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Folgen der Corona-Pandemie Logistik-Milliardär Kühne: „Der allgemeine Wohlstand wird sich verringern“

Der Unternehmer blickt düster in die Zukunft des Welthandels nach der Coronakrise. Im Interview prophezeit Kühne eine Ära von Deglobalisierung und Inflation.
14.04.2020 - 10:22 Uhr 10 Kommentare
„Je länger die Krise dauert, umso gefährlicher wird es.“ Quelle: picture alliance / Axel Heimken/
Unternehmer Klaus-Michael Kühne

„Je länger die Krise dauert, umso gefährlicher wird es.“

(Foto: picture alliance / Axel Heimken/)

Düsseldorf Klaus-Michael Kühne hat schon etliche Wirtschaftskrisen erlebt. Aber die Corona-Gegenwart sprengt selbst die Vorstellungskraft der Logistik-Größe. Ein schnelles Ende des aktuellen Shutdowns erwartet der Wahl-Schweizer nicht: „Es wird noch sehr lange dauern, fürchte ich, bis wir wieder festen Grund unter den Füßen spüren“, sagte er im Handelsblatt-Interview. Zugleich warnte der 82-Jährige: „Je länger die Krise dauert, umso gefährlicher wird es.“

Kühne sieht aber auch in den derzeitigen staatlichen Finanzhilfen die Keimzelle neuer Probleme: „Man sollte sich keinen allzu großen Illusionen hingeben: Selbst ein wohlhabender Staat wie Deutschland kann nur eine bestimmte Zeit lang helfen – und muss irgendwann die Rechnung präsentieren.“

Was gerade passiere, bedeute „auch eine gigantische Verschuldung. Zurzeit werden dafür selbst die ehernsten Prinzipien über Bord geworfen, was auch zu einer neuen Ära der Inflation führen kann“, so Kühne.

Generell glaubt der Unternehmer, dass die Coronakrise „zu einer Verringerung des allgemeinen Lebensstandards und Wohlstands führen wird. Wir werden auch aufpassen müssen, dass viele Länder der Dritten Welt dadurch nicht wieder in völlige Armut zurückkatapultiert werden.“ Ebenso werde „die bisherige internationale Verflechtung leiden“.

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    Die Globalisierung werde sich „auf einem niedrigeren Niveau einpendeln“, fürchtet der Wahl-Schweizer: „Es kommt auf die Größenordnung an: Werden das fünf Prozent weniger sein oder 25? Das lässt sich noch nicht vorhersehen.“

    Einer der Gründe für die zu erwartende „Rückwärtsbewegung“ der Weltwirtschaft sei die wachsende Angst vieler Unternehmen, in einer nächsten, ähnlichen Krise die eigenen Lieferketten zu wenig unter Kontrolle zu haben: „Schon aus Sorge, Dinge nicht vorrätig zu haben, wenn die nächste Krise droht, werden viele Firmen zumindest Teile ihrer Produktion zurück ins eigene Land holen.“

    Gerade erst hat sein Konzern Kühne + Nagel, an dem Kühne noch immer die Mehrheit hält, eine Aussetzung der eigentlich geplanten Dividende verkündet. Das dürfte noch eine der harmloseren Botschaften sein, die man in den nächsten Monaten von dem weltweit vernetzten Unternehmen hören wird, das im letzten Geschäftsjahr einen Umsatz von 21,1 Milliarden Schweizer Franken melden konnte.

    Lesen Sie hier das ganze Interview:

    Herr Kühne, Sie sind jetzt 82 Jahre und Eigentümer eines Milliardenkonzerns. Haben Sie schon mal etwas Vergleichbares wie die Coronakrise mitgemacht?
    Nein, was sich derzeit abspielt, ist total irritierend, überraschend und ökonomisch natürlich höchst unerfreulich. Eine globale Pandemie war wohl das Letzte, auf das sich irgendwer vorbereitet hätte. Einerseits ein einmaliger Vorgang.

