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Flugzeugbauer Warum Airbus dem Rivalen Boeing davonfliegt

Der US-Flugzeugbauer Boeing ist gegenüber seinem europäischen Rivalen Airbus ins Hintertreffen geraten. Hauptproblem: Der US-Konzern ist zu zögerlich.
29.01.2020 - 16:05 Uhr Kommentieren
Die A321 LR und XLR von Airbus sind mittlerweile Verkaufsschlager. Quelle: Reuters
A321 der Swiss

Die A321 LR und XLR von Airbus sind mittlerweile Verkaufsschlager.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Boeing-Chef David Calhoun fehlen nicht nur die wichtigen Einnahmen aus dem Verkauf der beliebten 737 Max. Gleichzeitig schwächeln andere Segmente des zivilen Flugzeugbaus und können so nicht dazu beitragen, die Lücke, die die Max etwa beim Cashflow reißt, zu füllen.

Vor allem der Großraumjet Dreamliner (787) bereitet Sorgen. Ende 2019 hatte der Konzern noch 520 nicht ausgelieferte Flugzeuge dieses Musters in den Auftragsbüchern. Das klingt erst einmal üppig. Doch eine Flugzeugfertigung mitsamt der Zulieferkette ist hochkomplex und erfordert eine entsprechende Vorausplanung. Boeing und auch der Rivale Airbus stellen seit einiger Zeit aber eine gewisse Zurückhaltung der Airlines beim Kauf großer Flugzeuge fest.

Calhoun will deshalb rechtzeitig gegensteuern. Die Zahl der monatlich in den Werken in Everett und Charleston gefertigten Dreamliner soll Ende des Jahres von aktuell 14 auf zwölf Maschinen reduziert werden. Zudem kündigte Boeing am Mittwoch an, die Fertigung Anfang 2021 auf dann zehn Exemplare weiter zu schrumpfen. Für Boeing ist das heikel, denn so lange die Max zwangsgeparkt bleibt, ist der Dreamliner die wichtigste Einnahmequelle in der Zivilsparte des Konzerns.

Vor allem aber weisen die Schwierigkeiten beim Dreamliner auf ein grundlegendes und sehr schwerwiegendes Problem von Boeing hin, das Calhoun dringend lösen muss: Dem Konzern fehlen die Innovationen. „Boeing ist der Verfolger, nicht der Führende. Airbus hat die Führungsrolle übernommen“, konstatiert Scott Hamilton vom Fachinformationsdienst Leeham News.

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    Die Belege für diese Aussage: Die betagte 737 wurde nur deshalb zur Max „aufgepimpt“, weil Airbus mit der Modernisierung seiner Kurz- und Mittelstreckenfamilie A320 vorpreschte. Nachdem immer mehr Airlines – darunter auch traditionelle Boeing-Kunden – die „Neo“ von Airbus orderten, beschloss auch Boeing die Modernisierung der 737.

    Die erfolgte übereilt und mit massiven Fehlern in der Softwaresteuerung. Das wiederum führte zum Absturz zweier brandneuer Flugzeuge und ins Desaster. Dabei hatte Boeing die Arbeiten an einem 737-Nachfolger bereits gestartet. Doch das Management schob die endgültige Entscheidung wieder und wieder hinaus, bis Airbus zuvorkam.

    Airbus hat das modernere Gerät im Angebot

    Nicht ganz so dramatisch, aber doch ähnlich lief es beim Langstreckenflugzeug Boeing 777. Viele Jahre war es ein Erfolgsmodell und ein Gewinngarant. Um diesen Status zu sichern, plante Boeing einen Nachfolger, wollte damit aber warten, bis die Max erfolgreich im Markt eingeführt war. Erneut grätschte Airbus dazwischen und kündigte die moderne A350–1000 an – mit besseren Effizienzwerten als die ältere Boeing 777–300ER. Die neue 777–X, mit der Boeing auf den Rivalen Airbus antworten kann, absolvierte erst vor wenigen Tagen ihren Jungfernflug.

    Das Ganze wiederholte sich ab 2012, wieder beim Thema Langstrecke. Ein komplett neuer Jet sollte her, für das sogenannte mittlere Marktsegment. Das sind Langstreckenverbindungen von dezentralen Flughäfen, an denen die extrem großen Flugzeuge wie die 747 oder die A380 nicht gefüllt werden können.

    Erneut konnte sich das Management nicht zu einer Entscheidung durchringen. Airbus nutzte das. Man motzte die A320 mit Zusatztanks für Langstrecken auf. Die A321 LR und XLR sind mittlerweile Verkaufsschlager. Die Folge: Aktuell hat Airbus in der zivilen Luftfahrt das modernere Gerät im Angebot.

    Das Zaudern bei Boeing hatte vor allem zwei Gründe: Zum einen sorgte das Dreamliner-Programm für große Probleme. Die Markteinführung verzögerte sich massiv, die Kosten stiegen gewaltig. Das Boeing-Management wollte erst diese Hürde nehmen, bevor man an die Entwicklung eines neuen Flugzeugs ging. Zum anderen wollte die Boeing-Spitze die Investoren bei Laune halten und investierte die Mittel lieber in Dividenden und Aktienrückkäufe.

    Beides hat Boeing nun komplett in die Defensive gebracht. Calhoun muss nicht nur die Bilanz des US-Konzerns richten. Er muss auch eine neue Produktoffensive starten, will der Luftfahrtkonzern im zivilen Flugzeugbau wieder Anschluss finden an den Rivalen aus Europa.

    Mehr: Guillaume Faury – Der neue Airbus-Chef ist erst seit April im Amt und hat schon den Erzrivalen Boeing überholt. Bedanken kann er sich bei seinem Vorgänger Tom Enders.

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