Frankfurt Das Nachtflugverbot treibt Fraport in die Isolation

Seite 2 von 3:
„Aus asiatischer Sicht ist Europa klein"

Die Hürden für die Airlines, einen solchen Wechsel zu vollziehen, sind niedrig. „Aus der asiatischen Sicht ist Europa klein, liegen Amsterdam, Paris und Frankfurt gar nicht so weit auseinander. Für die Asiaten ist es also relativ egal, ob man in Frankfurt oder Amsterdam landet“, warnt Dirk Steiger, Chef der auf Luftfracht spezialisierten Beratungsgesellschaft Aviainform.

Laut Steiger ist etwa in Hongkong der Tag bis in die Abendstunden für den Passagierverkehr reserviert, die Nacht für die Fracht. Die Folge: Wenn eine Fracht-Airline dort um 2 Uhr abhebt, dann erreicht sie wegen der Zeitzonen in etwa zur gleichen Zeit Europa. „Wenn das Flugzeug dann nicht in Frankfurt landen kann, gibt es Probleme“, so Steiger. Darauf verweist auch Karl Ulrich Garnadt, der Vorstandsvorsitzende von Lufthansa Cargo, der Frachttochter von Europas größter Airline. Er beziffert den jährlichen Schaden, der durch ein Nachtflugverbot entstünde, auf einen „signifikanten zweistelligen Millionenbetrag“. „Dies fehlt dann für Investitionen in die Erneuerung unserer Flotte und die Infrastruktur hier am Standort Frankfurt“, so Garnadt. Lufthansa Cargo beschäftigt in Frankfurt rund 2500 Mitarbeiter.

Aber nicht nur dem deutschen Branchenprimus tut ein Verbot weh. „Das Problem betrifft primär Lufthansa Cargo, aber ebenso eine russische Air Bridge Cargo. Auch Emirates hat bereits erklärt, dass sie gegen ein Nachtflugverbot sind“, sagt Steiger.

Eine Verlagerung von Frachtverkehr etwa zum Hunsrück-Flughafen Hahn, wie sie jüngst der Kasseler Logistikprofessor Richard Vahrenkamp vorgeschlagen hat, ist nach Ansicht von Frachtexperten keine Lösung. Dafür müsste dann mehr Fracht mit Lkws zwischen Flughäfen transportiert werden. „Das erhöht die Kosten, die Lärm- und die Umweltbelastung. Eine solche Lösung ist unsinnig“, so Steiger. Fracht brauche große Drehkreuze mit Umladeoptionen zwischen Frachtflugzeugen und Passagierflugzeugen.
Der Frachtverkehr ist eng vernetzt, die Waren kommen etwa mit Lastwagen oder in den Bäuchen von Passagiermaschinen an und werden von diesen wiederum weiterverteilt. Nur durch diese enge Verbindung mit den Passagiermaschinen ist es überhaupt möglich, in der Luftfracht ein rentables Geschäft aufzubauen.

Die Airlines planen erstmal ohne Nachtflüge
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Frankfurt - Das Nachtflugverbot treibt Fraport in die Isolation

34 Kommentare zu "Frankfurt: Das Nachtflugverbot treibt Fraport in die Isolation"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Sie "BEFÜ(H)RWORTER" leben offensichtlich schon zu lange direkt am Airport - Fluglärm beeinträchtigt die geistige Leistungsfähigkeit und macht aggressiv.

  • Wieso wird jetzt von den Verursachern des ganzen Problems auch noch über das ohnehin viel zu eingeschränkte Nachtflugverbot lamentiert?

    Ohne den Ausbau in der jetzigen Form, der die Region momentan bekanntermaßen 18 Stunden am Tag extrem belastet, hätte man gar kein Nachtflugverbot gebraucht.

    Das gesamte Flug-System hat vor dem Bau der Landebahn Nordwest wesentlich besser funktioniert als jetzt - die Betreiber des Flughafens haben es nur selbst vermasselt und den Bogen überspannt. Sie wollen alles haben, ohne auch nur eine Kleinigkeit zu geben und kriegen nie genug. So funktioniert es aber nicht!