    Und andererseits?
    Fragt man sich natürlich: Was kommt, wenn das Virus sich gar nicht so schnell bekämpfen lässt, wie wir derzeit hoffen? Oder wenn in zwei Jahren ein anderes, vielleicht nur leicht mutiertes und noch gefährlicheres Coronavirus auftritt? Wollen wir dann wieder alles lahmlegen? Es ist jedenfalls erstaunlich, dass wir bei all unserer Hochtechnologie das Virus nicht beherrschen können. Das gibt zu denken. Als Menschheit haben wir hier offenbar unseren Meister gefunden.

    Wie erlebt Ihre Unternehmensgruppe die Pandemie?
    Das Unternehmen hat sehr schnell auf die neuen Anforderungen reagiert. Wir können die Kunden weltweit in dieser schwierigen Zeit unterstützen – dank des großen Engagements aller Mitarbeitenden und nicht zuletzt aufgrund der Automatisierung und Digitalisierung der Prozesse, die wir seit Jahrzehnten vorantreiben. Die wirtschaftlichen Auswirkungen zeigen sich bei uns erst allmählich; erwartungsgemäß ist das Volumen zurückgegangen …

    … was nicht sonderlich überrascht. Sie sind ja auch in China stark aktiv.
    Genau. Wir haben eine starke Basis in China.

    Die Kühne Holding AG ist an Unternehmen der Transport- und Verkehrsbranche beteiligt, aber auch im Immobiliensektor. Kühne + Nagel ist der weltweit größte Spediteur in der Seefracht. Wann haben Sie gemerkt, dass sich da ein historisch einmaliger Wirtschafts-Tsunami entwickelt?
    Schon im Februar wurde in China vieles nicht mehr verladen. Teilweise kamen die Schiffe nicht in die Häfen, teilweise die Ware nicht zu den Schiffen. Von Wuhan wusste man schon, aber die Seuche breitete sich ja mit rasanter Geschwindigkeit und großer Wucht weiter aus.

    Die Pandemie begann Anfang 2020 in China, wo die Behörden glauben, das Virus mittlerweile im Griff zu haben. Glauben Sie an den Neustart dort?
    Zumindest hat sich das Geschäft dort etwas normalisiert. Aber die Produzenten wie die Konsumenten sind erst einmal deutlich vorsichtiger geworden. Ich rechne damit, dass sich das Handelsvolumen in China zunächst auf einem niedrigeren Level einpendelt…

    …während andere Weltregionen gerade erst in die Krise taumeln.
    Länder wie Italien, Spanien und Frankreich sind sehr von der Krise betroffen. Die Logistik ist für die Versorgung der Bevölkerung von großer Bedeutung; Kühne + Nagel ist in diesen Ländern stark in den Bereichen Lebensmittel-, Pharma- und Ersatzteillogistik sowie Onlinehandel engagiert. In den USA greift das Virus gerade erheblich um sich. Unser Geschäft ist letztlich die Organisation jener Lieferketten, die derzeit bedroht sind. Wenn nichts produziert wird, hat dies Auswirkungen auf die Logistik. Daher sind für die Branche deutliche Volumenrückgänge zu erwarten. Für uns alle gilt: Je länger die Krise dauert, umso gefährlicher wird es.

    Es wird noch sehr lange dauern, bis wir wieder festen Grund unter den Füßen spüren. Klaus-Michael Kühne

    Wagen Sie eine Prognose?
    Ich bin eher pessimistisch, was die Länge des Shutdowns angeht. Selbst in Europa gibt es Länder, die den Höhepunkt der Pandemie noch längst nicht erreicht haben. Insofern wird es noch sehr lange dauern, fürchte ich, bis wir wieder festen Grund unter den Füßen spüren. Und selbst dann kann ich mir nicht vorstellen, dass die Seuche irgendwann einfach verschwunden sein wird. Es deutet doch vieles darauf hin, dass sie immer wieder aufflackern wird – es sei denn, dass ein Impfstoff kommt.

    Wie lange kann die Wirtschaft den aktuellen Stillstand durchhalten?
    Ein, zwei Monate geht das. Dann wird es immer kritischer. Andererseits mache ich mir auch Sorgen, was geschehen könnte, wenn man zu früh zur Normalität zurückkehren würde. Wir als Unternehmen sind in mehr als hundert Ländern aktiv und global vernetzt. Wir werden es immer sehr schnell zu spüren bekommen, wenn Corona wieder aufflammt. Das ganze globale Wirtschaftssystem wird zumindest bis nächstes Jahr holprig sein.

