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Französische Energieversorger Rückschlag für Veolia im Übernahmepoker um Suez

Veolias Übernahmeversuch gerät ins Stocken. Suez bekommt Zeit für alternative Angebote – lachender Dritter könnte die deutsche Schwarz-Gruppe sein.
18.09.2020 - 08:34 Uhr Kommentieren
Suez betreibt etwa die komplette Wasserversorgung von Barcelona. Quelle: Reuters
Suez

Suez betreibt etwa die komplette Wasserversorgung von Barcelona.

(Foto: Reuters)

Paris Das französische Unternehmen Veolia hat beim Versuch, seinen Konkurrenten Suez zu übernehmen, einen Dämpfer hinnehmen müssen. Der französische Energieversorger Engie, Hauptaktionär von Suez, hat sich am Donnerstagnachmittag kritisch zu dem Gebot von Veolia geäußert. „Der Verwaltungsrat ist der Ansicht, dass das Angebot in dieser Form nicht akzeptabel ist“, hieß es von Engie nach der Sitzung. Suez wehrt sich gegen den Versuch der Akquisition, der Engie prinzipiell offen gegenübersteht. Lachender Dritter könnte die deutsche Schwarz-Gruppe werden.

Am Vormittag hatte bereits Wirtschaftsminister Bruno Le Maire den Elan von Veolia etwas gebremst. „Das Letzte, was wir mitten in einer schweren Wirtschaftskrise wollen, ist ein Krieg zweier großer französischer Unternehmen“, sagte Le Maire in einem Fernsehinterview.

Die französische Regierung sei zwar für die Schaffung von nationalen Champions. Doch sei sie neutral und befürworte weder die eine noch die andere denkbare Lösung. „Wenn Suez ein anderes Angebot hat, das ebenso gut ist wie das von Veolia, sollten sie daran arbeiten und es vorlegen“, empfahl der Minister. Niemand solle versuchen, künstlich Zeitdruck aufzubauen.

Engie verlangt, dass Veolia seine Offerte in mehreren Punkten nachbessert. Dabei gehe es nicht nur um den Preis, sondern auch um zusätzliche Garantien für die industrielle Solidität des Projekts und für das Fortbestehen der Aktivitäten von Suez – und der dortigen Arbeitsplätze.

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    Suez ist die frühere Lyonnaise des Eaux, ein französisches Traditionsunternehmen der Wasserversorgung, das Teil des Versorgers GDF Suez wurde, die heutige Engie. Suez betreibt beispielsweise die komplette Wasserversorgung von Barcelona. Der Umsatz des Konzerns belief sich 2019 auf 18 Milliarden Euro, das Ergebnis auf 1,4 Milliarden. Engie hält heute noch knapp 33 Prozent am Kapital des Unternehmens, das sich weltweit mit der Wasserversorgung, Abfallwirtschaft und Umweltdienstleistungen beschäftigt.

    Digitales Wasserzeichen für jede Verpackung

    Veolia ist die frühere Générale des Eaux, mit einem ganz ähnlichen Profil wie Suez. Beide Unternehmen sind auch in Deutschland aktiv. Veolia kam 2019 auf 27,2 Milliarden Euro Umsatz und ein Ergebnis von 1,7 Milliarden Euro. Im August hatte Veolia-Chef Antoine Frérot überraschend den Versuch gestartet, seinen Konkurrenten zu schlucken. Er verlangte von Engie, sein Angebot bis Ende September zu akzeptieren.

    Nachdem aber Hauptaktionär Engie und die französische Regierung nun keine überstürzte Lösung wollen und Suez mehr Zeit hat, eine Abwehrstrategie zu entwickeln, gerät die deutsche Schwarz-Gruppe stärker in den Fokus. Suez hat Anfang der Woche eine Absichtserklärung mit der Gruppe unterzeichnet, „um strategische Partnerschaften aufzubauen“. Diese sollen sich um die Abfallwirtschaft und die Stärkung der Kreislaufwirtschaft in Europa drehen.

    Seit die EU-Kommission im Rahmen der ökologischen Wende mehr Druck auf die Weiterentwicklung des Recyclings in der EU ausübt, hat der Sektor an Attraktivität gewonnen. Sehr große und ganz kleine Mitspieler bis hin zu Experten für Künstliche Intelligenz überlegen, wie mehr Abfallstoffe recycelt werden, die Sortierung verbessert und gleichzeitig der Aufwand für den Verbraucher gesenkt werden können.

    Sogar das Sprachbild des „Heiligen Grals“ wird bemüht: Unter dem Namen HolyGrail haben sich 85 Verpackungsunternehmen zusammengeschlossen, um eine Art digitales Wasserzeichen für jede denkbare Verpackung zu entwickeln. Das würde die Sortierung enorm erleichtern und den Verbraucher entlasten.

    Auch KI soll Müll trennen

    Ähnliches gilt für den alternativen Ansatz über Bilderkennung dank KI: Auch die würde es ermöglichen, maschinell beispielsweise Plastik- von Kartonmüll zu unterscheiden. In Deutschland und Frankreich arbeitet Augustus Intelligence an der Bilderkennung.

    In der Bundesrepublik bemüht sich mit GeTon eine Initiative um Recycling, an der über Lidl die Schwarz-Gruppe, andere Handelsunternehmen und Markenhersteller wie Procter & Gamble beteiligt sind. Dadurch sollen weniger nutzbare Stoffe im Müll landen und die Belastung der Natur durch Kunststoff verringert werden.

    Suez hat sich mit der Schwarz-Gruppe auf den Verkauf eigener Recycling-Unternehmen mit 125 Standorten in Deutschland und drei anderen europäischen Ländern mit 6700 Beschäftigten geeinigt. Das Umsatzvolumen beziffern die Partner auf 1,1 Milliarden Euro.

    Behalten wollen die Franzosen aber ihr Plastikrecycling: „Da steckt viel Innovation und Wertschöpfung drin, das ist für uns eine strategische Aktivität.“ Spannend wird nun die Frage, wie groß das Interesse der Schwarz-Gruppe ist, wie weit die beiden Unternehmen in ihrer Partnerschaft gehen wollen und ob das ausreicht, den Übernahme-Angriff von Veolia abzuwehren. Engie stellte am Donnerstag fest: „Noch liegt uns kein alternatives Angebot zu dem von Veolia vor.“

    Mehr: Lidl-Mutter greift nach Teilen der Suez-Recyclingsparte.

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