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Folgen der Pandemie So hart trifft die Coronakrise die weltweite Luxusbranche

Luxuskonzerne rechnen mit einem dicken Umsatzminus. Die Epidemie könnte manches Unternehmen in Existenznot bringen.
23.03.2020 - 09:20 Uhr Kommentieren
Das Unternehmen bekommt die Folgen der Epidemie bereits zu spüren. Quelle: AP
Burberry-Mode auf der Fashion Week in London

Das Unternehmen bekommt die Folgen der Epidemie bereits zu spüren.

(Foto: AP)

New York, London, Rom, Paris, Düsseldorf Bernard Arnault ist jemand, der oft schneller und konsequenter reagiert als seine Konkurrenten. Der Chef des französischen Luxus-Riesen LVMH kündigte an, seine Kosmetik- und Parfümsparte werde ab sofort Handdesinfektionsmittel für Krankenhäuser abfüllen.

Angesichts einer drohenden Knappheit an Desinfektionsmitteln in Frankreich habe Arnault angewiesen, „die Fabriken für die Herstellung großer Mengen hydroalkoholischen Gels vorzubereiten“, teilte der französische Konzern mit. Von zwölf will der Konzern die Produktion auf 50 Tonnen in der nächsten Woche hochfahren.

So macht LVMH aus der Not eine Tugend. Denn normaler Weise gibt es in der Produktion keine freien Kapazitäten. Aber die viele Jahre verwöhnte Branche bekommt den Corona-Effekt zu spüren.

Die Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) geht in ihrer neuesten Studie davon aus, dass der Weltmarkt für persönliche Luxusgüter in diesem Jahr um 70 bis 90 Milliarden Euro schrumpfen wird. Statt für 350 Milliarden Euro, wie im vergangenen Jahr, dürften die Kunden weltweit nur für 260 bis 280 Milliarden Euro Luxusprodukte wie Kleidung, Schuhe und Uhren kaufen. Das wäre ein Minus von 20 bis 25 Prozent.

Die französischen Luxushäuser LVMH, Hermès und Kering gehören zu den ersten Unternehmen der Branche, die die Coronakrise zu spüren bekamen. Sie erwirtschaften zwischen einem Viertel und einem Drittel ihres Umsatzes in China.

Nachdem sie bereits im letzten Quartal 2019 unter den Auseinandersetzungen in Hongkong gelitten hatten, wirkte sich ab Januar die Epidemie in der Volksrepublik negativ auf ihre Zahlen aus. Quarantänemaßnahmen und Ladenschließungen ließen den Absatz einbrechen.

Konkrete Zahlen hat noch keiner von ihnen veröffentlicht. Analysten beziffern alleine den China-Effekt auf ein Minus von 20 Prozent im Jahresverlauf. Nachdem sowohl Kering als auch LVMH im vergangenen Jahr mit Rekordergebnissen geglänzt haben, folgt in diesem Jahr mit Sicherheit ein Einbruch.

Als erstes großes Luxusunternehmen hat Kering am Freitagnachmittag eine Schätzung für die Umsatzwirkung der Corona-Pandemie abgegeben. Das Unternehmen geht demnach davon aus, dass der konsolidierte Umsatz im ersten Quartal 2020 um 13 bis 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr sinken wird. Ermutigend sei, dass sich die Aktivität in China wieder belebe. Dagegen werde sie in den anderen Regionen der Welt schwächer.

Burberry spürt Folgen bereits weltweit

Damit rechnet auch Burberry-Chef Marco Gobbetti. Er warnte seine Investoren bereits vor einem Monat vor „deutlichen Umsatzeinbußen“. Denn rund 40 Prozent des Umsatzes verdankt der britische Konzern chinesischen Kunden. Anfangs war vor allem das asiatische Geschäft beeinträchtigt, nun spürt das Unternehmen mittlerweile die Folgen weltweit.

In Europa und den USA ist nun die Mehrheit der Burberry-Geschäfte geschlossen. Am Donnerstag präzisierte Gobbetti seine früheren Angaben: Die Umsätze in den Geschäften dürften im vierten Quartal, das bis Ende März läuft, um fast ein Drittel unter dem des Vorjahres liegen.

Es ist schwer für die Industrie, die Folgen der sich ausbreitenden Pandemie abzuschätzen. Viele schauen auf die Zahlen zu den Zeiten der Sars-Epidemie 2003. Doch seit damals haben sich die Schwergewichte auf dem Weltmarkt deutlich verschoben.

Damals war der Anteil Chinas mit drei Prozent oder rund fünf Milliarden Euro noch verschwindend gering. Im vergangenen Jahr sorgten die Chinesen für 34 Prozent der weltweiten Luxuseinkäufe, also für rund 120 Milliarden Euro. Wenn das Geschäft im Riesenland ins Stocken gerät, bricht der Weltumsatz mit Schönem und Teurem ein.

Die Epidemie des Sars-Virus führte seinerzeit nur zu einem kurzfristigen wirtschaftlichen Abflauen im Luxusbereich von weniger als sechs Monaten. Das Wachstum des Jahresumsatzes rutschte kurzzeitig von zehn auf fünf Prozent, erholte sich dann aber schnell wieder auf zehn Prozent.

Doch mancher Branchenbeobachter ist skeptisch, ob sich die Branche von der Corona-Epidemie ähnlich schnell erholen wird. René Weber, Analyst für die Luxusbranche beim Schweizer Bankhaus Vontobel, rechnet mit einem „Rückgang, der mit mit dem während der Finanzkrise 2009 vergleichbar sein wird“. Das betreffe vor allem die Schweizer Uhrenindustrie. Bereits im ersten Quartal dieses Jahres dürfte der Umsatz der Schweizer Uhrenindustrie um mehr als 30 Prozent sinken, erwartet Weber.

Besonders angespannte Lage in Italien
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