    Angela Titzrath, Vorstandschefin des Hamburger Hafenbetreibers HHLA, warnte bereits, sie rechne „in diesem Jahr mit einem starken Rückgang von Umsatz und Gewinn“. Sie auch?
    Kühne + Nagel hat in den 130 Jahren seines Bestehens schon einige Krisen erfolgreich bewältigt. Das Unternehmen ist gut aufgestellt und verfügt über eine gute Liquidität. Dies macht uns zuversichtlich, dass wir auch diese Krise bewältigen können – und mit einem blauen Auge davonkommen werden. Das Niveau der gesamten Weltwirtschaft wird allerdings sinken.

    Wo in Ihrer Gruppe wurde schon auf Kurzarbeit umgestellt?
    Angesichts unserer globalen Tätigkeit ist das Thema Kurzarbeit komplex und regional unterschiedlich. In Deutschland, wo wir die meisten Mitarbeiter haben, läuft sie bereits. In den USA oder Großbritannien kennt man das Instrument gar nicht.

    Dort gibt es in Krisen gleich Entlassungen…
    … wobei wir durchaus versuchen, derartige soziale Härten zu vermeiden, wo immer wir es können. Wir sind da hellwach, und unsere Personalabteilungen sind natürlich derzeit rund um die Uhr im Einsatz.

    Könnten Sie sich vorstellen, Staatshilfen zu beantragen?
    Von Olaf Scholz‘ Hilfen werden wir wohl nicht profitieren, schon weil wir in zu vielen Ländern unser Geschäft betreiben. Insofern ist das kein Thema für uns.

    Selbst ein wohlhabender Staat wie Deutschland muss irgendwann die Rechnung präsentieren. Klaus-Michael Kühne

    Sie haben Ihren Firmensitz schon 1975 in die Schweiz verlegt – auch aus Furcht vor Kommunismus und Sozialdemokratie. Ist es Ironie der Geschichte, dass nun ausgerechnet ein SPD-Finanzminister immer neue Rettungspakete schnürt, um der hiesigen Wirtschaft das Überleben zu sichern.
    Berlin zeigt sich bislang schnell und konsequent, was das Notfallmanagement angeht. Ob Herr Scholz als großer Held aus dieser Krise kommt, werden wir sehen. Man sollte sich keinen allzu großen Illusionen hingeben: Selbst ein wohlhabender Staat wie Deutschland kann nur eine bestimmte Zeit lang helfen – und muss irgendwann die Rechnung präsentieren. Was gerade passiert, bedeutet auch eine gigantische Verschuldung. Zurzeit werden dafür selbst die ehernsten Prinzipien über Bord geworfen, was auch zu einer neuen Ära der Inflation führen kann.

    Was wird Corona grundsätzlich verändern?
    Ich denke, dass die jetzige Krise zu einer Verringerung des allgemeinen Lebensstandards und Wohlstands führen wird. Wir werden auch aufpassen müssen, dass viele Länder der Dritten Welt dadurch nicht wieder in völlige Armut zurückkatapultiert werden. Auch wir in den Industriestaaten werden unseren Konsum künftig noch stärker auf wirklich notwendige Produkte und Waren ausrichten. Dinge, die nur nice to have sind, werden es schwerer haben. Da wird sich die Spreu vom Weizen trennen. Ebenso wird die bisherige internationale Verflechtung leiden.

    Sie sehen eine Art Deglobalisierung auf uns zukommen?
    An eine arbeitsteilige Welt, den internationalen Warenaustausch und die Globalisierung an sich glaube ich nach wie vor. Aber das alles wird sich auf einem niedrigeren Niveau einpendeln, fürchte ich. Es kommt auf die Größenordnung an: Werden das fünf Prozent weniger sein oder 25? Das lässt sich noch nicht vorhersehen. Schon aus Sorge, Dinge nicht vorrätig zu haben, wenn die nächste Krise droht, werden jedenfalls viele Firmen zumindest Teile ihrer Produktion zurück ins eigene Land holen.

