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Fluggesellschaften Ein Managerstreit entzweit Air France und KLM

Die Niederländer fürchten, dass Konzernchef Ben Smith den Chef des Juniorpartners KLM loswerden möchte. Der Zwist droht außer Kontrolle zu geraten.
18.02.2019 - 16:21 Uhr Kommentieren
Der Manager steht für möglichst viel Unabhängigkeit von KLM innerhalb des Verbundes. Quelle: Reuters
Pieter Elbers

Der Manager steht für möglichst viel Unabhängigkeit von KLM innerhalb des Verbundes.

(Foto: Reuters)

Paris, Frankfurt Der aus Kanada stammende neue Air-France-KLM-Chef Ben Smith hat schon in den ersten Monaten die jahrelangen Arbeitskonflikte beim französischen Zweig der Fluggesellschaft beruhigen können. Was das Verhältnis der Franzosen zu ihrem Juniorpartner KLM angeht, hat er allerdings eine weniger glückliche Hand. Der latente Streit zwischen Paris und Amsterdam droht unmittelbar vor der Bilanzpressekonferenz völlig außer Kontrolle zu geraten.

Die Niederländer – KLM-Führung, Belegschaft und auch Regierung – haben den Verdacht, dass Smith KLM-Chef Pieter Elbers loswerden beziehungsweise dessen Vertragsverlängerung verhindern will. Smith soll Elbers als Konkurrenten sehen. Tatsächlich war nach dem Rücktritt von Smith-Vorgänger Jean-Marc Janaillac 2018 Elbers als möglicher Nachfolger an der Konzernspitze gehandelt worden.

Angeblich ist nach einem Treffen in Amsterdam am Wochenende eine Lösung in Sicht. Die französische „La Tribune“ schreibt, Smith habe angeboten, sowohl Elbers als auch Air-France-Chefin Anne Rigail zu seinen Stellvertretern bei Air France-KLM zu ernennen. Im Gegenzug werde die Integration verstärkt, ohne Arbeitsplätze von KLM zur Air France beziehungsweise von Amsterdam zur Gruppe in Paris zu verlagern.

Die Einzelheiten muss der Air-France-KLM-Verwaltungsrat beschließen, der am Dienstag tagt, einen Tag vor der Bilanzpressekonferenz. Elbers’ Mandat kann im April nur erneuert werden, wenn die Franzosen im Verwaltungsrat von KLM zustimmen.

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    Doch ob ein solcher Deal wirklich nachhaltig ist, wird in der Luftfahrtindustrie skeptisch beurteilt. „Es ist schwer vorstellbar, dass sich Elbers mittelfristig damit abfinden wird, von Paris an die kurze Leine genommen zu werden“, sagt ein Luftfahrtmanager. Tatsächlich genießt Elbers in der europäischen Branche einen sehr guten Ruf. Es sollte also kein Problem für ihn sein, gegebenenfalls einen anderen Job zu finden.

    Wackeliger Kompromiss

    Das wäre für die KLM-Belegschaft allerdings ein schwerer Schlag. Denn Elbers steht für möglichst viel Unabhängigkeit von KLM innerhalb des Verbundes. Smith dagegen will mehr Integration. So will er zum Beispiel die Flotten der beiden Airlines in Frankreich und den Niederlanden enger verbinden, hat aber nach außen nicht kommuniziert, was genau das bedeuten soll.

    Das wiederum hat die niederländischen Sorgen vor dem Verlust der Eigenständigkeit befeuert. 25.000 von 30.000 KLM-Mitarbeitern haben sich in einem offenen Brief an den Air-France-Verwaltungsrat hinter ihren Chef Pieter Elbers gestellt. Auch mit Streiks im Falle eines Rückzugs wurde bereits in einem Schreiben von KLM-Managern gedroht.

    Sogar der niederländische Premier Mark Rutte bezieht inzwischen Stellung: „Eine starke KLM ist für die Niederlande von vitaler Bedeutung“, sagte er vor wenigen Tagen. Er habe Verständnis für die Sorgen der Belegschaft und des Managements. „Wir müssen diese Sorgen in Handeln umsetzen“, forderte der Premier.

    Air France-KLM ähnelt ein wenig Renault-Nissan. In beiden Fällen übernahmen die Franzosen die Mehrheit an den Unternehmen, als sie schwach waren. Mittlerweile haben sie sich aber gemausert und fühlen sich im jeweiligen Verbund nicht genügend vertreten und respektiert. Selbst die französischen Medien ziehen diese Parallele.

    KLM ist kleiner, aber profitabler als Air France. Im dritten Quartal 2018 realisierte KLM ein Betriebsergebnis von 573 Millionen Euro bei 3,11 Milliarden Euro Umsatz. Bei Air France waren es 4,6 Milliarden Euro Umsatz und 493 Millionen Euro Ergebnis.

    Smith gilt als harter Sanierer

    Dieses Missverhältnis hält seit Längerem an und liegt nicht zuletzt an der miserablen Unternehmenskultur bei Air France, wo es immer wieder zu längeren, äußerst kostspieligen Streiks kommt. So auch im vergangenen Jahr. Viele KLM-Mitarbeiter empfinden den größeren Partner deshalb als anmaßend und leistungsschwach – und sehen sich selbst in der Rolle des Goldesels im Konzern.

    Es wird also spannend, wie der Konflikt enden wird. In der Branche wird darauf verwiesen, dass Smith zwar ein harter Sanierer sei, der sich allerdings bislang nicht gegen die gesamte Mannschaft gestellt habe. So hat er die Arbeitskämpfe bei Air France entschärfen können, an denen mehrere seiner Vorgänger gescheitert waren. Ob er sie dauerhaft beilegen kann, ist noch nicht zu beurteilen.

    Der Konflikt zwischen Air France und KLM ist noch aus einem anderen Grund interessant. Die beiden Airlines waren 2004 Vorreiter bei der Konsolidierung der europäischen Luftfahrt. Doch gerade jetzt, wo die Marktbereinigung an Fahrt gewinnt, zeigt sich, wie schwer es ist, einen europäischen Champion zu formen. Beide Unternehmen haben sehr unterschiedliche Kulturen und nie richtig zusammengefunden.

    Das zeigt sich auch am Flugplan: Das KLM-Drehkreuz Schiphol in Amsterdam kam 2017 auf 69 Millionen Passagiere, Paris-Charles de Gaulle und Orly, die Standorte von Air France, brachten es auf 102 Millionen. Beide bieten ein komplettes weltweites Streckennetz an. Eine echte Arbeitsteilung ist nicht zu erkennen. Einige nachgelagerte Funktionen wurden zwar innerhalb der Gruppe integriert. Aber niemals würden die Niederländer tolerieren, dass Schiphol zum Zubringerflughafen von Paris degradiert wird.

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