Frankreich Unwetter zerstört die Bordeaux-Weinernte

Ein desaströser Hagelschauer hat die Winzer des berühmten Anbaugebiets in Frankreich heimgesucht. Vielen von ihnen droht der Ruin.
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Lokalpolitiker fordern finanzielle Hilfen für die Winzer. Quelle: AFP
Zerstörte im Reben in der Region um Bordeaux

Lokalpolitiker fordern finanzielle Hilfen für die Winzer.

(Foto: AFP)

ParisDie Temperatur stürzte in wenigen Minuten von 27 auf elf Grad. Auf das Weinbaugebiet Bordeaux ging ein zerstörerischer Hagelschauer nieder mit Körnern, die mehrere Zentimeter groß waren. Sie blockierten Abflussrohre, Bäume stürzten auf die überschwemmten Straßen, Dächer wurden beschädigt, Keller überschwemmt.

Nur rund zehn Minuten dauerte der ohrenbetäubende Hagelschauer und sorgte doch für eine Katastrophe in der berühmten Weingegend von Bordeaux in Südwestfrankreich.

Der Hagel hat die Reben laut dem Berufsverband der Region CIVB (Conseil interprofessionnel du vin de Bordeaux) auf einer Anbaufläche von 6000 bis 7000 Hektar zerschmettert. Bernard Farges, Vizepräsident des CIVB, sprach von „großen Schäden“, zerfetzten Weinstöcken und überschwemmten Anbaugebieten. Noch sei es aber zu früh für eine Schadenssumme.

Ganz vage ist bisher nur von Schäden in Millionenhöhe die Rede. Insgesamt wird allein in der Bordeaux-Region Wein auf 112.000 Hektar Fläche angebaut, darunter vor allem Rotweine.

Viele Winzer wurden um ihre Ernte gebracht, ihre Reben liegen zerfetzt auf dem Boden. Und das nicht zum ersten Mal: Schon im vergangenen Jahr hatte der Frost 40 Prozent der Ernte vernichtet. Das knappe Angebot wiederum ließ anschließend die Preise für Bordeaux-Weine steigen.

Umso größer war das Entsetzen nach dem erneuten Klimaschaden. In den sozialen Netzwerken wurden überall Bilder der Zerstörung und der Hagelmengen veröffentlicht; die Nutzer sprachen von „unglaublichen Mengen Hagel“ um Bordeaux und „Eiskugeln“, die vom Himmel fielen.

Rund 500 Winzer sind besonders betroffen, vor allem in den Gegenden von Côtes de Blaye und Côtes de Bourg im Norden des Departements Gironde um Bordeaux und im Haut Médoc, nördlich von Bordeaux. Einige Weinlagen hat der Hagel komplett zerstört, andere sind glimpflich davongekommen.

Weniger betroffen waren die Gegenden mit den luxuriösen Bordeaux-Weinen im nördlichen Médoc und um Saint-Emilion, die weiter östlich von Bordeaux liegen.

Viele Winzer sind nicht versichert

Nach dem Unwetter fuhr Franck Jullion, Präsident des Winzerverbandes der Appellation „Blaye Côtes de Bordeaux“, die Straßen ab und vorbei an zerstörten Rebstöcken: „Für dieses Jahr ist es für viele vorbei.“ Die Hagelkörner haben den Weinstöcken, die kurz vor der Blüte standen, keine Chance gelassen. Nichts wird an ihnen mehr wachsen.

Rund 2000 Hektar sind betroffen, etwa 40 Prozent des Gebietes. Sogar für das nächste Jahr hat Jullion Sorge, weil das Holz sehr beschädigt ist. Und das größte Problem dabei: Viele der Winzer sind gegen Wetterschäden nicht versichert; laut Schätzungen sollen in der Region weniger als 30 Prozent eine teure Versicherung dafür abgeschlossen haben.

Ähnlich sieht es beim Côtes de Bourg aus, 2500 von 4000 Hektar sind beschädigt, auf etwa 1000 Hektar ist alles zerstört. „Eine Katastrophe“, erklärte Didier Gontier, Chef der Appellation. „In zehn Minuten war alles kaputt.“

Er rief zur Solidarität mit den betroffenen Winzern auf. Alle sind beunruhigt, fragen sich, ob es noch zu weiteren schweren Unwettern kommt. In der kleinen Weingegend, die weniger prestigeträchtig ist als die großen Nachbarn im Medoc, befürchten viele Winzer nun, langfristig Marktanteile zu verlieren.

Die Politik mischt bei der Unwetterkatastrophe auch schon mit. Alain Juppé, Bürgermeister von Bordeaux, forderte auf Twitter: „Unsere Weinbauern müssen unterstützt werden.“ Auch Benoit Simian, Abgeordneter der Macron-Partei LREM im Departement Gironde, bat die Regierung um Hilfe und sprach von einer „verwüsteten Landschaft“.

Landwirtschaftsminister Stéphane Travert betonte, die Regierung habe „den Appell gehört“, man werde notwendige Maßnahmen ergreifen.

Die Weinbauern werden zunächst eine genauere Aufstellung der zerstörten Parzellen vornehmen. Die Präfektur der Region um Bordeaux will in Kürze einen Plan vorlegen, um den Winzern zu helfen.

Auch in anderen Regionen von Frankreich wüteten Gewitter. Die Weingegend um Cognac, woher der berühmte Cognac stammt, ist ebenso zum Teil stark betroffen. Selbst in der Hauptstadt Paris gingen heftige Unwetter nieder. Keller liefen voll, der Verkehr wurde behindert. Fotografen erwischten einen gewaltigen Blitz, der in den größten Blitzableiter der Nation fuhr: den Eiffelturm.

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