    Klingt, als stünden da gerade der exportorientierten deutschen Industrie noch einige Revolutionen ins Haus.
    Da gibt es sicherlich eine Rückwärtsbewegung, ja. Doch können Krisen auch neue Chancen bieten.

    Haben Sie eigentlich schon bereut, dass Sie Ihren Aktienanteil bei Hapag-Lloyd von etwas über 25 auf nunmehr 30 Prozent aufgestockt haben, was Sie nach dem aktuellen Börsenkurs etwa eine weitere halbe Milliarde Euro gekostet haben dürfte?
    Dieser Prozess erstreckte sich über gut eineinhalb Jahre. Die 30-Prozent-Schwelle zu überschreiten war am Ende nur noch ein kleiner Schritt, mit dem wir nun aber einer der beiden Hauptgesellschafter sind…

    … neben dem chilenischen Mischkonzern CSAV der Familie Luksic, mit der Sie sich offenbar ein teures Kopf-an-Kopf-Rennen leisteten.
    Obwohl Hapag-Lloyd die kleinste Reederei unter den weltgrößten fünf ist, hat sie eine überdurchschnittliche Rendite. Bislang sind die Schiffe sogar gut ausgelastet. Aber auch da gilt natürlich: Je länger die Krise dauert, umso eher ist mit Einbrüchen zu rechnen.

    Wäre es noch eine Herzensangelegenheit für Sie, bei der in Ihrer Hamburger Heimat basierten Reederei irgendwann die Mehrheit zu kontrollieren?
    Von so was träumt man allenfalls, auch wenn es nicht realistisch ist. Wir haben im Aktionärskreis starke Partner aus Chile und Arabien, was Hapag-Lloyd auch sehr international ausrichtet. Das kann nur helfen. Ich würde aber immer dafür kämpfen, dass es eine deutsche Reederei bleibt. Deshalb ist es auch gut, dass wir die Stadt Hamburg weiterhin als Co-Eigentümer mit im Boot haben.

    Dieser Kampf hat sie schon viel Geld gekostet…
    … zumal wir einst wenige Wochen nach der Pleite von Lehman Brothers eingestiegen sind. Daran werde ich jetzt wieder erinnert. Wir hatten schwierige Jahre, aber die Entwicklung ging zuletzt in die richtige Richtung.

    Sie besitzen auch zwei Hotels – auf Mallorca und in Hamburg. Beide sind jetzt sicher geschlossen, oder?
    Da ist Land unter, ja. Während die Tui sich über Milliarden an Staatshilfen freuen kann, muss sich das Tourismusgeschäft weltweit und in vielerlei Hinsicht auf schwere Verluste einstellen. Nicht nur mein Hotel auf Mallorca ist in Mitleidenschaft gezogen, sondern auch mein „The Fontenay“ an der Außenalster in Hamburg. Das dortige Hotel ist ein Luxusprodukt, es war in einer vielversprechenden Anlaufphase, als Corona kam. Das ist wirklich bitter.

    Wo verbringen Sie selbst eigentlich die aktuelle Krise, über dem Zürichsee?
    Ja, hier ist der Sitz der Holding, und in der Schweiz habe ich auch meinen Lebensmittelpunkt. Ich gehe täglich ins Büro, weil ich dort einfach besser arbeiten kann, obwohl die Räume weitgehend verwaist sind. Auch auf dem Weg hierher begegne ich kaum noch Leuten.

    Was fehlt Ihnen?
    Meine Heimat Hamburg natürlich. Und mein Haus auf Mallorca. Insofern ist das Leben etwas eintönig geworden. Man kann das natürlich ein paar Wochen aushalten. Aber das Schlimmste an dieser verrückten Krise ist nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für uns Menschen, dass man nicht absehen kann, wann sie zu Ende geht.

    Herr Kühne, vielen Dank für das Interview.

    Mehr: Deutsche Konzerne werden in der Coronakrise zu Schnäppchen

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    • @ Wilfried Zekert
      "Einziger Lichtblick: Die Erdbevölkerung wächst weiter. Das Mantra des ewigen Wachstums bleibt unangetastet."

