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Fluggesellschaften Air-Berlin-Insolvenz eröffnet – Lufthansa beantragt Übernahme

Ein in Island festgesetzte Air-Berlin-Flugzeug darf den Flughafen verlassen, die Insolvenz der Airline ist eröffnet – und die Lufthansa beantragt offiziell die Übernahme eines großen Teils der Gesellschaft.
01.11.2017 Update: 01.11.2017 - 17:03 Uhr Kommentieren
Für Air Berlin startet nun das Insolvenzverfahren. Quelle: dpa
Am Boden

Für Air Berlin startet nun das Insolvenzverfahren.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die Lufthansa hat die geplante Übernahme großer Teile des Konkurrenten Air Berlin zur kartellrechtlichen Überprüfung in Brüssel angemeldet. Die entsprechenden Unterlagen seien am Dienstag bei der EU-Kommission eingereicht worden, sagte ein Unternehmenssprecher am Mittwoch in Frankfurt. Man rechne noch im Dezember mit einer Entscheidung.

Lufthansa will mit den Teilgesellschaften LG Walter und Niki für 210 Millionen Euro einen beträchtlichen Teil des Air-Berlin-Flugbetriebs mit 81 Jets und den dazugehörigen Verkehrsrechten übernehmen. Wegen der Dimension des Geschäfts müssen die Folgen für den Wettbewerb auf europäischer Ebene überprüft werden. Neben der Lufthansa will auch die britische Easyjet einen Teil der insolventen Air Berlin erwerben.

Zuständig auf EU-Ebene ist Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Sie hat bereits angedeutet, dass Lufthansa möglicherweise einige Strecken abgeben muss. Das deutsche Kartellamt wird das Brüsseler Verfahren begleiten.

Die EU-Kommission prüft auf Grundlage der europäischen Fusionskontrollverordnung, ob ein Unternehmen eine marktbeherrschende Stellung erlangt. Nach der offiziellen Anmeldung von Übernahmeplänen hat die Kommission erst einmal 25 Arbeitstage Zeit, das Geschäft abzuklopfen. Haben die Experten wettbewerbsrechtliche Bedenken, können sie vertieft prüfen. Dann wären noch einmal 90 Arbeitstage Zeit. Bis zum Abschluss liegt das Geschäft auf Eis.

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    Das Amtsgericht Charlottenburg hat am Mittwoch das Insolvenzfahren über die einzelnen Gesellschaften von Air Berlin eröffnet. Das Gericht habe ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung angeordnet, teilte die Fluggesellschaft mit. Das Gericht habe festgestellt, dass die Kommanditgesellschaft zahlungsunfähig und zugleich überschuldet sei.

    Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft hatte am 27. Oktober den Betrieb eingestellt, nachdem Mitte August mangels weiterer Finanzspritzen vom Großaktionär Etihad Airways die Pleite bei Gericht gemeldet werden musste.

    Mit einem Überbrückungskredit vom Staat über 150 Millionen Euro im Rücken konnte sich das Unternehmen so lange in der Luft halten, bis für einen großen Teil des Flugbetriebs Kaufverträge mit der Lufthansa und dem britischen Billigflieger Easyjet geschlossen waren. Einen Teil des Wartungsgeschäfts übernimmt die Bietergemeinschaft Zeitfracht/Nayak.

    Damit haben gut 4.300 der rund 8.000 Beschäftigten gute Aussichten auf einen neuen Arbeitsplatz. Etwa 1.750 Beschäftigte des Bodenpersonals und der Technik können in Transfergesellschaften nach neuen Arbeitgebern suchen. Hunderte Mitarbeiter verließen Air Berlin bereits in den vergangenen Monaten. Ein kleines Team wird die Insolvenz abwickeln, was mehrere Jahre dauern kann.

    Der bisher vorläufige Sachwalter Lucas Flöther werde das Insolvenzverfahren weiterführen, so Air Berlin. Gläubiger könnten ihre Forderungen schriftlich bis zum 1. Februar bei ihm anmelden. Der Gläubigerausschuss, der über die Verträge mit Lufthansa und Easyjet zu entscheiden hatte, bleibt bis zur ersten Gläubigerversammlung am 24. Januar im Amt.

    Wer will was von Air Berlin?
    Unternehmenspleite als Startschuss
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    Der Insolvenzantrag der Air Berlin zog eine Welle von Interessensbekundungen nach sich. Von Anfang an zeichnete sich ab, dass die Fluggesellschaft wohl von mehreren Konkurrenten übernommen wird. Nun steht fest, wer endgültig am Verhandlungstisch mitreden wird: Am vergangenen Freitag endete die Frist zur Abgabe von Angeboten. Wer bis dahin kein Angebot abgegeben hat, bleibt Außen vor. Die konkreten Interessen der Bieter lassen erahnen, dass von dem einstigen Mallorca-Flieger nur noch kleine Teile übrigbleiben.

