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Fosun-Chef Guo Guangchang Ein chinesischer Milliardär soll Tom Tailor retten

Die chinesische Fosun-Gruppe will den Modekonzern Tom Tailor übernehmen. Dahinter steckt Guo Guangchang, der in kurzer Zeit ein Firmenimperium aufgebaut hat.
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Fosun-Chef: Milliardär Guo Guangchang soll Tom Tailor retten Quelle: Bloomberg
Guo Guangchang

In nur 25 Jahren baute der Unternehmer ein Konzernimperium auf.

(Foto: Bloomberg)

DüsseldorfHeiko Schäfer ist froh: Der Vorstandschef von Tom Tailor kann sich bei der Sanierung des Hamburger Modekonzerns auf einen starken Partner verlassen. Kein Geringerer als der chinesische Milliardär Guo Guangchang unterstützt mit seiner Fosun-Gruppe die weitere Sanierung.

Gerade erst hat er über eine Kapitalerhöhung den Anteil am Modeunternehmen von 29 auf über 35 Prozent erhöht. Jetzt hat der Milliardär den übrigen Aktionären am Dienstag ein Übernahmeangebot vorgelegt, um Tom Tailor komplett zu übernehmen.

„Die Tatsache, dass Fosun die neuen Aktien vollständig zeichnet, betrachten wir als Vertrauensbeweis in unseren eingeschlagenen Kurs“, erklärte Konzernchef Schäfer. Finanzvorstand Thomas Dressendörfer betonte, das Engagement von Fosun sei auch ein klares Signal an die Investoren und finanzierenden Banken, dass ein Ankeraktionär langfristig die Modefirma unterstützen will.

Guo Guangchang wird so zum Retter der in Schieflage geratenen Modekette, zu der auch die Modekette Bonita gehört. Der 51-jährige Chinese ist Mitgründer und Verwaltungsratschef des mächtigen chinesischen Industriekonglomerats Fosun.

Der kleine schmächtige Mann, der zum Interview gerne mal zum Anzug dunkle Lederturnschuhe trägt, hat sich in den vergangenen Jahren an vielen Modefirmen beteiligt. Das reicht von der französischen Lanvin-Gruppe über Caruso in Italien sowie dem Strumpfhersteller Wolford in der Schweiz bis Tom Tailor.

Guo hat in nur 25 Jahren eine große chinesische Firmengruppe aufgebaut. Sie kam zuletzt auf einen Umsatz von über elf Milliarden Euro. Sie umfasst drei Sparten oder Ökosysteme, wie Guo Guangchang sie nennt: Gesundheit (Pharma), Wohlstand (Finanzen) und Glück (Konsum, Lifestyle).

Der Mann steuert seine Firmengruppe von der 38. Etage des Bund Finance Center in Shanghai aus. Vom Konferenzzimmer der Fosun-Zentrale hat er eine atemberaubende Aussicht auf die Schanghaier Uferpromenade The Bund. Guo ist ein Unternehmer, der sich schnell auf Veränderungen im Markt einstellt. Noch vor fünf Jahren wollte er eine Firmengruppe wie die von Warren Buffett aufbauen, was ihm den Beinamen „Chinas Buffett“ einbrachte.

Start mit Hepatitis-Medikament

Bei einem Gespräch mit dem Handelsblatt und anderen deutschen Medien räumte er im vergangenen Jahr aber ein, dass er nicht nur dem versicherungsbasierten und langfristigen Modell von Buffetts Unternehmen Berkshire Hathaway folge. „Natürlich sind wir weiterhin an europäischen Firmen und Technologie interessiert“, sagte er damals.

Sein Aufstieg vom armen Studenten zum milliardenschweren Unternehmer ist eine Karriere, wie sie früher vor allem in den USA möglich war. Doch Guo schaffte dies in China. Er gründete Fosun 1992 mit vier Studienkollegen der Shanghaier Fudan-Universität.

Zuerst verkauften sie ein Hepatitis-Medikament von Kommilitonen. Daraus entstand das Pharmageschäft der heutigen Fosun-Gruppe. Seit 2010 investierte das Quintett erstmals außerhalb Chinas und beteiligte sich an der französischen Ferienclub-Kette Club Med.

Inzwischen sind nur noch drei der fünf Gründer an Fosun beteiligt. Knapp zwei Drittel der Anteile hält Präsident Guo. Der Erfolg hat seinen Preis. So verursachte er vor drei Jahren einen Kursrutsch an der Börse, weil er tagelang verschollen gewesen war. Guo habe den Behörden bei Ermittlungen geholfen, hieß es.

Tatsächlich hat ihm der Vorfall nicht geschadet. Seit Präsident Xi Jinping der Korruption den Kampf angesagt hat, verschwanden wiederholt Firmenchefs von der Bildfläche.

Jetzt will er also Tom Tailor retten, den Modekonzern, an dem er seit 2014 beteiligt ist. Die Kapitalerhöhung soll am 22. Februar über die Bühne gehen. Die Einnahmen daraus von rund 8,6 Millionen Euro würden vor allem für die Sanierung des Sorgenkindes Bonita verwendet, kündigte Schäfer an. Zudem solle das Eigenkapital gestärkt werden.

Filialnetz zu stark ausgebaut

„Die Tom Tailor Gruppe geht 2019 in ein herausforderndes Jahr, in dem wir das Wachstum in unserer Kernmarke Tom Tailor in einem schwierigen Umfeld weiter stärken und die Restrukturierung unserer Tochter Bonita konsequent vorantreiben wollen“, so Schäfer. Die Kapitalerhöhung sei ein wichtiger Schritt auf diesem Weg.

Das Hamburger Unternehmen hat wie viele andere in der Branche sein Filialnetz zu stark ausgebaut. Außerdem hat sich der Vorstand mit der Übernahme der Modekette Bonita überhoben. Jetzt will Schäfer sie zuerst sanieren und dann an potenzielle Investoren verkaufen.

Außer Tom Tailor stecken noch andere Modeunternehmen in Schwierigkeiten. So versucht Gerry Weber aus Halle/Westfalen sich gerade in einer Insolvenz in Eigenverwaltung zu sanieren. Und Esprit kämpft seit vielen Jahren darum, wieder auf Erfolgskurs zu kommen. Seit einigen Monaten versucht es der dänische Vorstandschef Anders Kristiansen mit einem radikalen Schnitt.

Die Absichten des starken chinesischen Investors bei Tom Tailor kamen jedenfalls bei Anlegern gut an. Die Papiere schnellten am Dienstag um zwölf Prozent auf 2,41 Euro in die Höhe. An der Börse ist der Modekonzern rund 90 Millionen Euro wert. Vor einem Jahr wurden die Titel allerdings noch mit über zehn Euro gehandelt.

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