      Das ist eines der spannendsten Themen überhaupt. Leider können wir diese Diskussion hier im HB jedoch nicht führen. Wichtig ist jedoch, dass die "Flucht aus der Malthusschen Falle", die der Menschheit durch die Industrielle Revolution gelungen ist, nicht irreversibel sein muss!
      Dafür müssen die Produktivitätsfortschritte das Bevölkerungswachstum nämlich immer übertreffen. Andernfalls kommt als limitierender Faktor nämlich das Ertragsgesetz (genauer: das Gesetz des sinkenden Grenzertrags) ins Spiel.

    • Es fällt schwer Herrn Kühne zu widersprechen.
      Zu Klima- und Umweltkrise gesellt sich nun auch noch die Wirtschaftskrise. Eine noch nie dagewesene Schulden- und Finanzkrise der Staaten zeichnet sich weit hinten am Horizont auch schon ab.
      Einziger Lichtblick: Die Erdbevölkerung wächst weiter. Das Mantra des ewigen Wachstums bleibt unangetastet.

    • "Einer der Gründe für die zu erwartende „Rückwärtsbewegung“ der Weltwirtschaft sei die wachsende Angst vieler Unternehmen, in einer nächsten, ähnlichen Krise die eigenen Lieferketten zu wenig unter Kontrolle zu haben: „Schon aus Sorge, Dinge nicht vorrätig zu haben, wenn die nächste Krise droht, werden viele Firmen zumindest Teile ihrer Produktion zurück ins eigene Land holen.“"

      Ein Gut Erster Ordnung behält nur dann seine Güterqualität, wenn die komplementären Güter höherer Ordnung ebenfalls verfügbar sind! Dazu das Jahrtausendgenie vor ca. 150 Jahren:
      "Die Producenten jedes einzelnen Artikels führen in der Regel nach in mechanischer Weise ihr Geschäft fort, während die Producenten der complementären Güter ebensowenig sich es in den Sinn kommen lassen, dass die Güterqualität der Dinge, die sie produciren oder verarbeiten, durch das Vorhandensein anderer Dinge bedingt sei, die sich gar nicht in ihrem Besitze befinden, und es kann der Irrthum, dass die Güter höherer Ordnung auch für sich und ohne alle Rücksicht auf das Vorhandensein complementärer Güter die Güterqualität besitzen, in der That am leichtesten in Ländern entstehen, wo durch einen regen Verkehr und eine hochentwickelte Volkswirthschaft fast jedes Product unter der stillschweigenden, ja der Regel nach dem Producenten gar nicht bewussten Voraussetzung entsteht, dass andere mit ihm durch Verkehr verbundene Personen für die complementären Güter rechtzeitig vorsorgen werden. Erst wenn diese stillschweigende Voraussetzung bei einem Wechsel der Verhältnisse nicht zutrifft, und die Gesetze, unter welchen die Güter stehen, ihre Einwirkung bis auf die Oberfläche der Erscheinungen erstrecken, pflegt dann der gewohnte mechanische Geschäftsbetrieb unterbrochen zu werden, und die öffentliche Aufmerksamkeit sich solchen Erscheinungen und ihren tiefer liegenden Ursachen zuzuwenden." (Carl Menger: Grundsätze der Volkswirthschaftslehre, Wien 1871, S. 16)
      Und nun haben wir sogar einen abrupten Wechsel der Verhältnisse...

    • Zunächst einmal beneide ich die Leute, die in der Schweiz wohnen. Die Eidgenossen sowieso, aber auch die Expats. Sie leben nämlich im freiheitlichsten und souveränsten Land Europas (also selbstverständlich KEIN-EU-Staat ;-) ), in dem es vor allem auch noch unabhängige, freiheitliche Medien gibt - und keine weitgehend gleichgeschaltete Einheitspresse, die sich in Hofberichterstattung des Merkel-Regimes ergeht.
      Aus diesem Grund sind nämlich auch sehr viele deutsche Leser, die die linksgrün-sozialistischen Propagandameldungen des Merkel-Regimes nicht mehr ertragen konnten, zu Schweizer Medien abgewandert, wo man noch freie Luft atmen kann und keine (mittlerweile im wahrsten Sinne des Wortes) Merkel-Landesgefängnisluft:
      "In Deutschland erfreut sich die Zeitung wachsender Beliebtheit."
      https://meedia.de/2020/03/20/geschaeftsjahr-2019-nzz-steigert-anzahl-deutscher-abonnenten-um-50-prozent/
      Und was den Wohlstand betrifft, kann man Eines mit Gewissheit sagen: in der Schweiz wird er sich wesentlich weniger verringern als in Deutschland...