    Zudem sollte man sich auch in den einschlägigen Kreisen noch daran erinnern können, daß das Nachtflugverbot ein wesentlicher Bestandteil des Mediationsverfahrens war, und auf das die Fraport sowie die Airlines sich schon vor Jahren hätten einstellen können.

    Wieso also jetzt das Gejammere? Hat da einer seine Hausaufgaben nicht gemacht?

    Aber kein Problem: Schließung der Landebahn Nordwest und wieder 17 Nachtflüge und alle sind wieder zufrieden...

  • Das Gejammer der Luftfahrtlobbyisten ist unredlich. Dann hätte man in der Mediation eben Farbe bekennen müssen und den Bürgern keine Nachtflugbeschränkungen (es gibt übrigens auch jetzt kein Verbot, die gesetzliche Nacht geht von 22:00-06:00 und nicht von 23:00-05:00) versprechen dürfen. So erzeugt man Politikverdrossenheit. Umgekehrt wird ein Schuh draus. Wenn das Geschäftsmodell Megadrehkreuz (Hub) von LH und Fraport über einem Innenstadt!-Flughafen wie Frankfurt nicht zu realisieren ist, ohne Hunderttausende Menschen nachhaltig zu schädigen, dann ist entweder das Geschäftsmodell für diesen Standort falsch oder der Standort.

  • Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

    ich kann nicht glauben, was hier manche Leute schreiben oder denken.

    Als erstes, FRA ist der mit Abstand größte Flughafen in Deutschland und wächst weiter! Der Wachstum ist nicht aufzuhalten, auch nicht durch ein paar Idioten, die jetzt nach knapp 50 Jahren wegen Fluglärm motzen... Damals als die Maschinen noch richtig laut waren, hat es anscheinend keinen interessiert. Doch jetzt, wo alles für die Umwelt in Deutschland gemacht wird... umweltfreundlicher, leiser, etc. fällt es manchen Leuten ein zu motzen??? Habt ihr keine Arbeit???? Naja... wenn man die Zeitungsbilder immer sieht... sind die meisten von euch über 55 Jahren!!!

    Also ich bin jung... und ich bin voll und ganz für den FRAPORT! Ich bin ein Fan!!!

    Denn nur durch den Fraport ist der Arbeitsplatz und der Wohlstand rund um Frankfurt gesichert!!!

    Mich interessieren keine Quertreiber!! nur weil Sie nicht wissen, was Sie den ganzen Tag machen sollen.

    Ich hab auch schon direkt am Airport gelebt... ohne Probleme.. hier stören fast mehr die Autos auf der Autobahn... Doch ich finde es faszinierend.. wie alle 30 - 60 Sekunden ein Flugzeug kommt.. Könnt ich auch nachts zu schauen!

    Wir brauchen den FRAPORT mit voller Auslastung ... lasst Ihn bis 2020 zum größten Airport der Welt wachsen!!!!

    Ich bin dabei und stehe voll dahinter !!!

    Viele Grüße an ALLE BEFÜHRWORTER !!!!

  • Wenn Deutschland beim Export mithalten will (was ich hoffe, dass jeder Deutsche das möchte) muss das Nachtflugverbot in Frankfurt aufgehoben werden! Zum Wohle der Wirtschaft, der Arbeitsplatzsicherheit und dem Wachstum!
    Wir brauchen den FRAPORT mit voller Auslastung!

    Bitte Deutschland, haltet zum Frankfurt Airport, wir brauchen ihn mit voller Kraft - glaubt mir das!!!!

    Vielen Dank.

    MFG

  • Danke - genauso erleben wir die Welt auch seit dem 21.10.11 in der Einflugschneise in Frankfurt-Süd - Flugzeuglärm übertönt den lautesten Fahrzeug- oder Schienenlärm.

    Wer noch immer glaubt, es ist eine Bagatelle, kann gern eine Woche hier logieren und dann neu urteilen!

