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Flughafenausbau Die laute Macht der Mehrheit

Die Betroffenen von Fluglärm werden von den Befürwortern selten ernst genommen. Doch auch die Gerichte und der Staat muten den Anwohnern der Flughäfen viel zu. Allzu oft wird dabei eine gefährliche Grenze überschritten.
  • Frank Drieschner
1 Kommentar
Dicht über den Köpfen einer Familie setzt eine Passagiermaschine am 03.01.2012 auf der Nordwest-Landebahn des Flughafens von Frankfurt zur Landung an. Quelle: dpa

Dicht über den Köpfen einer Familie setzt eine Passagiermaschine am 03.01.2012 auf der Nordwest-Landebahn des Flughafens von Frankfurt zur Landung an.

(Foto: dpa)

HamburgEs liegt nahe, sich über den Protest der Fluglärmgegner zu ärgern. Man sieht sie vor sich, die jüngste Generation des Wutbürgertums, wie sie sich gerade noch ohne Anflug eines schlechten Gewissens über die Bewohner von Berlin-Reinickendorf oder des Frankfurter Ostends erhoben hat, an Bord irgendwelcher Ferienflieger, um auf den Bahamas oder den Malediven Ruhe und Erholung zu suchen. Und wie sie nun, da sich die Einflugschneisen den eigenen Wohngebieten nähern, die Menschenrechtsverletzungen in der Lärmhölle des Luftverkehrs beklagt, als hätte sie soeben ein neues Umweltproblem entdeckt.

Der Ärger über die Protestierer währt aber nur kurz. Die Demokratie kann blind sein gegenüber den Bedürfnissen von Minderheiten, und vielleicht ist es das Verdienst dieser neuen Bewegung, darauf hinzuweisen. Könnte es sein, dass diese Demonstranten ganz einfach recht haben? Dass Clara, die sich bei ihren Hausaufgaben nicht konzentrieren kann, und Giovanna, die immer müde ist, weil die Flugzeuge sie morgens viel zu früh wecken – dass ihnen und all den anderen Kindern, die ihre Eltern neuerdings zu Fluglärmdemonstrationen begleiten, wirklich Unrecht geschieht?

Ein erstes Indiz ist die Art der Argumente, die den Demonstranten entgegenschallen. Derart ungeniert verweisen Branchenvertreter und Planer auf die wirtschaftlichen Vorteile, den Standortwettbewerb der Städte, die Interessen der Luftfahrt und der heimischen Industrie, dass eine Gegenfrage naheliegt: Seit wann darf man das? Seit wann dürfen Mehrheiten Einzelnen oder Minderheiten um wirtschaftlicher Vorteile willen nahezu beliebige Schäden zufügen?

Dies ist, zugegeben, ein grobschlächtiger Einwand. Jeder kann seine Anliegen vor das Verfassungsgericht tragen, wo im Zweifel Grundrechte und Menschenwürde den Ausschlag geben. Und um beliebige Schäden geht es bei genauerer Betrachtung ja nicht, sie sind, im Gegenteil, sorgsam zugemessen. Die gerade noch zulässige Anzahl der „Lärmereignisse“ pro Nacht, deren Intensität und die Höhe der Gebühren im Fall einer Überschreitung: Was Fluggesellschaften Clara und Giovanna antun dürfen, ist genau geregelt.

Es lohnt allerdings, sich klarzumachen, wie es zu diesen Regelungen kam. Nachzulesen ist das in der Urteilssammlung des Bundesverfassungsgerichts, BVerfGE 56, 54, Stichwort Fluglärm. Die erste Überraschung: Die alte, angeblich unentscheidbare Frage nach den Gesundheitsschäden ist längst höchstrichterlich entschieden: „Zumindest in Form von Schlafstörungen lassen sich Einwirkungen auf die körperliche Unversehrtheit schwerlich bestreiten.“

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1 Kommentar zu "Flughafenausbau: Die laute Macht der Mehrheit"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wenn Äpfel nicht aus Südtirol kommen, sondern per Flugzeug aus Neuseeland eingefolgen werden; wenn Spargel nicht aus Griechenland kommt, sondern aus Peru geliefert wird (abgesehen davon gibts beides auch in Deutschland) dann geht es nicht um den Wohlstand aller, sondern um Maximierung der Gewinne einiger weniger.
    Und dafür lohnt sich die belastung der Flughafenanrainer in keiner Weise!!!!