Frieden mit Verdi Ryanair einigt sich mit Kabinenpersonal auf Tarifvertrag

Der Billigflieger Ryanair hat einem Tarifvertrag mit Verdi zugestimmt. Doch die Konflikte mit der eigenen Belegschaft sind damit noch nicht gelöst.
Update: 08.11.2018 - 17:19 Uhr Kommentieren
Ryanair einigt sich mit Verdi auf Tarifvertrag Quelle: dpa
Ryanair

Die irische Airline hat eine Vereinbarung mit dem deutschen Bodenpersonal geschlossen.

(Foto: dpa)

BerlinDie Mitteilung konnte das Ryanair-Management offensichtlich gar nicht schnell genug herausgeben. Die irische Billig-Airline hat sich mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi auf einen Tarifvertrag und soziale Standards geeinigt.

Das erklärte die Airline-Spitze am frühen Donnerstag-Nachmittag per unter anderem per Twitter. Zwar sind die Details des Vertrages noch nicht bekannt. Auch muss dieser noch von den Verdi-Mitgliedern bei den Crews abgesegnet werden. Doch das Abkommen enthält nach Angaben von Ryanair neben Elementen wie einer Entgelterhöhung über die nächsten zwei Jahre vor allem die Anerkennung des deutschen Arbeitsrechts bei der Beschäftigung von Stewards und Stewardessen. Bislang berief sich Ryanair darauf, ausschließlich nach irischem Arbeitsrecht zu beschäftigen. Das ist deutlich laxer als etwa das deutsche.

„Das ist ein deutliches Zeichen für die elementaren Fortschritte, die Ryanair bei dem Abschluss von Vereinbarungen mit unseren Mitarbeitern und deren Gewerkschaften in vielen verschiedenen Ländern der EU macht“, zeigte sich Eddie Wilson, Arbeitsdirektor der Airline, zufrieden.

Er verwies bei der Gelegenheit auf die breite Zustimmung der Kabinenbesatzungen in Italien zu einem dort geschlossenen Tarifvertrag, sowie die jüngst erfolgte offizielle Anerkennung von Gewerkschaften in Griechenland und Schweden, eine Voraussetzung für Tarifgespräche in diesen Ländern. Von Verdi lag zunächst keine Stellungnahme vor.

Wirklich Entspannung kann für Deutschland allerdings noch nicht gemeldet werden. Zum einen spricht auch die Spartengewerkschaft UFO für das Kabinenpersonal der irischen Airline in Deutschland. Hier deutete zuletzt alles auf eine harte Konfrontation hin. Nachdem UFO mit der Aussage, die Arbeitsbedingungen bei Ryanair könnten auch ein Sicherheitsthema sein, für gewaltigen Ärger beim Management gesorgt hatte, brach dieses die Gespräche mit UFO ab. UFO war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Offen ist zum zweiten noch der Tarifstreit mit den deutschen Piloten der Airline. Hier hat man sich vor wenigen Tagen auf den Einsatz von Schlichtern geeinigt. Es muss sich allerdings noch zeigen, ob das zu einem Erfolg führen wird. Die Stimmung ist auch hier belastet, nachdem Ryanair die Basis in Bremen geschlossen hat – für die Pilotenvertretung Vereinigung Cockpit und andere Gewerkschaftsvertreter nichts anderes als der Versuch, die Arbeitnehmer von weiteren Streiks abzuhalten.

Ryanair hat sich in den Tarifstreitigkeiten, die in vielen Ländern der EU geführt werden, selbst eine „Deadline“ gesetzt. Man will bis Ende des Jahres eine Lösung haben. Das Problem: Die Arbeitsgesetze sind in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich.

Auch will das Management immer nur mit nationalen Gewerkschaften verhandeln. Den Versuch der Arbeitnehmervertreter, europaweit zumindest eine Art Rahmenvertrag zu schließen, lehnt die Airline-Spitze bisher ab. Rechtlich befindet sie sich hier auf sicherem Terrain. Tarifverträge können nur landesweit abgeschlossen werden, es gibt keinen europäischen Tarifvertrag. Aber der Aufwand nationaler Vereinbarungen wird dadurch erhöht – auch der zeitliche.

Auslöser der europaweiten Forderung nach einem Tarifvertrag war eine Fehlplanung bei den Piloten im vergangenen Sommer. In Folge dessen musste die Airline Tausende Flüge absagen. Das fliegende Personal sah damals die Gelegenheit gekommen, ihren seit langem schon vorgebrachten Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen Nachdruck zu verleihen.

Ein Schwerpunkt ist die Abschaffung des so genannten Contractor Modells, bei dem Flugzeugführer und Kabinenmitarbeiter ihre Arbeitskraft über eine Art Ich-AG an einen Vermittler verleihen, der diese dann an Ryanair gibt. Der Mitarbeiter wird nur nach geleisteten Stunden bezahlt, fällt er etwa wegen Krankheit aus, ist das ausschließlich sein finanzielles Risiko. Ryanair hat zwar zugesagt, dass dieses Modell etwa in Deutschland spätestens zum Jahresende abgeschafft ist. Doch in anderen Ländern wie etwa Polen kommt es angeblich weiterhin zum Einsatz.

Wegen des Tarifstreits war es mehrfach zu Arbeitsniederlegungen gekommen. Zuletzt hatten etwa Teile des Kabinenpersonals in mehreren europäischen Ländern, darunter auch in Deutschland, im September gestreikt. Zuvor hatte es im August eine ähnliche Aktion gegeben. Damals musste die Airline europaweit rund 400 von insgesamt gut 2400 Flügen streichen.

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