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Flughafen Frankfurt Deutschlands lascher Umgang mit Drohnen-Störungen

Stillstand am Frankfurter Flughafen: Wegen einer Drohne musste der Airport für eine halbe Stunde geschlossen werden. Trotzdem lassen Abwehrmaßnahmen auf sich warten.
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Warum Drohnen-Piloten häufiger zur Gefahr für den Fluggast werden Quelle: dpa
Drohne

Es besteht die Gefahr, dass unbemannte Flugobjekte von Kriminellen gezielt zur Attacke auf den Luftverkehr eingesetzt werden.

(Foto: dpa)

FrankfurtAuf den ersten Blick sieht es harmlos aus. An diesem Donnerstagmorgen wird um kurz nach halb acht eine Drohne am Frankfurter Flughafen gesichtet. Die Verantwortlichen reagieren sofort, wenige Minuten später ist der Betrieb am größten deutschen Drehkreuz eingestellt.

Mit einem Helikopter sucht die Polizei nach dem Flugobjekt – und gibt nach einer halben Stunde Entwarnung. Der Airport geht wieder in Betrieb.

Alles halb so wild, möchte man meinen. Zwar sorgt eine halbstündige Schließung im eng getakteten Flugplan für Verwerfungen, doch die sind verkraftbar. Sommergewitter können durchaus heftigere Folgen haben.

Was allerdings gerne übersehen wird: Bislang sind es vor allem versehentliche „Irrflüge“ von Hobbypiloten, die den Flugverkehr und die Sicherheit der Passagiere beeinträchtigen.

Schon bei denen zeigt sich aber, wie hilflos die Flughäfen, die Polizei und auch die Politik dieser Entwicklung bislang gegenüberstehen. Was passiert, wenn die unbemannten Flugobjekte von Kriminellen oder Terroristen gezielt zur Attacke auf den Luftverkehr eingesetzt werden?

Angesichts der wachsenden Zahl von Drohnen-Störungen wächst der Druck auf die Beteiligten, diese Frage endlich zu beantworten. Erst am Freitag, den 22. März, musste der Frankfurter Flughafen den Betrieb wegen der Sichtung zweier Drohnen für eine halbe Stunde einstellen.

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) zählte im vergangenen Jahr 158 Störungen durch die Flug-Vehikel, satte 80 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. 125 davon wurden im Umfeld von Großflughäfen gemeldet, über die große Teile des Luftverkehrs laufen. Alleine 31 zählte die DFS in Frankfurt.

Die Folgen eines wirklich geplanten und strategisch durchdachten Drohnen-Angriffs auf die Flughafen-Infrastruktur konnten alle kurz vor Weihnachten im britischen Gatwick beobachten. Weil Zeugen und Piloten immer wieder Drohnen sichteten, musste der Airport für gleich mehrere Tage schließen. Über 1000 Flüge fielen aus, 140.000 Passagiere strandeten vorübergehen.

In Großbritannien reagierte man schnell auf den Vorfall. Am Londoner Flughafen Heathrow etwa wurde die Flugverbotszone für Drohnen auf fünf Kilometer rund um das wichtigste europäische Drehkreuz ausgedehnt. Die Polizei bekam mehr Befugnisse, die Vehikel vom Himmel zu holen. Und es sollen militärische Abwehrmaßnahmen installiert werden.

Gerangelt um Zuständigkeiten

In Deutschland ist man dagegen noch nicht soweit. Zwar ist die wachsende Gefahr durch Drohnen auch hier ein Thema mit hoher Aufmerksamkeit. Aber noch nicht einmal zur Ausweitung der Flugverbotszone von aktuell 1,5 auf Kilometer wurde bislang beschlossen.

Die Bundesregierung bekundete lediglich ihre „Offenheit“ bei diesem Thema. Stattdessen rangeln die Beteiligten um Zuständigkeiten, Investitionen und behördliche Freigaben von Schutztechnologien.