    Übrigens, die Betroffenen haben auch Arbeitsplätze im Rhein-Main-Gebiet, um die sie fürchten, wenn sie durch den extremen Lärm weniger leistungsfähig und krank werden - darüber wird leider in den Medien nicht berichtet.

  • @ vandale: Schön, daß es Menschen wie Sie in der jetzigen Situation gibt, die dann sicher gern die Häuser kaufen werden, die die Menschen, die unter dem verheerenden Fluglärm, in denen sie immer schon Jahrzehnte in Eintracht mit dem Flughafen und dem auch damals schon vorhandenen, aber moderaten, Fluglärm, gelebt haben.

  • An den 17 Nachtflügen hängt das Wohl und Wehe der Fraport nun wirklich nicht. Auch ohne diese Flüge gab es im November mit der neuen Landebahn ein neues Rekordergebnis. Und die Flugzahlen werden weiter zunehmen. So gut dies für die Fraport und die dort Beschäftigen ist, so negativ sind die Auswirkungen für die vom Fluglärm betroffenen Bewohner. Eigentlich reicht ja ein Blick auf die Landkarte, um zu erkennen, wie sinnlos die neue Landebahn Nordwest ist. Einige hundertausend Bewohner werden neu durch unerträglichen Fluglärm belästigt, werden höhere Krankenversicherungskosten verursachen, Lärmschutzmaßnahmen selber bezahlen oder auf eigene Kosten umziehen. Kostenerstattungen der Fraport sind nur ein Deckmäntelchen für einige wenige und das auch meist erst in 6 Jahren. Der zusätzliche Gewinn soll maximiert und privatisiert werden, die Kosten werden sozialisiert. Nicht zuletzt deshalb nehmen die Proteste in der Region immer weiter zu und ich kann nur hoffen, dass Fraport und Landesregierung mit ihrer Politik nicht durchkommen und die Landebahn wieder geschlossen werden muss. Nichts gegen einen Großflughafen in Deutschland, aber mitten in einem der dichtest besiedelten Ballungsräume Deutschlands hat er nichts verloren. Und das schwant auch so langsam den Verantwortlichen Managern und Politikern. Das Handelsblatt sollte hier neutral recherchieren und nicht einfach die Argumente der Airlines und Fraport abdrucken. Berichtenswert wäre auch, dass eine Großstadt wie Offenbach nun zu 80% ihres Stadtgebietes unter sogenannte Lärmschutzbestimmungen fällt und dort keine Kindergärten, Altenheime und andere lärmsensible Einrichtungen mehr neu errichtet werden können. Eine Stadtentwicklung und kommunale Selbstverwaltung ist so nicht mehr möglich. Ein extremer Fall, den es so in Deutschland auch noch nicht gegeben hat. Es wird spannend, wie das Leibziger Gericht im März dazu urteilen wird.

  • @vandale Die Einstellung hilft nur zum Teil. Eine wie auch immer geartete positive Einstellung zum Fluglärm hilft vielleicht am Tag, den Lärm weniger wahrzunehmen. Aber nachts hilft das Null. Man bekommt auch im Schlaf durch Fluglärm hohen Blutdruck. Wenn Sie es nicht glauben, dann informieren Sie sich z.B. beim Bundesumweltamt.
    @ Realist Ja, man kann sich nur wundern über das Gejammer mit den 17 Flügen. Das erinnert mich an die Lufthansa, die nach dem 5tägigen Vulkanstopp allen Ernstes wegen 5 ausgefallenen Tagesumsätzen von der Bundesregierung Unterstützung wollte. Im Jammern sind sie gut - die Fluglobbyisten.

  • Warum nicht den nächtlichen Frachtverkehr nach Berlin Schönefeld verlegen, da wird es allen Anscheins nach ja kein Nachflugverbot gebe. Die gut geplanten Flugrouten über den Müggelsee müssen ja auch zur vollen Kapazität ausgenutzt werden.
    Außerdem kann Herr Wowereit das Geld sicher gut gebrauchen.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%