Flughafen Frankfurt „Ryanair-Rabatt ist eine richtig große Sauerei“

Ryanair will ab Sommer 2017 von Frankfurt aus starten. Doch der Widerstand dagegen wächst. Vor allem der Gebührennachlass des Flughafenbetreibers Fraport steht in der Kritik. Der Condor-Chef findet deutliche Worte.
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Der Gebührenrabatt für den irischen Billigflieger schlägt weiter hohe Wellen. Quelle: Reuters
Ryanair-Flugzeug in Frankfurt

Der Gebührenrabatt für den irischen Billigflieger schlägt weiter hohe Wellen.

(Foto: Reuters)

FrankfurtOb Stefan Schulte die klaren Worte des Condor-Chefs Ralf Teckentrup noch hörte oder nicht, keiner weiß es. Der Chef des Flughafenbetreibers Fraport kam am Donnerstagabend just in dem Moment zum alljährlichen Branchentreff mit dem Namen „Condor Talk Night“, als Teckentrup seine kurze Ansprache fast beendet hatte.

Und die hatte es in sich. „Der frühere Air Berlin-Chef Joachim Hunold hat es immer Wegelagerei genannt. So weit will ich hier öffentlich nicht gehen“, sagte Teckentrup mit Blick auf die Gebührenpolitik der Flughäfen. Aber der Rabatt, den Fraport der irischen Billigfluggesellschaft Ryanair einräumen wolle, sei „eine richtig große Sauerei“, wetterte der Condor-Chef unter großem Beifall im Saal.

Ab kommendem Jahr stationiert Ryanair an Europas drittgrößtem Luftdrehkreuz zunächst zwei Flugzeuge, um die Flotte langfristig sogar mit weiteren Fliegern auszubauen. Fraport will Ryanair im ersten Jahr rund 50 Prozent der Gebühren erlassen. In den Folgejahren soll der Rabatt dann stückweise reduziert werden.

Condor erlöse im Schnitt 90 Euro pro Passagier. „Davon gehen 30 Euro an Fraport. Ryanair muss aber nur 15 Euro zahlen", rechnete Teckentrup vor. Das sei unfairer Wettbewerb denen gegenüber, die über Jahre als treue Systempartner des Flughafens mit ihren Gebühren den Ausbau des Airports erst ermöglicht hätten.

Diese Airlines kassieren über Extras ab
Air Berlin (3,8 Prozent)
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Bei Air Berlin kosten unter anderem das Gepäck und mehr Beinfreiheit extra. Auch On-Board-Verkäufe und das Vielflieger-Programm brachten der Fluggesellschaft im Jahr 2015 Extraeinnahmen in Höhe von gut 156 Millionen Euro – das sind 3,8 Prozent der Gesamteinnahmen. Gutes Geld, doch im Vergleich zur internationalen Konkurrenz nur Peanuts.

Quelle: The Car Trawler Yearbook of Ancillary Revenue

Lufthansa (5,5 Prozent)
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Auch der Lufthansa-Konzern rangiert bei den Zusatzeinnahmen nur unter ferner liefen – zumindest im Verhältnis zu den Gesamteinnahmen (5,5 Prozent). Lufthansa, Swiss, Austrian und Germanwings generierten im Jahr 2015 in diesem Bereich 1,3 Milliarden Euro. Doch in Zukunft will der Konzern immer mehr auf diese Zusatzeinnahmen setzen. So stellte die Lufthansa 2015 ihr Preismodell um. Einige Tickets wurden günstiger, dafür aber bislang kostenlose Zusatzleistungen kostenpflichtig. Damit verbesserte sich die Lufthansa im Bereich Zusatzeinnahmen im Vergleich zum Vorjahr um einen Prozentpunkt. 2016 sollen dann 6,5 Prozent der Gesamteinnahmen auf anderem Wege als über die Ticketpreise erwirtschaftet werden.

Easyjet (20 Prozent)
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Die Palette an Zusatzangeboten ist bei den Briten so groß wie komplex: Bordessen, Gebühren auf Umbuchungen, Stornogebühren, Verwaltungspauschalen für Online-Buchungen und, und, und... Alleine die zweiprozentigen Gebühren auf Zahlungen mit der Kreditkarte bringen der Fluggesellschaft jährlich rund 88 Millionen Euro ein. Insgesamt lagen die Einnahmen durch die Zusatzangebote bei annähernd 1,3 Milliarden Euro – das sind 20 Prozent der Gesamteinnahmen. Platz zehn unter den Airlines.