Die Bundespolizei etwa ist zwar für das „Unschädlichmachen“ der Eindringlinge zuständig, bei der Sichtung der Vehikel sieht Bundespolizeipräsident Dieter Romann allerdings auch die Flughäfen selbst und die DFS in der Pflicht.

Dazu müssten die Airports aber in die notwendige Technologie investieren, was nicht einfach ist. Denn zum einen fehlt gerade den kleineren Flughäfen das dafür notwendige Geld. Viele schreiben rote Zahlen. Vor allem aber wissen sie gar nicht, was sie kaufen sollen, denn es fehlt an behördlichen Freigaben für Abwehrtechnologien.

Dabei gibt es längst Abwehr- und Erkennungssysteme, die ihre Tauglichkeit unter Beweis gestellt haben. Dedrone etwa, ein gut vier Jahre altes deutsches Unternehmen, das seinen Sitz mittlerweile ins Silicon Valley verlegt hat, vermarktet eine Technologie zur Drohnen-Detection.

Sie ist mittlerweile an zwölf europäischen Flughäfen im Einsatz. Die Namen der Flughäfen darf das Unternehmen nach Aussagen einer Sprecherin aus Sicherheitsgründen zwar nicht nennen. Aber die geografische Verteilung der europäischen Airport-Kunden zeigt, wie sehr Deutschland beim Thema Drohnenabwehr hinterherhinkt: „Elf Flughäfen liegen in Großbritannien, einer in Deutschland“, so die Sprecherin von Dedrone.

Da überrascht es nicht, wenn Dedrone-Geschäftsführer Jörg Lamprecht angesichts des neuerlichen Vorfalls in Frankfurt nur noch den Kopf schütteln kann. „Wir können nur schwer nachvollziehen, dass nach den gehäuften Vorfällen in den vergangenen Monaten der Flughafen Frankfurt einen Hubschrauber losschicken muss, um eine Drohne zu suchen“, sagt er.

„Zu wissen, ob es sich bei dem gesichteten Objekt wirklich um eine Drohne handelt, woher sie kommt und wohin sie fliegt, ist entscheidend, um weitere Maßnahmen zu treffen.“ In Deutschland ist man in diesem Punkt allerdings bislang auf die Aufmerksamkeit der Piloten angewiesen, um die unbemannten Flugobjekte zu sichten.

Der erneute Vorfall erhöht den Druck

Auch Abwehrtechnologien gibt es mittlerweile – entwickelt sogar unter Beteiligung des deutschen Staates. So haben die staatseigene DFS und die Bundeswehr vor einigen Wochen am Flughafen Manching bei Ingolstadt ein gemeinsam mit Rheinmetall entwickeltes System vorgestellt.

Ein Element ist es, dass der Flugweg der Drohne direkt in das Luftlagebild eingespeist wird, damit alle frühzeitig gewarnt sind. Mit Hilfe von Störsendern und Jagddrohnen mit Auffangnetzen kann die Drohne dann kontrolliert zu Boden gezwungen werden.

Damit wird ein Problem gelöst: Ein Abschuss – auf den ersten Blick die vielleicht schnellste und einfachste Lösung – kommt in den meisten Fällen nicht in Frage. Zum einen kann das Geschoss sein Ziel verfehlen und unkontrolliert woanders einschlagen. Zum anderen könnten die Teile der zerstörten Drohne Schäden an Gebäuden aber vor allem Menschen anrichten.

Der neuerliche Vorfall in Frankfurt dürfte nun den Druck auf die Behörden, die Politik und die Flughäfen erhöhen, sich beim Thema Drohnenabwehr endlich zusammenzuraufen. Denn nur so ist das zu vermeiden, was für Bundespolizeipräsident Romann der absolute Gau wäre: „Die Vorstellung, dass wir uns während eines Drohnenvorfalls über Zuständigkeiten streiten, ist niemandem vermittelbar.“

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