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„Tante Ju“ der Lufthansa

Die Airline wird die Deutsche Lufthansa Berlin-Stiftung beim regulären Flugbetrieb der Maschine nicht weiter finanziell unterstützen.

(Foto: dpa)

Flugzeuglegenden Warum die Lufthansa mit ihren Oldtimern hadert

Erst die Super Star, nun die „Tante Ju“. Die Airline verabschiedet sich von der Idee, mit historischen Maschinen kommerzielle Flüge durchzuführen. Der Aufwand ist zu groß.
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FrankfurtIhr Knattern ist weithin zu hören. Unverkennbar ist die Geräuschkulisse der Junkers Ju 52, wenn sie in den Sommermonaten etwa über Frankfurt kreist. Doch das dürfte künftig nur noch selten der Fall sein. Lufthansa wird die Deutsche Lufthansa Berlin-Stiftung (DLBS) beim regulären Flugbetrieb der Maschine mit der charakteristischen Wellblechhaut und den drei Propellermotoren nicht weiter finanziell unterstützen.

„Wir bestätigen, dass die kommerzielle Vermarktung von Flügen mit unserer Ju 52 nicht fortgesetzt werden soll“, heißt es bei der Lufthansa offiziell. Für Luftfahrt-Enthusiasten eine traurige Nachricht – noch dazu die zweite in der jüngeren Vergangenheit.

Im vergangenen März war bekannt geworden, dass Lufthansa den Plan aufgeben wird, die nicht minder legendäre Lockheed Super Star so zu restaurieren und gleichzeitig zu modernisieren, dass sie wieder in den kommerziellen Einsatz gehen kann. Die Super Star ist in den Augen vieler Flugzeug-Kenner mit ihren vier Propeller-Motoren und dem markanten dreiteiligen Leitwerk eines der schönsten Langstrecken-Flugzeuge, das je gebaut wurde.

Geht Lufthansa zu schändlich mit der eigenen Historie um, wie der eine oder andere Luftfahrt-Enthusiast meint? Fest steht: Einfach hat sich das Management diese Entscheidungen nicht gemacht. Das berichten Führungskräfte des Konzerns. „Luftfahrt ist ein emotionales Thema. Und diese Flugzeuge sind Teil unserer Geschichte, das wissen wir“, sagt eine Führungskraft.

Doch noch wichtiger sei es, dass die Passagiere, die an Bord eines solchen Oldtimers gehen, sicher transportiert würden. Hier habe sich in beiden Fällen gezeigt, dass das nur mit einem unglaublich hohen Aufwand zu gewährleisten sei. Offiziell liest sich das in der Lufthansa-Erklärung zur „Tante Ju“ so: „Der Flugbetrieb der Ju 52 wurde Jahr für Jahr mit hohen Beträgen bezuschusst. Ein wirtschaftlicher Betrieb war auch perspektivisch nicht zu erreichen.“

Welcher Aufwand betrieben werden muss, um einen Oldtimer für den Einsatz mit Passagieren zu ertüchtigen, lässt sich gut an dem Projekt Super Star ablesen. Schon 2008 begannen die Experten von Lufthansa Technik mit der Instandsetzung des Flugzeugs in einem eigens dafür angemieteten Hangar in Auburn (USA).

Um die Zulassung für einen kommerziellen Flugbetrieb zu erhalten und aus Gründen der Sicherheit wurden seitdem 95 Prozent der Rumpfstruktur und 85 Prozent der Tragflächen durch moderne Materialien ersetzt. Das Ziel: Die Maschine sollte technisch auf den heutigen Stand gebracht werden.

Das galt auch für das Innere. Die Kabine sollte heutigen Ansprüchen genügen. Sogar ein eigenes Cockpit-Layout wurde entworfen, um Fehlerquellen der Vergangenheit zu beseitigen. Lufthansa hatte auch schon damit begonnen, Piloten zu schulen.

Die Mechanik war ebenso eine Herausforderung. Bei der Lockheed Super Star wurden die Steuerbefehle über Kabel- und Seilzüge etwa an die Ruder weitergegeben. Die Kabel längen oder verkürzen sich je nach Temperatur, was zu ungewollten Ruderausschlägen führen würde. Um das zu verhindern, hatte Lockheed einen komplexen Ausgleichsmechanismus erdacht.

Immense Kosten für den Flugbetrieb

Unterlagen darüber gibt es aber nicht mehr, einzelne Komponenten waren nicht mehr restaurationsfähig. Also mussten die Techniker diese nachbauen, aufwendig testen und teilweise sogar eine neue Zulassung bei den Behörden dafür beantragen. Fachportale schätzen die Kosten bislang auf rund 100 Millionen Euro.

Wohl auch deshalb entschied der Vorstand im März vergangenen Jahres, den Plan, mit der Super Star auch Passagiere zu befördern, aufzugeben. Seitdem wird das Flugzeug wieder zerlegt und nach Deutschland gebracht.

Auch bei der „Tante Ju“ zeichnete sich immer mehr ab, dass die Kosten für einen regulären Flugbetrieb immens werden würden. Im Spätsommer 2015 stellten Techniker zum Beispiel einen Mittelholmbruch fest, die Maschine musste in die Werkstatt. Dort wurde klar, dass die Instandsetzung des 1936 gebauten Flugzeugs weit aufwendiger werden würde als geplant.

Eineinhalb Jahre dauerte sie schließlich, die Saison 2016 fiel deshalb komplett aus. Dann kam der Absturz einer Ju 52 der Schweizer Ju-Air im vergangenen August im Kanton Graubünden, bei dem alle 20 Insassen ums Leben kamen.

Spätere Untersuchungen brachten Mängel in der Struktur des Flugzeugs zutage, die ohne eine komplette Zerlegung der Maschine kaum zu erkennen waren. Die Tragödie zeigt, wie schwer es ist, bei einem über 80 Jahre alten Flugzeug die Flugsicherheit zu gewährleisten.

Sowohl im Fall der Ju 52 als auch bei der Super Star muss die Entscheidung der Lufthansa aber nicht bedeuten, dass die historischen Flugzeuge künftig gar nicht mehr fliegen werden. Aktuell werde die künftige Verwendung der Ju überprüft, eine Entscheidung sei noch nicht gefallen, heißt es in einer Mitteilung des Konzerns: „Es werden alternative Verwendungsmöglichkeiten geprüft.“

Auch das weitere Vorgehen bei der Super Star wird derzeit geprüft. Nicht ausgeschlossen also, dass man die fliegenden Veteranen auch künftig am Himmel bestaunen kann – nur eben seltener, etwa bei Flughafenfesten.

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