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Francesca Bellettini Ex-Investmentbankerin lässt Yves Saint Laurent glänzen

Vor sechs Jahren übernahm die „Power-Frau“ das Modehaus. Seitdem hat sie den Umsatz der traditionellen Luxusmarke fast vervierfacht. Gezielte Provokation scheut sie nicht.
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Die Italienerin ist zum Symbol der Pariser Modewelt geworden. Quelle: Getty Images
Francesca Belletini

Die Italienerin ist zum Symbol der Pariser Modewelt geworden.

(Foto: Getty Images)

Paris Niemand würde behaupten, dass Francesca Bellettini an Minderwertigkeitskomplexen leidet. „Yves Saint Laurent ist kein Fiat Cinquecento“, intoniert sie zum Beispiel, um sodann klarzustellen: „Yves Saint Laurent ist ein Ferrari, unser Modehaus hat den Motor eines Sportwagens.“

Um im Bild zu bleiben: Die Frau steht auf dem Gaspedal, seit das französische Luxusimperium Kering die angestaubte Marke 2013 übernahm und ihr den Auftrag erteilte, diese zum Glänzen zu bringen. Tatsächlich gelang es ihr, den Umsatz von 557 Millionen auf knapp zwei Milliarden Euro zu beschleunigen. Und die aktuellen Halbjahreszahlen zeigen erneut, wie atemberaubend ihr Tempo ist. Von Januar bis Juni verzeichnete Bellettini ein Umsatzplus von 16,6 Prozent. Ein glänzendes Ergebnis, selbst vor dem Hintergrund, dass ein Großteil der Luxusbranche in Partylaune ist.

Bei Kering gilt Francesca Bellettini schlicht als „die Power-Frau“, Yves Saint Laurent hat sich neben Gucci zum Vorzeigeunternehmen des Konzerns entwickelt. Da ist zum einen die nüchterne Kraft der Kennziffern, da ist zum anderen aber auch die persönliche Ausstrahlung der 49-jährigen Italienerin. Die Managerin trägt wilde dunkle Locken, schlichte schwarze Kleider, verzichtet weitgehend auf Make-up. Es ist diese inszenierte Schnörkellosigkeit, die ihr ganzes Auftreten bestimmt. Bellettini gilt als geradlinig und temperamentvoll. Sie ist das Ausnahmetalent der noch immer männlich geprägten französischen Modewelt, gehört zu den wenigen Managerinnen der Nation, die es nach ganz oben geschafft haben.

Längst haben ihre Erfolge die Begehrlichkeit der Branche geweckt, weswegen sie seit Kurzem auch Präsidentin der Pariser Modekammer Chambre syndicale de la mode féminine ist, eine der drei Abteilungen des Pariser Modeverbands Fédération de la Haute Couture et de la Mode. Anfang des Jahres zeichnete die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo die Managerin zudem mit dem Orden der Ehrenlegion aus. Ihre Laudatio ließ aufhorchen: „Sie sind ein Symbol der Pariserin geworden“, sagte Hidalgo. Das muss als größtmögliche Beförderung verstanden werden, die die Grande Nation einem Menschen ohne französischen Pass zuteil werden lässt.

Bevor Bellettini zu Yves Saint Laurent kam, leitete sie den weltweiten Vertrieb der Ledermarke Bottega Veneta, ebenfalls Teil des Kering-Imperiums. Davor hatte sie sich unter anderem um die Vermarktung von Gucci gekümmert, hatte für Modedesigner Helmut Lang gearbeitet und auch für Prada.

Die jüngste von drei Töchtern eines Buchhalters und einer Schuldirektorin aus Cesena bei Rimini studierte Wirtschaft an der Bocconi-Universität in Mailand und in Chicago. Danach begann sie ihre Karriere als Investmentbankerin bei Goldman Sachs in London, bevor sie ins Modefach wechselte und dort einen Paradigmenwechsel einleitete. Gaben früher Designer den Ton an, sind es nun die Manager, die die Firmen voranbringen. So hinterließ auch der Designer-Tausch von 2016 keine Kratzer in der Marke. Nach vier Jahren bei Yves Saint Laurent verließ Hedi Slimane das Label, an seine Stelle trat der belgische Designer Anthony Vaccarello. „Seine moderne, puristische Ästhetik passt perfekt zum Haus“, schwärmte Bellettini.

Wertschätzung ja, Vergötterung nein: Bellettini betont immer wieder, dass die Strahlkraft der Marke wichtiger sei als der Starrummel um den Designer. „Wir müssen die Werte des Labels stärker herausstellen“, predigt sie. Einer dieser Werte ist für sie die gezielte Provokation. Eine Reminiszenz an die wilden Jahre des Gründervaters Yves Saint Laurent, der einst mit Frauen in Smokings und viel Nacktheit auf Werbeplakaten schockierte.

Auch Bellettini gelingt es, solcherlei Aufwallungen hervorzurufen. Vor zwei Jahren erregte sie die Gemüter mit ihrer Porn-Chic-Kampagne. Ein mageres Model, das sich mit gespreizten Beinen und Netzstrümpfen auf dem Boden räkelt – der perfekte Skandal. Frankreichs Werberat verdammte das als sexistisch, die Plakate verschwanden. Doch da hatten sich die Bilder längst ins kollektive Bewusstsein gebrannt. Die Profiteurin hieß: Francesca Bellettini.

Mehr: Junge, gut betuchte Kunden setzen auf Kleidung. Um zu überleben, müssen sich traditionelle Luxusmarken neu aufstellen. Gucci macht vor, wie das geht.

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