Fresenius-Tochter Helios-Mitarbeiter gehen auf die Barrikaden

Mitarbeiter von Helios protestieren gegen die zahlreichen Aufspaltungen und Umstrukturierungen der Service-Gesellschaften. Der Betriebsrat kritisiert, dass im Rahmen des Umbaus gleich die Löhne gesenkt würden.
Update: 15.08.2012 - 17:04 Uhr 2 Kommentare
Beschäftigte der Damp-Einrichtungen in Stralsund während eines Streiks. Quelle: dpa

Beschäftigte der Damp-Einrichtungen in Stralsund während eines Streiks.

(Foto: dpa)

FrankfurtMitarbeiter der Fresenius -Kliniktochter Helios gehen im Streit über Gesellschaften für Servicemitarbeiter auf die Barrikaden. "Der Konzernbetriebsrat der Helios Kliniken verurteilt das immer weiter forcierte Tempo von Ausgliederungen, der Zergliederung von Unternehmen oder betrieblichen Einheiten sowie die ständigen Umstrukturierungen im Konzern", heißt es in einem Schreiben des Helios-Betriebsrats an die Geschäftsführung, das Reuters am Mittwoch vorlag. Dabei würden dann auch gleich die Löhne gesenkt. Helios wies die Vorwürfe zurück.

Mitarbeiter, die unter anderem für die Reinigung, die Küchenarbeit und den Krankentransport zuständig sind, arbeiten bei Helios - wie bei vielen anderen Krankenhäusern - in separaten Servicegesellschaften. Im Juli hatte Fresenius eine solche Gesellschaft, die für die Damp-Kliniken in Norddeutschland zuständig war, aufgelöst und stattdessen mehrere neue Serviceeinheiten gegründet. Nach Angaben der Gewerkschaften will Helios nun auch die Firma HSN, die für die Kliniken in Schwerin und Leezen zuständig ist, innerhalb weniger Wochen in fünf Gesellschaften zerlegen.

Welche Firmen im Medikamente-Geschäft mitspielen
Sanofi-Aventis Deutschland
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Mitarbeiter von Sanofi-Aventis in Deutschland: Die Pharmabranche ist in stabiler Verfassung. Trotz auslaufender Patente erwarten Analysten auch im kommenden Jahr stabile Erträge. Handelsblatt Online zeigt die großen Pharmaunternehmen der Welt, die ihr Geld alleine mit pharmazeutischen Produkten verdienen.

huGO-BildID: 14157693 A lab technician at Novo Nordisk conducts in vitro research in Malov, Denmark, on Friday, Sept. 28, 2007. Future profitability
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Labor des Pharmaherstellers Novo Nordisk in Dänemark. Im Vergleich zu den großen Weltkonzernen spielt das Unternehmen eher eine untergeordnete Rolle. Nach Konsensus-Schätzungen von Analysten wird der Umsatz im kommenden Jahr um 8,8 Prozent auf 12,6 Milliarden US-Dollar steigen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) wird sogar um 11,1 Prozent steigen und bei 4,2 Milliarden Dollar liegen.

Earns Amgen
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Der Biotechnologiekonzern Amgen hat seinen Sitz im amerikanischen Städtchen Thousand Oaks. Der Umsatz des Unternehmens wird im kommenden Jahr nach Analystenschätzungen um 1,3 Prozent zulegen. Die Erlöse sollen bei 16 Milliarden Euro liegen, der Gewinn bei 5,9 Milliarden - und damit 5,1 Prozent über dem Vorjahreswert.

huGO-BildID: 9652714 A researcher at Bristol-Myers Squibb's Genomic Technologies Pharmaceutical Research Institute, in Hopewell, New Jersey, prepares
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Forscherin im Labor von Bristol-Myers Squibb in Hopewell, New Jersey: Der US-Konzern wird als einer der wenigen Pharmafirmen in diesem Jahr vermutlich einen heftigen Umsatzeinbruch verkraften müssen, weil wichtige Patente auslaufen und Konkurrenz durch Hersteller von Nachahmerprodukten droht. So muss der Konzern den Patentablauf von Plavix verkraften. Analysten rechnen mit einem Rückgang von 14 Prozent auf 18,3 Milliarden US-Dollar. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern wird voraussichtlich sogar um 30 Prozent sinken. Er soll bei 4,9 Milliarden Dollar liegen.

huGO-BildID: 24491902 Brilique von Astra Zeneca
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Brilique, ein Mittel gegen Herzinfarkt und Schlaganfall bei Spezialpatenten: Hersteller ist der britische Pharmakonzern Astra Zeneca. Das Unternehmen liegt beim Umsatz im internationalen Mittelfeld, wird in diesem Jahr allerdings einen Rückgang der Erlöse um 8,6 Prozent verzeichnen, wie Analysten nach Angaben von Bloomberg schätzen. Der Umsatz wird bei 30,7 Milliarden Dollar liegen, der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) bei 10,9 Milliarden. Das ist ein Rückgang um 16,9 Prozent.

huGO-BildID: 3265085 Eli Lilly, Hamburg, Pharma Forschung
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Niederlassung von Eli Lilly in Hamburg: Das Unternehmen ist eines der weltweit führenden Pharmaunternehmen. Allerdings glauben Analysten nach Angaben von Bloomberg, dass der Umsatz im Jahr 2012 um 5,4 Prozent auf 22,8 Milliarden Dollar sinken wird - Hintergrund sind auch hier auslaufende Patente. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern wird sogar um 16,2 Prozent zurückgehen und nur noch bei 5,2 Milliarden Dollar liegt.

huGO-BildID: 2342951 HANDOUT -- Undated picture showing unspecified pharmaceuticals in production at the headquarters of Knoll Pharmaceutical Co. , a
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Nach den von Bloomberg publizierten Konsensschätzungen der Analysten wird der Londoner Pharmahersteller Astra-Zeneca in diesem Jahr auf Platz neun der Umsatzcharts unter den weltweiten Pharmaunternehmen liegen. Dabei werden auch bei Astra die Erlöse zurückgehen: Der Umsatz wird bei 30,7 Milliarden Dollar liegen. Das sind 8,6 Prozent weniger als im vergangenen Jahr, weil die Konkurrenz nun das Psychopharmakon Seroquel nachbauen darf. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern wird um 16,9 Prozent zurückgehen und bei 10,9 Milliarden Dollar liegen.

