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Lange Schlangen an Flughäfen

Können weder Personen noch Gepäck an Flughäfen überprüft werden, hebt kein Jet mehr ab.

(Foto: AP)

Flugverkehr Warum massive Streiks den Luftverkehr zu Jahresbeginn lahmlegen könnten

Bis Freitagabend bleibt Zeit, in den Tarifverhandlungen für Flughafenkontrolleure eine Lösung zu finden. Gelingt das nicht, geht an den Flughäfen zu Jahresbeginn nichts mehr.
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FrankfurtDer Tarifkonflikt ist heikel. Wenn an diesem Donnerstag die vierte Verhandlungsrunde zwischen dem Arbeitgeberverband BDLS und der Gewerkschaft Verdi startet, geht es ans Eingemachte. Finden beide Seiten im Streit um die Bezahlung der sogenannten Luftsicherheitsassistenten – jenes Personal, das Passagiere, Handgepäck aber auch Crews und Waren kontrolliert – keine Lösung, droht Streik.

Frühestens zu Beginn des neuen Jahres wäre der möglich. Die alten Verträge liefen noch bis zum Jahresende, bis dahin herrsche Friedenspflicht, heißt es bei Verdi.

Das Thema hat Sprengkraft. Denn die Berufsgruppe der Flughafenkontrolleure besitzt eine große Streikmacht. Können weder Personen noch Gepäck an Flughäfen überprüft werden, hebt kein Jet mehr ab. Entsprechend groß sind die Sorgen bei Airlines und Flughäfen vor einem Scheitern der Verhandlungen.

Das Chaos des vergangenen Sommers haben alle noch vor Augen. Das neue Luftverkehrsjahr 2019 wird schon so schwierig genug, es gleich mit einem massiven Streik – noch dazu mitten in der Weihnachtsreisezeit – zu beginnen, wäre ein Debakel.

Doch nach der letzten Runde Anfang Dezember waren die Verhandlungspartner noch weit auseinander. Denn der Tarifstreit ist hochkomplex. Verdi hat gleich mehrere Forderungen in den Korb gelegt: Erstens will die Gewerkschaft eine Angleichung der Löhne zwischen Ost und West. Zweitens verlangt Verdi eine einheitliche Entlohnung für alle Luftfahrtassistenten, egal in welchem Bundesland sie arbeiten oder ob sie Passagiere oder Luftfracht kontrollieren. Drittens ist auch die absolute Forderung nach einem Stundenlohn von 20 Euro nicht ohne.

Noch die geringsten Probleme hat die Arbeitgeberseite mit der Angleichung zwischen Ost und West. Allerdings schlägt der BDSL eine stufenweise Angleichung über sechs Jahre vor. Auch dass die Löhne steigen müssen, bestreitet der Arbeitgeberverband nicht. Die Frage ist allerdings, auf wie viel.

Bislang ist die Bezahlung der Luftsicherheitsassistenten sehr inhomogen. Wer Personal- und Warenkontrollen durchführt, bekommt in der Regel weniger als derjenige, der Passagiere und Handgepäck überprüft. Hinzu kommt eine teils enorme Spreizung zwischen den Bundesländern. Am unteren Ende liegt etwa Thüringen, wo Passagier-Kontrolleure pro Stunde 14,70 Euro und Personalkontrolleure 12,90 Euro bekommen. An der Spitze liegt Baden-Württemberg mit 16,78 beziehungsweise 17,16 Euro.

Selbst gemessen an der besten Bezahlung würde ein Stundenlohn von 20 Euro einen Aufschlag von fast 17 Prozent bedeuten. Nimmt man am unteren Ende die 12,90 Euro des Personalkontrolleurs in Thüringen ergibt sich sogar eine Erhöhung von über 50 Prozent.

Der BDSL hat zuletzt eine jährliche Erhöhung um 1,8 Prozent über drei Jahre vorgeschlagen. Das war für Verdi aber nicht akzeptabel, eine solche Zahl läge noch unterhalb der Inflation. Doch der Forderung von Verdi in allen Punkten nachzugeben, ist problematisch. Die dadurch bedingte Erhöhung der Kosten für Luftsicherheit werden an die Airlines weitergegeben. Inwieweit die den Mehraufwand angesichts des harten Wettbewerbs wiederum an die Passagiere durchreichen können, ist ungewiss.

Hinzu kommt: Luftsicherheitsassistent kann werden, wer nach einer Überprüfung seiner Person eine rund einmonatige Schulung absolviert und vor der Bundespolizei erfolgreich eine Prüfung ablegt. Die Luftsicherheit ist eine hoheitliche Aufgabe, die Kontrollen an Flughäfen hat die Bundespolizei aber mit Ausnahme von Bayern an Dienstleister übertragen.

Für einen „Anlernberuf“ ist ein Stundenlohn, der etwa mit der Bezahlung einer chemisch-technischen Assistentin vergleichbar ist, die allerdings eine mehrjährige Ausbildung hinter sich hat, durchaus stolz. Das, so fürchtet in Deutschland mancher Airline- und Airportmanager, würde zudem das Gehaltsgefüge an den Flughäfen in ein Ungleichgewicht bringen – mit schwerwiegenden Folgen.

Das Bodenpersonal, das auf dem Vorfeld die Flugzeuge abfertigt, bekommt weniger Geld. Es könnte von der attraktiven Bezahlung und angesichts der recht kurzen Anlernphase dazu verleitet werden, in die Luftsicherheit zu wechseln. Das würde den eh schon bestehenden Personalmangel auf dem Vorfeld weiter verschärfen.

Zu allem Überfluss verhandelt die BDSL nicht nur mit Verdi über die Bezahlung der Luftsicherheitsassistenten. Auch mit dem Deutschen Beamten Bund und Tarifunion (DBB), hier mit der zuständigen Sparte Komba/VPS (Verband Private Sicherheit). Verdi bezweifelt aber die Rechtmäßigkeit dieser Gespräche, denn der DBB habe bislang nur in einigen Bundesländern Entgelttarifverträge abgeschlossen.

Diese Konkurrenzsituation macht die Verhandlungen nicht einfacher, in denen nun sehr viel Fingerspitzengefühl gefragt ist.

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