Frankfurt Das Nachtflugverbot treibt Fraport in die Isolation

Der Flughafen Frankfurt ist einer von nur zwei europäischen Knotenpunkten, an denen Starts in der Nacht untersagt sind. Dem Betreiber von Europas drittgrößtem Airport entsteht ein Wettbewerbsnachteil.
Update: 03.01.2012 - 09:38 Uhr 34 Kommentare
Für die Anwohner bedeuten Flüge bei Nacht meist ein Ärgernis. Die Unternehmen sind darauf angewiesen Quelle: dapd

Für die Anwohner bedeuten Flüge bei Nacht meist ein Ärgernis. Die Unternehmen sind darauf angewiesen

(Foto: dapd)

FrankfurtStefan Schulte, der Vorstandschef des Flughafenbetreibers Fraport, hat derzeit wenig zu lachen. Zwar wurde im vergangenen Oktober die vierte Startbahn am Frankfurter Flughafen eröffnet, nach mehr als zwölf Jahren Debatte und Planung eigentlich ein Grund zur Freude. Doch seitdem versammeln sich Montag für Montag Tausende von Anwohnern im Terminal, dem Herzen des Flughafens, um gegen diesen zu protestieren – besser gesagt, gegen den Lärm, den er produziert.

Und der Protest wächst. Auch weil sich die Bürger von der Politik, die im Gegenzug zum Ausbau eine ruhige Nacht zugesagt hatte, schlicht über den Tisch gezogen fühlen. Zwar gilt nachts derzeit noch ein vom Verwaltungsgerichtshof Kassel verhängtes temporäres Flugverbot. Aber im März entscheidet der Bundesverwaltungsgerichtshof in Leipzig darüber, ob die geplanten 17 Nachtflüge in der Kernnacht von 23 bis 5 Uhr rechtens sind oder nicht.

Muss Frankfurt seinen Flughafen am Ende dauerhaft nachts dichtmachen, droht dem größten deutschen Luftdrehkreuz ein empfindlicher Bedeutungsverlust. Zwar gibt es auch auf Flughäfen wie Düsseldorf oder München in der Nacht Beschränkungen. Doch innerhalb der größten europäischen Drehkreuze wäre Frankfurt isoliert. Das zeigt der Blick in die Nachbarstaaten. Nur in Zürich gibt es ein vergleichbares Nachtflugverbot.

Zwar gilt auch im Ausland eine gewisse Nachtruhe, allerdings lediglich an den kleineren Flughäfen. In Paris Orly etwa herrscht ein Nachtflugverbot, am benachbarten Charles de Gaulle aber nicht.

Eine europäische Isolation wäre für Frankfurt brisant. Derzeit zählt die Mainmetropole weltweit zu den zehn größten Drehkreuzen für die Luftfracht. Das Problem: Der Transport der Waren wird fast ausschließlich nachts abgewickelt. Sollte das künftig nicht mehr in Frankfurt möglich sein, müssten die Frachtfluggesellschaften auf andere Standorte innerhalb Europas ausweichen.

„Aus asiatischer Sicht ist Europa klein"
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34 Kommentare zu "Frankfurt: Das Nachtflugverbot treibt Fraport in die Isolation"

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  • Sie "BEFÜ(H)RWORTER" leben offensichtlich schon zu lange direkt am Airport - Fluglärm beeinträchtigt die geistige Leistungsfähigkeit und macht aggressiv.

  • Wieso wird jetzt von den Verursachern des ganzen Problems auch noch über das ohnehin viel zu eingeschränkte Nachtflugverbot lamentiert?

    Ohne den Ausbau in der jetzigen Form, der die Region momentan bekanntermaßen 18 Stunden am Tag extrem belastet, hätte man gar kein Nachtflugverbot gebraucht.

    Das gesamte Flug-System hat vor dem Bau der Landebahn Nordwest wesentlich besser funktioniert als jetzt - die Betreiber des Flughafens haben es nur selbst vermasselt und den Bogen überspannt. Sie wollen alles haben, ohne auch nur eine Kleinigkeit zu geben und kriegen nie genug. So funktioniert es aber nicht!