Tigerair (20,8 Prozent)
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Als Erster ins Flugzeug einsteigen? Kein Problem: Bei Tigerair aus Singapur ist das gegen einen Aufpreis von umgerechnet knapp vier Euro möglich. Und wer in dem asiatischen Stadtstaat länger als acht Stunden auf seinen Anschlussflug warten muss, bekommt für etwa 15 Euro einen Sightseeing-Tour geboten. Kein Wunder, dass bei so viel Kreativität die Kassen im Zusatzgeschäft klingeln: 2015 kam mehr als jeder fünfte Euro der Gesamteinnahmen (20,8 Prozent) aus diesem Bereich – Platz neun. Insgesamt waren es fast 100 Millionen Euro.

Jetstar (21,3 Prozent)
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Jetstar verdient auch mit, wenn Kunden ein Hotelzimmer oder einen Leihwagen buchen. Zusammen mit den bei Billigairlines üblichen Aufschlägen für Catering und Extra-Fußraum hat das der australischen Fluglinie im Jahr 2015 Einnahmen gut 500 Millionen Euro beschert. Ein Anteil von 21,3 Prozent an den Gesamteinnahmen bedeutet gleichzeigt Rang acht.

Flybe (21,2 Prozent)
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Jeder vierte Euro kommt bei der britischen Flybe aus dem Zusatzgeschäft. Gebühren für Kreditkartenzahlungen und Wunschplätze, Gepäckkosten sowie weitere Extras sorgten 2015 für Einnahmen in Höhe von knapp 190 Millionen Euro – Rang sieben unter den Fluggesellschaften.

Volaris (22,3 Prozent)
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Volantis bezeichnet sich selbst als Billigfluglinie. Die Mexikaner steigerten ihre Einnahmen durch die Werbestrategie „Du entscheidest“. Fluggäste sollen selbst wählen, welche zusätzlichen Produkte und Angebote sie kaufen und nutzen wollen. Damit stiegen die Zusatzeinnahmen der Airline pro Fluggast seit 2009 von gut sieben auf fast 18 Euro. Insgesamt waren es im Jahr über 230 Millionen Euro (22,3 Prozent der Gesamteinnahmen). Platz sechs unter den Fluglinien.

Der Condor-Chef ist nicht der einzige, dem die Ryanair-Pläne aufstoßen. Auch in der Landespolitik ist eine Debatte über die Praxis von Fraport entbrannt. So hat sich der hessische SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel gegen Ryanair ausgesprochen. Er nimmt allerdings nicht die Gebührenpraxis zum Anlass für seine Kritik, er verweist vielmehr auf die umstrittenen Arbeitsverhältnisse bei Ryanair mit angeblich schlechten Sozialstandards. „Die Ansiedlung von Ryanair ist für uns nicht wünschenswert“, so Schäfer-Gümbel.

Lautes Telefonat mit dem Lufthansa-Chef
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2 Kommentare zu "Flughafen Frankfurt: „Ryanair-Rabatt ist eine richtig große Sauerei“"

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  • "Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

    @ Herr Hoffmann

    ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
    Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

    Aber immer gerne, dafür gebe ich und Herr von Horn uns richtig Mühe.
    Nicht einfach den ganzen Tag zu allen Artikeln Kommentare zu schreiben.
    Da muss man schon einen breit aufgestellten Sachverstand haben. Danke

  • Es dürfte generell überhaupt keine Rabatte geben solange Flughäfen unter Landesregierungen mit Steuergeldern subventioniert werden.

    Mehr als 300 Millionen (womöglich über 400 Millionen) Euro vom Land RLP sollen alleine nach Hahn geflossen sein. Zweibrücken hat ja auch noch mal etliches gekostet. Für 400 Millionen Euro hätte man etliche Polizisten und Feuerwehrleute beschäftigen, Lehrer gut ausbilden und Kindergärtner einstellen können. Überall im Land bröckelts. Für die Wirtschaft (nicht mal dt. Wirtschaft!!!) ist aber noch genug Geld da.

    Abwählen hilft!

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