    • @ Schönenberg

      Verstehe die negative Energie hier nicht.

      Es ist zwar richtig zu kritisieren, dass viele Journalisten leider eher auf den Status einer Person achten als auf echtes Know-how eines Menschen. Auch sind die sogenannten "Experten" die uns von Medien als solche verkauft werden, oft keine Experten und werden nur zitiert, weil sie weil sie die Meinung des Journalisten wiedergeben und er dafür einen Originalton sucht.

      Trotdem ist dieser Beitrag positiv, auch da Kühne aus eigener Erfahrung Beispiele nennen kann und Einblicke liefert.

    • Was ist denn ein Habenichts, der Handelsblatt liest. Sind das schon Mitmenschen, die eine ordentliche Ausbildung mit gutem Einkommen haben? Zwangsläufig reich werden sie dadurch nicht. Das HB wird sicherlich auch von Menschen gelesen, die sich für wirtschaftliche Zusammenhänge und Politik interessieren, nicht aber zwangsläufig Millionäre oder mehr sind. Scheinbar gehen dem HB so langsam in der Corona-Krise die Themen aus; die freien Flächen füllt man dann halt mit Kommentaren unterschiedlichster Couleur.

    • Wird eine Aussage eigentlich nur dadurch falsch, das sie von einem Milliardär getätigt wurde?
      Reich zu sein ist doch jetzt kein Makel, der sich obendrein auf die Zurechnungsfähigkeit auswirken würde und wo jemand seine Steuern zahlt, ist doch jedem selbst überlassen. Schließlich sieht unser Grundgesetzt ausdrücklich die freie Wahl des Wohnsitzes vor. Es ist also nicht ungesetzlich, in der Schweiz zu leben.
      Immer wieder überraschend ist allerdings, daß nicht wenige Habenichtse ein Wirtschaftsblatt wie die HB lesen. Meine Empfehlung: Macht mal ein bisschen Geld aus den gewonnenen Erkenntnissen. Vielleicht klappts dann auch mit dem Zweitwohnsitz in der Schweiz.

    • Herr Kühne hat mit seiner Einschätzung ganz sicher recht. Der allgemeine Wohlstand wird sich zwangsläufig verringern. Dies gilt natürlich nicht unbedingt für die Gesellschaftsschicht der Herr Kühne angehört.
      Ich finde, das hat auch etwas Tröstliches.
      Daß junge Menschen in der gegenwärtigen Situation nicht rebellieren und statt dessen nach der Wiedereröffung von Stabucks rufen, ist für mich vollkommen unverständlich. Diese Generation wird das Wohlstandsniveau früherer Generationen niemals erreichen. Hinzukommt, daß Ihnen in der jetzigen Krise, ausser den ohnehin vorhandenen ökologischen, weitere ökonomische Hypotheken aufgebürdet werden. Mir fällt in diesem Zusammenhang, ein Zitat von Chruschtschow ein:" Die Überlebenden werden die Toten beneiden" Er bezog das Zitat zwar auf III Weltkrieg, aber Präsident Macron hat zurecht festgestellt:" Nous somme en guerre!"

    • @ H. Schmidtmann,
      die Reihenfolge derer, die einen Leitartikel schreiben dürfen, muß eingehalten werden.
      1.) Multimilliardäre
      2.) Milliardäre
      3.) Multimillionäre
      4.) Millionäre, wobei der Wohnsitz in d. Schweiz(Schwyz) liegen muß.
      Danach dürfen alle HB -online Beitragszahler auch schreiben.
      Ich glaube aber, dass es bis dahin keine Krise mehr gibt.

    • Nach Würth schon wieder ein ältlicher Steuersparer mit Wohnsitz in der Schweiz mit einem Leitartikel.
      Wo bleiben die Nichtmilliardäre mit Wohnsitz und Steuerpflicht in Deutschland!
      Sind alle ins Steuersparausland geflüchtet.

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