In der Branche wartete man am Montag minütlich darauf, dass das Luftfahrtbundesamt der Airline die Lizenz entzieht.

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Germania hatte in der vergangenen Woche einräumen müssen, die Januar-Gehälter nicht gezahlt zu haben. Ohne den Nachweis eines wirtschaftlich tragfähigen Flugbetriebs, sprich ohne ausreichende Mittel etwa für die Wartung, ist das Amt gezwungen, die Betriebserlaubnis zu kassieren.

Zumindest bis zum frühen Montagabend geschah aber nichts. „Das deutet darauf hin, dass mit Hochdruck an einer Lösung gearbeitet wird“, sagte ein Airline-Manager. Die Zeit drängt. Nicht nur das Luftfahrtbundesamt sitzt der Fluggesellschaft im Nacken.

Je länger das Rätselraten um Germania dauert, desto mehr Kunden springen ab. Zwar wird im Umfeld von Germania immer wieder betont, dass der Flugbetrieb wie gewohnt laufe und die wichtigen Partner der Airline die Treue hielten.

Doch tatsächlich haben große Reisekonzerne wie Tui oder Thomas Cook damit begonnen, ihre Kunden auf andere oder eigene Airlines umzuleiten. „Keiner will später im Zweifel hektisch und für viel Geld die eigenen Feriengäste zurückholen müssen, wenn Germania am Ende doch scheitern sollte“, beschreibt ein Touristik-Manager die Situation.

Auch auf der Personalseite gibt es offensichtlich Absetzbewegungen. So berichtete Michael O‘Leary, der Chef des irischen Billig-Anbieters Ryanair, am Montag, dass man bereits viele Bewerbungen von Germania-Piloten und -Flugbegleitern erhalten habe.

Germania ist mit etwas weniger als 40 Jets und rund 1100 Mitarbeitern auf Ferienflüge zum Beispiel nach Mallorca spezialisiert. Das Unternehmen bedient aber auch die Nische der sogenannten ethnischen Verkehre, also etwa in Deutschland lebende Türken, die auf Heimatbesuch gehen.

Die Airline arbeitet zudem mit anderen Unternehmen zusammen, darunter die erwähnten Reisekonzerne Tui und Thomas Cook. Teil- und zeitweise mieten sie ganze Jets samt Crew als sogenanntes Wet Lease oder auch in Form eines Full Charters an. In anderen Fällen werden lediglich Sitzplatzkontingente vermarktet.

Die Airline hatte Mitte Januar finanzielle Engpässe eingeräumt. „Germania prüft aktuell mehrere Optionen einer Finanzierung, um den kurzfristigen Liquiditätsbedarf zu sichern“, hieß es damals in einer knappen Mitteilung.
Einige Tage später konnte Airline-Chef und -Eigner Karsten Balke dann angeblichen Erfolg melden. Man habe eine „wichtige Zusage“ erhalten. Sogar mehr Geld als die gewünschten 15 Millionen Euro seien in Aussicht gestellt worden, erklärte Balke. Doch zuletzt kursierten Gerüchte, dass die Airline vergeblich auf das zugesagte Geld wartet.

Starke Expansion

Vorstandschef Balke hatte Großes mit der Fluggesellschaft vor. So wollte er die Pleite von Air Berlin für eine massive Expansion von Germania nutzen. Air Berlin war eine beliebte Ferienfluggesellschaft, genau in diesem Bereich wollte Balke nun kräftig wachsen und die Lücke schließen. Die Fluggesellschaft hat dazu unter anderem eine umfassende Flottenerneuerung und Expansion gestartet.

Profitiert haben vom Wachstum viele der kleineren Flughäfen in Deutschland, denn Germania schnappte sich die durch Air Berlin frei gewordenen Abfertigungskapazitäten. Entsprechend groß ist nun die Sorge der betroffenen Airport-Manager, dass nicht noch einmal eine Lücke geschlossen werden muss.

Leer ausgehen könnten am Ende auch viele Tausend Passagiere. Entsprechend besorgt zeigte sich am Montag der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). „Die Buchung des Urlaubsflugs wird immer mehr zum Roulette für Verbraucher“, sagte die Leiterin des Teams Mobilität und Reisen beim VZBV, Marion Jungbluth, dem Handelsblatt. „Besonders bitter wird es, wenn die Airline pleitegeht, denn ohne Insolvenzversicherung bleibt der Verbraucher auf dem Schaden sitzen.“

Jungbluth rief die Politik angesichts der Germania-Schieflage zum Handeln auf. „Zur Absicherung sollten Fluggesellschaften verpflichtet werden, die Kundengelder vor Insolvenzen abzusichern, so wie es in der Reisebranche schon lange üblich ist“, forderte die VZBV-Expertin.

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