    Zudem sollte man sich auch in den einschlägigen Kreisen noch daran erinnern können, daß das Nachtflugverbot ein wesentlicher Bestandteil des Mediationsverfahrens war, und auf das die Fraport sowie die Airlines sich schon vor Jahren hätten einstellen können.

    Wieso also jetzt das Gejammere? Hat da einer seine Hausaufgaben nicht gemacht?

    Aber kein Problem: Schließung der Landebahn Nordwest und wieder 17 Nachtflüge und alle sind wieder zufrieden...

  • Das Gejammer der Luftfahrtlobbyisten ist unredlich. Dann hätte man in der Mediation eben Farbe bekennen müssen und den Bürgern keine Nachtflugbeschränkungen (es gibt übrigens auch jetzt kein Verbot, die gesetzliche Nacht geht von 22:00-06:00 und nicht von 23:00-05:00) versprechen dürfen. So erzeugt man Politikverdrossenheit. Umgekehrt wird ein Schuh draus. Wenn das Geschäftsmodell Megadrehkreuz (Hub) von LH und Fraport über einem Innenstadt!-Flughafen wie Frankfurt nicht zu realisieren ist, ohne Hunderttausende Menschen nachhaltig zu schädigen, dann ist entweder das Geschäftsmodell für diesen Standort falsch oder der Standort.

  • Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

    ich kann nicht glauben, was hier manche Leute schreiben oder denken.

    Als erstes, FRA ist der mit Abstand größte Flughafen in Deutschland und wächst weiter! Der Wachstum ist nicht aufzuhalten, auch nicht durch ein paar Idioten, die jetzt nach knapp 50 Jahren wegen Fluglärm motzen... Damals als die Maschinen noch richtig laut waren, hat es anscheinend keinen interessiert. Doch jetzt, wo alles für die Umwelt in Deutschland gemacht wird... umweltfreundlicher, leiser, etc. fällt es manchen Leuten ein zu motzen??? Habt ihr keine Arbeit???? Naja... wenn man die Zeitungsbilder immer sieht... sind die meisten von euch über 55 Jahren!!!

    Also ich bin jung... und ich bin voll und ganz für den FRAPORT! Ich bin ein Fan!!!

    Denn nur durch den Fraport ist der Arbeitsplatz und der Wohlstand rund um Frankfurt gesichert!!!

    Mich interessieren keine Quertreiber!! nur weil Sie nicht wissen, was Sie den ganzen Tag machen sollen.

    Ich hab auch schon direkt am Airport gelebt... ohne Probleme.. hier stören fast mehr die Autos auf der Autobahn... Doch ich finde es faszinierend.. wie alle 30 - 60 Sekunden ein Flugzeug kommt.. Könnt ich auch nachts zu schauen!

    Wir brauchen den FRAPORT mit voller Auslastung ... lasst Ihn bis 2020 zum größten Airport der Welt wachsen!!!!

    Ich bin dabei und stehe voll dahinter !!!

    Viele Grüße an ALLE BEFÜHRWORTER !!!!

  • Wenn Deutschland beim Export mithalten will (was ich hoffe, dass jeder Deutsche das möchte) muss das Nachtflugverbot in Frankfurt aufgehoben werden! Zum Wohle der Wirtschaft, der Arbeitsplatzsicherheit und dem Wachstum!
    Wir brauchen den FRAPORT mit voller Auslastung!

    Bitte Deutschland, haltet zum Frankfurt Airport, wir brauchen ihn mit voller Kraft - glaubt mir das!!!!

    Vielen Dank.

    MFG

  • Danke - genauso erleben wir die Welt auch seit dem 21.10.11 in der Einflugschneise in Frankfurt-Süd - Flugzeuglärm übertönt den lautesten Fahrzeug- oder Schienenlärm.

    Wer noch immer glaubt, es ist eine Bagatelle, kann gern eine Woche hier logieren und dann neu urteilen!

