Frühe Spargelernte Vorsprung durch Heiztechnik

Die Spargelsaison hat begonnen. Noch nicht überall – aber bei einigen Landwirten in Deutschland sind kleine Spargelmengen jetzt schon erntereif. Sie nutzen Abwärme, um die Felder zu beheizen.
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So einträglich ist das Spargel-Geschäft wirklich

KirchdorfEs ist sieben Uhr morgens im niedersächsischen Kirchdorf, Mitte März. Auf dem Spargelfeld von Hof Thiermann sind schon die ersten Erntehelfer fleißig: Sie schieben Stück für Stück eine über das Beet gewölbte Plastikfolie beiseite – das ganze sieht aus wie ein Mini-Tunnel, der über das Beet gebaut wurde. Darunter liegt noch eine Folie: auf der einen Seite schwarz, auf der anderen Seite weiß. Darunter befindet sich die zu einem Damm aufgehäufte Erde, aus der vereinzelt die weißen Spargelspitzen heraus ragen.

Das Erstaunliche ist der Zeitpunkt. Spargel – das erste frische Frühlingsgemüse, das auf deutschen Feldern wächst – liebt die Sonne und die Wärme. Ab zehn Grad fängt die Spargelwurzel an zu treiben. So um die 15 Grad brauchen die Pflanzen, um zur Erntereife zu gelangen, sagt Stefan Pohl. Er ist Ernteleiter beim Gemüsehof Thiermann, einem der großen Spargelproduzenten Deutschlands. Jetzt, Anfang bis Mitte März, ist es eigentlich noch viel zu kalt für die Spargelernte. Die klassische Spargelsaison beginnt regulär frühestens Ende März, Anfang April oder noch später – abhängig von der Region und der Witterung.

Das Geheimnis ist eine Biogasanlage, die in wenigen Metern Entfernung vom Feld steht. „Wir nutzen die Abwärme“, sagt Pohl. Der landwirtschaftliche Betrieb betreibt auch eine Schweinemast, und aus der Gülle produziert der Hof Wärme, die zum Heizen von Gebäuden genutzt wird. Die übrig bleibende Wärme wird mit etwa dreißig Grad warmem Wasser in Rohren unter die Beete geführt.

Einige Landwirte sind in den vergangenen Jahren auf die Idee gekommen, Abwärme zu nutzen, um ein bisschen Spargel früher ernten zu können als andere. Wie viele das in ganz Deutschland sind, verrät keine Statistik. Vielleicht sind es sechs, vielleicht sind es zehn, vielleicht ein paar mehr – die Experten der Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse (BVEO), der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) oder der regionalen Erzeugergemeinschaften wissen es nicht.

Womit Bauern ihr Geld verdienen
Pflanzen
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Von Brotweizen über Wein, Kartoffeln und Möhren bis Zuckerrüben: Was 2016 auf deutschen Äckern wuchs, hat einen Wert von 23,9 Milliarden Euro, knapp drei Prozent weniger als im Vorjahr. Das ergibt sich aus Daten der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft (AMI). Wichtigste Posten sind Getreide und Futterpflanze.

Vieh
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Ebenso wichtig ist, was die Bauern im Stall herstellen: Fleisch, Milch und Eier. Im vergangenen Jahr lag der Produktionswert laut AMI bei 23,5 Milliarden Euro, vier Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Das lag vor allem am gesunkenen Milchpreis. Aber auch das Fleisch von Rindern, Schweinen und Geflügel sowie Eier wurden günstiger. Tausende Betriebe bieten auch Pferde-Stellplätze, viele sind Reiterhöfe.

Strom
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Gülle, Mist und Mais werden zu Biogas vergoren, auf dem Scheunendach glänzen Solarzellen und überm Acker drehen sich Windräder: Viele Bauern erzeugen Energie, insgesamt waren es im vorletzten Jahr 8.200 Megawatt – die Leistung von etwa vier Atomkraftwerken. „Von Landwirt zum Energiewirt“, war lange ein Schlagwort. Knapp 5,7 Milliarden Euro setzten die Bauern mit Strom um, wie der Bauernverband schätzt.

Urlaub
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Natur und Tiere, frische Lebensmittel und manchmal Mithilfe im Stall – das ist Urlaub auf dem Bauernhof. Rund 10.000 der etwa 280.000 Höfe in Deutschland haben Feriengäste. Die Ferienwohnungen und Gästezimmer werden immer besser gebucht. Besonders im Sommer bleibt auf dem Hof kaum noch ein Bett frei, wie aus Daten der Bundesarbeitsgemeinschaft Urlaub auf dem Bauernhof hervorgeht. Die Umsatzgrenze von einer Milliarde Euro wurde nach einer Studie des Agrarministeriums schon 2011 überschritten. Manche Betriebe mausern sich zu Erlebnisbauernhöfen – mit Kutschfahrten und Maislabyrinth.

Wald
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Knapp die Hälfte des deutschen Waldes ist Privatbesitz, jeder zehnte Hektar gehört nach der Agrarstrukturerhebung einem Landwirt. Die Preise für Holz sind zwar in den vergangenen beiden Jahren leicht gesunken, liegen aber immer noch bis zur Hälfte höher als etwa vor einem Jahrzehnt.

Hofläden
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Sie sind für viele ein wichtiger Nebenverdienst. Die Käufer sind oft Stammkunden und bereit, auf dem Hof mehr zu bezahlen als im Discounter – und im Gegenzug den Erzeuger zu kennen und genauer zu wissen, woher ihre Lebensmittel kommen. 1,3 Milliarden Euro nahmen die Bauern 2015 über Direktvermarktung ein, wie eine Untersuchung der AMI ergab. Doch vom neuen Regional-Trend profitieren die Hofläden nicht. Denn auch Supermärkte setzen auf örtliche Marken.

Andere Berufe
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Für die Hälfte der Bauern ist der Hof nur ein Nebenerwerb – die Haupteinnahmequelle ist eine andere: Viele sind Facharbeiter, Arbeiter und Angestellte. Geackert und gefüttert wird vor der Arbeit und nach Feierabend, an Wochenenden und im Urlaub.

„Es gibt keine Statistik über den Anbau von Heizspargel in Deutschland“, heißt es bei der BVEO. Der Anbau hänge von „einzelbetrieblichen Möglichkeiten“ ab. Genutzt werde etwa die Abwärme von Kraftwerken oder aus dem Tagebau. In einigen Fällen werden zum Beispiel Hackschnitzelkraftwerke im Betrieb eingesetzt, um die Spargeldämme zu heizen.

Auch über die geernteten Mengen gibt es keine Zahlen. Viel sei es nicht, sagt Stefan Pohl: Knapp 500 Hektar Anbaufläche hat der Betrieb bei Kirchdorf, drei Hektar davon sind Heizspargel. Ein Hektar liefere in der gesamten Saison zwischen acht und zehn Tonnen Spargel, aber auf den beheizten Feldern werde zunächst nur jeden zweiten Tag geerntet. Die Ausbeute liege derzeit bei 800 bis 900 Kilo pro Erntetag.

„Der Deutsche ist ein extremer Spargelesser“
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