"Jüngst müssen wir beobachten, dass die Konzerngeschäftsführung die Umstrukturierung und Zerschlagung betrieblicher Einheiten gezielt dafür nutzt, auch die gewerkschaftliche Handlungsfähigkeit zu untergraben und Tarifverhandlungen zu entgehen", klagt der Betriebsrat. Nach der Neugründung von Gesellschaften dauere es schließlich einige Zeit, bis sich ein neuer Betriebsrat formiere und in Tarifverhandlungen für seine Forderungen eintreten könne.

Helios erklärte, der Konzern nehme die Mitbestimmungsrechte sehr ernst und binde alle Gremien bei Umbaumaßnahmen ein. Der Konzern überprüfe kontinuierlich seine Strukturen und vergleiche alle zwei bis drei Jahre die Dienstleistungsverträge im Markt. "Hierbei wird auch berücksichtigt, dass die Mitarbeiter auf dem im Servicebereich marktüblichem Niveau bezahlt werden."

Die Mitarbeiter von HSN ringen derzeit mit Helios um einen neuen Tarifvertrag. Seit Ende Juli gibt es in Schwerin und Leezen immer wieder Warnstreiks. In naher Zukunft sind nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi auch unbefristete Arbeitsniederlegung denkbar. Verdi wolle die Zerstückelung der Servicegesellschaften verhindern und - falls die nicht möglich ist - zumindest einen einheitlichen Tarifvertrag für alle Einheiten durchsetzen, sagte eine Verdi-Sprecherin. Es könne nicht sein, dass die Service-Mitarbeiter wie "Beschäftigte zweiter Klasse" behandelt würden.

Die Entwicklungen bei Helios lösen auch bei den Arbeitnehmern von Rhön-Klinikum Befremden aus und könnte einen zweiten Anlauf von Fresenius zur Übernahme der fränkischen Klinikkette erschweren. "Das Vorgehen von Helios bei den Servicegesellschaften ist nicht akzeptabel", sagte ein Rhön-Arbeitnehmervertreter zu Reuters.

Fresenius war Ende Juni mit der 3,1 Milliarden Euro schweren Übernahme gescheitert und lotet derzeit aus, ob der Konzern ein neues Angebot für Rhön vorlegen will.

  • rtr
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2 Kommentare zu "Fresenius-Tochter: Helios-Mitarbeiter gehen auf die Barrikaden"

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  • Das grundlegende Problem ist doch, dass die Politik es zugelassen hat, dass die Gesundheitswirtschaft ausschließich den Regeln des Marktes unterworfen ist.
    Es fehlen gesetzliche Mindestanforderungen an die personelle Ausstattung von Kliniken, sowohl im ärtzlichen als auch im Pflegebereich.
    Da unterscheiden sich Krankenhausmanager nicht von Bankern. Die Gewinnmaximierung wird über die Interessen der Patienten und der Beschäftigten gestellt, auch wenn in Hochglanzprospekten gerne das Gegenteil behauptet wird.

    Im Servicebereich, also bei den meistens geringqualifizierten Beschäftigten wird die Arbeitsmarktlage skupellos ausgenutzt und Löhne soweit gedrückt, dass häufig zusätzliche staaliche Leistungen in Anspruch genommen werden müssen, um den Lebensunterhalt zu sicher. Es werden zumeist nur Teilzeitbeschäftigungn angeboten, da das vorgegebene Arbeitstempo in Vollzeit kaum durchgehalten werden kann. Um die Beschäftigten ruhig zu ahlten, gibt es die Jobs nur befristet.
    Solche Unternehmen braucht kein Mensch.

  • Natürlich weist HELIOS die Vorwürfe zurück. Fakt ist jedoch, dass genau dies bei der Zentralen Service-Gesellschaft Damp mbH geschehen ist. HELIOS hat es mit allen Mitteln der Kunst, Kommunikation und Marketing sowie den entsprechenden juristischen Spitfindigkeiten erreicht, dass von den ehemals 1.700 Mitarbeitern der ZSG am Ende des kommenden Jahres kaum noch 300 übrig bleiben werden. Alle anderen sind a) nach Hause geschickt oder b) in die neuen Gesellschaften (teilweise zu schlechteren Konditionen) oder c) in die sogenannte Auffang- und Qualifizierungsgesellschaft "gesteckt" worden. Übrigens: über die Inhalte der letzten diskutieren ver.di und HELIOS scheinbar heute noch, denn den Mitarbeitern sind die Leistungen und Bedingungen dieser Gesellschaft nie klar benannt worden. Und noch ein gesamtwirtschaftlicher Hinweis: Helios schafft es - wie so viele andere Konzerne in unserem Land auch - über legitime Steuerwege eben diese einzusparen. Wohin soll das langfristig und nachhaltig führen? Kein Unternehmen wird somit seiner Verantwortung als Unternehmer gerecht - und dient weder seinen Kunden, seinen Mitarbeitern oder seinem Land, in dem es sein Unternehmen betreiben darf.

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