    Übrigens, die Betroffenen haben auch Arbeitsplätze im Rhein-Main-Gebiet, um die sie fürchten, wenn sie durch den extremen Lärm weniger leistungsfähig und krank werden - darüber wird leider in den Medien nicht berichtet.

  • @ vandale: Schön, daß es Menschen wie Sie in der jetzigen Situation gibt, die dann sicher gern die Häuser kaufen werden, die die Menschen, die unter dem verheerenden Fluglärm, in denen sie immer schon Jahrzehnte in Eintracht mit dem Flughafen und dem auch damals schon vorhandenen, aber moderaten, Fluglärm, gelebt haben.

  • An den 17 Nachtflügen hängt das Wohl und Wehe der Fraport nun wirklich nicht. Auch ohne diese Flüge gab es im November mit der neuen Landebahn ein neues Rekordergebnis. Und die Flugzahlen werden weiter zunehmen. So gut dies für die Fraport und die dort Beschäftigen ist, so negativ sind die Auswirkungen für die vom Fluglärm betroffenen Bewohner. Eigentlich reicht ja ein Blick auf die Landkarte, um zu erkennen, wie sinnlos die neue Landebahn Nordwest ist. Einige hundertausend Bewohner werden neu durch unerträglichen Fluglärm belästigt, werden höhere Krankenversicherungskosten verursachen, Lärmschutzmaßnahmen selber bezahlen oder auf eigene Kosten umziehen. Kostenerstattungen der Fraport sind nur ein Deckmäntelchen für einige wenige und das auch meist erst in 6 Jahren. Der zusätzliche Gewinn soll maximiert und privatisiert werden, die Kosten werden sozialisiert. Nicht zuletzt deshalb nehmen die Proteste in der Region immer weiter zu und ich kann nur hoffen, dass Fraport und Landesregierung mit ihrer Politik nicht durchkommen und die Landebahn wieder geschlossen werden muss. Nichts gegen einen Großflughafen in Deutschland, aber mitten in einem der dichtest besiedelten Ballungsräume Deutschlands hat er nichts verloren. Und das schwant auch so langsam den Verantwortlichen Managern und Politikern. Das Handelsblatt sollte hier neutral recherchieren und nicht einfach die Argumente der Airlines und Fraport abdrucken. Berichtenswert wäre auch, dass eine Großstadt wie Offenbach nun zu 80% ihres Stadtgebietes unter sogenannte Lärmschutzbestimmungen fällt und dort keine Kindergärten, Altenheime und andere lärmsensible Einrichtungen mehr neu errichtet werden können. Eine Stadtentwicklung und kommunale Selbstverwaltung ist so nicht mehr möglich. Ein extremer Fall, den es so in Deutschland auch noch nicht gegeben hat. Es wird spannend, wie das Leibziger Gericht im März dazu urteilen wird.

  • @vandale Die Einstellung hilft nur zum Teil. Eine wie auch immer geartete positive Einstellung zum Fluglärm hilft vielleicht am Tag, den Lärm weniger wahrzunehmen. Aber nachts hilft das Null. Man bekommt auch im Schlaf durch Fluglärm hohen Blutdruck. Wenn Sie es nicht glauben, dann informieren Sie sich z.B. beim Bundesumweltamt.
    @ Realist Ja, man kann sich nur wundern über das Gejammer mit den 17 Flügen. Das erinnert mich an die Lufthansa, die nach dem 5tägigen Vulkanstopp allen Ernstes wegen 5 ausgefallenen Tagesumsätzen von der Bundesregierung Unterstützung wollte. Im Jammern sind sie gut - die Fluglobbyisten.

  • Warum nicht den nächtlichen Frachtverkehr nach Berlin Schönefeld verlegen, da wird es allen Anscheins nach ja kein Nachflugverbot gebe. Die gut geplanten Flugrouten über den Müggelsee müssen ja auch zur vollen Kapazität ausgenutzt werden.
    Außerdem kann Herr Wowereit das Geld sicher gut gebrauchen.

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