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Flugzeugbauer Immer mehr Rechnungen: Die 737 Max wird für Boeing zum finanziellen Desaster

Der Jet wird nicht vor dem Sommer wieder abheben dürfen. Und die Kosten, die der Konzern wegen seiner Fehler begleichen muss, steigen täglich.
22.01.2020 - 12:30 Uhr Kommentieren
Die Gespräche zwischen Boeing und Tui über Kompensationen wegen des Ausfalls laufen noch. Quelle: dpa
737-Max-Maschine

Die Gespräche zwischen Boeing und Tui über Kompensationen wegen des Ausfalls laufen noch.

(Foto: dpa)

Frankfurt Boeing-Investoren müssen derzeit starke Nerven haben. Über viele Monate hatte die Boeing-Aktie überraschend wenig auf die schwere Krise beim Kurz- und Mittelstreckenjet 737 Max reagiert. Zwischen März, dem Zeitpunkt also, als die Behörden nach zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Toten weltweit ein Flugverbot für den Jet verhängt hatten, und Anfang November vergangenen Jahres blieb der Kurs im Schnitt stabil.

Erst danach ging es bergab. Seit dem 11. November hat das Papier fast 16 Prozent an Wert verloren. Der Grund für den Kursverfall: Seit November wird immer klarer, dass die Probleme mit dem beliebten Jet für den US-Konzern zu einem finanziellen Desaster werden.

Die neueste Information, wonach Boeing erst für Mitte des Jahres mit einer Wiederzulassung des Flugzeugs rechnet, hat den Anteilseignern endgültig jede Hoffnung genommen, dass es bei Boeing bald wieder aufwärts gehen wird.

Die Investoren schauen vielmehr mit Bangen auf den Mittwoch kommender Woche. Dann wird Boeing seine Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr vorlegen. Die Chance ist groß, dass David Calhoun, seit Jahresbeginn der Nachfolger für den wegen seines desolaten Krisenmanagements gefeuerten Boeing-CEOs Dennis Muilenburg, dann Tabula rasa machen wird.

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    Das, was an Risiken und Kosten durch die Max auf den US-Konzern zukommt, dürfte sofern möglich in den Abschluss 2019 gepackt werden. Analysten rechnen mit einer fürchterlichen Bilanz.

    Denn die durch die Max-Krise verursachte Rechnung ist lang und wird täglich länger. Da sind zum einen die Kompensationen, die Boeing an die Kunden zahlen muss, die seit Monaten vergeblich auf die Max warten. Solange die Max nicht wieder fliegen darf, kann diese Summe kaum beziffert werden.

    Mit einigen Airlines hat sich Boeing zumindest für die Ausfälle in 2019 bereits geeinigt, etwa mit American Airlines und Southwest Airlines. Summen wurden hier aber nicht genannt.

    Gespräche in Europa laufen

    In Europa ist man dagegen noch nicht soweit. Hier laufen die Gespräche mit Abnehmern wie Ryanair, Tuifly, SunExpress oder Norwegian. Turkish Airlines, die zwölf Max-Maschinen parken mussten und ebenfalls auf neue Jets warten, soll nach unbestätigten Medienberichten von Boeing bereits 225 Millionen Dollar bekommen haben.

    Analysten waren bei den Kompensationszahlung zuletzt von einer Summe von fast zwölf Milliarden Dollar ausgegangen. Doch diese Hochrechnung wurde gemacht, bevor klar war, dass die Max noch mindestens bis zum Sommer am Boden bleiben muss. Durch die „Verlängerung“ des Grounding muss hier sicherlich noch mal nachjustiert werden.

    Grafik

    Denn gerade der Sommer ist Reisezeit, und die Max-Maschinen fehlen den Fluggesellschaften besonders stark. Oliver Lackmann, der Chef von Tuifly, bezifferte die Kosten für die Ferienfluggesellschaft gegenüber der „Wirtschaftswoche“ vor wenigen Tagen auf nochmals bis zu 270 Millionen Euro, sollte das Flugzeug nicht vor Herbst einsatzfähig sein. Bisher hat Tuifly den Aufwand bereits auf rund 300 Millionen Euro taxiert.

    Zu den Kompensationen werden sich Kosten für Simulatorstunden gesellen. Boeing hatte den Airlines einen Jet versprochen, für den die Piloten, die bisher das Vorgängermodell geflogen sind, nicht groß umgeschult werden müssen. Das macht das Flugzeug besonders attraktiv, weil es leichter „eingeflottet“ werden kann.

    Mittlerweile ist jedoch klar, dass die Behörden auf Simulatorstunden bestehen werden. Auch Boeing selbst empfiehlt das seit einigen Tagen, nachdem man sich lange dagegen gewehrt hat.

    Nach 737-Max-Debakel: „Sauregurkenzeit“ für Boeing-Investoren kommt

    Lange Liste mit Kostenposten
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