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Flugverspätungen Bei der Pünktlichkeit hapert es an Deutschlands Flughäfen ganz gewaltig

Verspätungen haben 2018 den Flughafenalltag bestimmt. Einige Airports und Strecken machen besonders Sorgen. Europaweit lief es nur in Portugal und Slowenien schlechter als hierzulande.
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Im Chaos-Sommer 2018 war der Rhein-Main-Airport Spitzenreiter in Sachen Flugverspätung. Quelle: dpa
Verspätete Flüge

Im Chaos-Sommer 2018 war der Rhein-Main-Airport Spitzenreiter in Sachen Flugverspätung.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEine Gruppe von Reisenden hatte zuletzt das höchste Risiko, Opfer im europaweiten Flugchaos zu werden: Diejenigen, die im vergangenen Sommer über den Rhein-Main-Flughafen in Frankfurt verreisten: Von den 150.610 Flügen zwischen Jahresbeginn und 31. August 2018, starteten 49.910 mit einer Verspätung von mehr als 15 Minuten, so errechnete jetzt das Fluggasthelfer-Portal AirHelp. Schlimmer noch: 3230 fielen komplett aus.

Mit 35,3 Prozent unplanmäßigen Flügen kassierte Frankfurts Airport damit einen traurigen Rekord, allerdings dicht gefolgt vom Flughafen Köln-Bonn mit 32,1 Prozent und dem Airport München, der auf 29,6 Prozent kam. Unter Deutschlands internationalen Verkehrsflughäfen schaffte es nur Berlin-Schönefeld unter die Quote von 22 Prozent.

Die Pleite der Air-Berlin-Tochter Niki, Wetterkapriolen und ungewöhnlich viele Streiks sorgten dafür, dass sich Verspätungen und Flugannullierungen häuften wie selten zuvor. Bis Ende September fielen 2018 deutschlandweit laut AirHelp 14.040 Flüge aus, 167.420 waren verspätet.

Nur in Portugal und Slowenien überstieg die Quote an Problemflügen noch das Ausmaß in Deutschland. Allein in den ersten neun Monaten des Jahres flogen sich Deutschlands Passagiere danach Entschädigungsansprüche von 823 Millionen Euro zusammen.

Dass mit Frankfurt ausgerechnet der größte Airport der Bundesrepublik auf dem letzten Platz in Sachen Pünktlichkeit landete, begründet ein Sprecher mit dessen Rolle als Flugdrehscheibe. „Wegen der Streiks französischer Fluglotsen kamen Flüge bereits häufig verspätet in Frankfurt an“, berichtet er.

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Doch es gebe auch Probleme im eigenen Betrieb. So müsse die Startbahn 18, die nach Süden zeigt, bei starken Nordwinden häufig geschlossen werden. Dort gebe es mitunter gefährliche Rückenwinde für die Flugzeuge. Zudem habe der Airport im vergangenen Jahr unter Engpässen bei der Abfertigung am Boden gelitten, räumte der Sprecher ein.

Frankfurt befindet sich in schlechter Gesellschaft. „Rund ein Drittel der europäischen Flugstrecken mit den meisten Verspätungen oder Ausfällen hatten im letzten Jahr ihren Start- oder Zielflughafen in Deutschland“, berichtet ein AirHelp-Sprecher.

Demnach mussten Fluggäste in Deutschland insbesondere für einen Flug von Frankfurt nach Pristina im Kosovo viel Zeit einplanen: Rund 70 Prozent aller Flüge auf dieser Strecke waren 2018 verspätet oder fielen aus. Auch Passagiere, die von Rom-Fiumicino zum Flughafen Köln/Bonn reisten, kamen in 66,5 Prozent der Fälle unpünktlich an. Wer von Catania nach Stuttgart flog, musste mit ähnlichen Verspätungsraten rechnen.

„Nicht mal ein Drittel aller geplanten Flüge lief nach Plan“

Ebenso tauchen die deutschen Flughäfen Berlin-Schönefeld, Hamburg, München und Düsseldorf in der Statistik der 50 unpünktlichsten Flugstrecken des Jahres auf – allerdings nicht an der Spitze. Europaweit gab es auf der Flugstrecke am meisten Probleme im Flugverkehr von Mykonos zum Londoner Gatwick-Flughafen.

Mehr als drei Viertel aller Flüge von der griechischen Insel in die britische Hauptstadt waren von Verspätungen oder Ausfällen betroffen – mehr als auf jeder anderen europäischen Flugstrecke.

Im vergangenen Jahr mussten Fluggäste „besonders viel Geduld mitbringen, denn auf einigen Flugstrecken starteten nicht einmal ein Drittel aller geplanten Flüge nach Plan“, berichtet Laura Kauczynski, Expertin für Fluggastrechte von AirHelp. Das sei in Deutschland neben den vielen Streiks bei Ryanair vor allem auf den extremen Marktkampf im Zuge der Insolvenzen von Air Berlin und Niki zurückzuführen.

Damit sich das Drama nicht wiederholt, haben sich die Verkehrsminister von Bund und Ländern Anfang Oktober in Hamburg mit Spitzen der deutschen Luftfahrtindustrie getroffen. Auf dem Luftverkehrsgipfel beschlossen sie, die Abfertigung zu verbessern und Engpässe zu beseitigen.

So lotet seither die Bundespolizei aus, wie die von ihnen bestellten Sicherheitsdienste die Abfertigung etwa durch Überholspuren beschleunigen können. Schon seit Anfang Sommer läuft zudem eine Rekrutierungskampagne, mit der die Zahl der deutschen Fluglotsen erhöht werden soll.

Dass sich die Lage seit Herbst beruhigt hat, liegt allerdings in erster Linie am Winterflugplan. Die geringere Zahl von Flügen in der kalten Jahreszeit sorgt dafür, dass es weniger Verkehrsspitzen an den Airports gibt. Ob die Verbesserungsaktionen dafür sorgen, dass die Zahl der Verspätungen und Flugausfälle auch im nächsten Sommer niedriger bleibt, ist jedoch ungewiss.

„Alle Beteiligten arbeiten daran, dass sich die Situation verbessert“, beteuert ein Fraport-Sprecher. „In die Glaskugel schauen kann aber niemand.“

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