    Quelle: Reuters

    (Foto: dpa)
    Lufthansa
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    Von Anfang an mit dabei und mit den besten Voraussetzungen: Deutschlands größte Airline Lufthansa. Bereits seit vergangenem Jahr stand Deutschlands größte Airline im Gespräch mit der Billigfluglinie – und das zahl sich jetzt aus. Frühzeitige Einblicke in die Bücher des insolventen Unternehmens haben es der Lufthansa ermöglicht, ganz konkrete Vorschläge zu machen. Nach Insider-Angaben bietet Lufthansa für 70 bis 90 Maschinen einen niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag. Dafür rechnet sich Lufthansa-Chef Carsten Spohr gute Chancen aus. Priorität haben aber vor allem die 38 Maschinen, die schon für die Lufthansa-Tochter Eurowings geleast werden. Dazu sollten 20 bis 40 weitere Maschinen für Kurz- und Mittelstrecken kommen. Für die Langstrecke habe Lufthansa nicht geboten. Mehr sei – aus kartellrechtlichen Gründen – nicht möglich gewesen.

    (Foto: dpa)
    Easyjet
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    Nach eigenen Angaben reichte Easy Jet ein Angebot für Teile des Kurstrecken-Angebots ein. Dies stehe im Einklang mit der Strategie, sich in Deutschland auf bestimmte Städte zu konzentrieren, erklärten die Briten. Ob es zu dem Deal kommt, sei aber noch ungewiss.

    (Foto: Reuters)
    British Airways
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    Offiziell äußerte sich British Airways nicht zu einem möglichen Interesse an Air Berlin. Allerdings hat die British-Airways-Mutter IAG Insidern zufolge aber ein Angebot abgegeben. Laut Branchenexperten und Analysten gehört sie zusammen mit der Lufthansa zu jenen Airlines in Europa, die am ehesten eine große Übernahme stemmen können.

    (Foto: AP)
    Niki Lauda
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    Zusammen mit dem Reisekonzern Thomas Cook und dessen Tochter Condor bietet Unternehmer Niki Lauda ebenfalls mit, wie er selbst bestätigte. Einzelheiten zum Angebot gibt es aber nicht. Vor längerer Zeit hatte Lauda aber angekündigt, „etwas um die 100 Millionen“ Euro bieten zu wollen.

    (Foto: dpa)
    Zeitfracht
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    Das Berliner Logistikunternehmen Zeitfracht bietet für die Frachtsparte Leisure Cargo, die Regionalflugtochter Walter (LGW) und die Air Berlin Technik. Damit wolle sie rund 1000 Arbeitsplätze bei der Air Berlin sichern, wie Firmenchef Wolfram Simon erklärte. Den angebotenen Kaufpreis nannte er nicht. Die Offerte sehe nicht vor, weitere Flugzeuge oder Start- und Landerechte zu übernehmen. Anders als die meisten Konkurrenten bietet Zeitfracht für das gesamte Paket, einzelne Teile seien nicht interessant.

    (Foto: PR)
    Hans Rudolf Wöhrl
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    Die Firma des Unternehmers Hans Rudolf Wöhrl, Intro, will zusammen mit weiteren Investoren oder anderen Fluggesellschaften die insolvente Airline übernehmen. Dafür bietet der Unternehmer eine halbe Milliarde Euro. Eine erste Rate von 50 Millionen Euro wäre am Übernahmetag fällig, weitere Tranchen von bis zu 450 Millionen Euro macht Wöhrl aber vom Ergebnis abhängig. Kritiker halten sein Angebot deshalb für eine Mogelpackung. Der Unternehmer hat zudem nicht im Datenraum die aktuellen Zahlen von Air Berlin angeschaut, aber trotzdem ein Angebot abgegeben.

    (Foto: dpa)

    Air Berlin hat unterdessen eine ausstehende Gebühr am isländischen Flughafen Keflavik am Montag beglichen, erklärte ein Sprecher des Flughafens. Damit kann ein in Island festgehaltener Jet jetzt nach Hause geholt werden. Am Abend wurde die Maschine am Flughafen Berlin Schönefeld zurückerwartet.

    Der Airport in Island hatte vor knapp zwei Wochen wegen der unbezahlten Rechnung den Flieger nicht in Richtung Düsseldorf abheben lassen, die Passagiere mussten mit einer anderen Maschine nach Deutschland fliegen.

    Air Berlin wurde 1978 gegründet und feierte am 28. April 1979 den Erstflug von Berlin nach Mallorca. Kritiker machten eine zu schnelle Expansion und ein verfehltes Geschäftsmodell für das Scheitern der Fluggesellschaft verantwortlich. Demnach wurde Air Berlin im Konkurrenzkampf mit Billigfliegern auf der einen Seite und Premium-Airlines wie der Lufthansa auf der anderen Seite zerrieben.

    • rtr
    • dpa
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