FTI-Gründer Dietmar Gunz „Ein gewisses Restrisiko bleibt“

Terroranschläge in Ägypten und strandende Flüchtlinge auf den Ägais-Inseln schlagen sich in den Reisebuchungen nieder. Dieter Gunz, Gründer des Reiseveranstalters FTI, spricht über Urlaub und die Gefahrenlage.
Kamele ruhen sich vor den Pyramiden von Gizeh aus: Weniger deutsche Touristen reisen nach Ägypten. Quelle: dpa
Tourismus

Kamele ruhen sich vor den Pyramiden von Gizeh aus: Weniger deutsche Touristen reisen nach Ägypten.

(Foto: dpa)

Nicht erst seit dem Minderheitseinstieg des ägyptischen Hotelinvestors Samih Sawiris setzt FTI-Gründer Dietmar Gunz auf das Reiseland am Nil. Nun zwingt die dortige Krise Deutschlands viertgrößten Reiseveranstalter (2,15 Milliarden Euro Umsatz), woanders zusätzliche Hotelbetten zu finden.

Herr Gunz, FTI fliegt seit vier Monaten keine Urlauber mehr nach Scharm El-Scheich, obwohl Sie dort große Hotels im Angebot haben. Wie trifft Sie der Geschäftsausfall?
Scharm El-Scheich hat bei FTI einen Anteil von rund fünf Prozent des Gästeaufkommens im Land am Roten Meer. Unsere Hauptdestinationen sind Hurghada, Marsa Alam und Luxor. Sie fliegen wir auch weiterhin an.

Ein Grund für den Flugstopp ist die Anweisung der Bundesregierung, in den Maschinen keine Koffer mehr zu transportieren. War die Maßnahme angemessen?
Die Anweisung, in den Maschinen keine Koffer mehr zu transportieren, war operativ nicht machbar. An den anderen ägyptischen Airports wurden Sicherheitsmaßnahmen ergriffen wie beispielsweise eine Gepäckidentifikation vorm Verladen ins Flugzeug. Das wäre auch in Scharm El-Scheich wünschenswerter gewesen.

„In Spanien sind sehr hohe Preissteigerungen zu erwarten“, sagt Dietmar Gunz, Gründer von FTI Touristik. Quelle: Imago
Reisekonzern

„In Spanien sind sehr hohe Preissteigerungen zu erwarten“, sagt Dietmar Gunz, Gründer von FTI Touristik.

(Foto: Imago)

Derzeit gibt es die Fünf-Tage-Nilkreuzfahrt plus eine Woche Hurghada-Badeurlaub für 399 Euro. Können Reiseveranstalter damit noch überleben?
Es geht bei diesen Aktionen vorrangig um den Abverkauf beschränkter Kontingente. Zudem sind das aber auch Maßnahmen, um neue Gäste auf Ägypten aufmerksam zu machen und Mitarbeiter vor Ort weiter zu beschäftigen. Wirklich ertragreich ist das für einen Reiseveranstalter jedoch weniger.

Bei Ihrem Wettbewerber Tui sind auch die Türkei-Buchungen um 40 Prozent eingebrochen. Geht es Ihnen dort besser?
Diesen Trend können wir nicht bestätigen. In der Türkei liegen wir knapp auf Vorjahresniveau und erwarten ein starkes Kurzfristjahr.

Auf Lesbos sollen 90 Prozent weniger Reisen verkauft worden sein, in Samos ging es um 40 Prozent zurück. Gerät jetzt auch Griechenland in den Abwärtsstrudel?
Neben Spanien und den Vereinigten Arabischen Emiraten wird Griechenland der große Gewinner im Jahr 2016 sein. Das griechische Festland sowie Inseln wie Kreta, Korfu und Rhodos verkaufen sich derzeit sehr gut. Lesbos und Samos sind Nischenmärkte.

Gibt es bei Reiseveranstaltern genügend Kapazitäten in Spanien oder am Persischen Golf, um Urlaubern Alternativen anzubieten?
In den Vereinigten Arabischen Emiraten gibt es ausreichend Kapazitäten, die als Alternative dienen. In Spanien gibt es diese definitiv nicht. Wer dort diesen Sommer Urlaub machen will, muss schnell buchen.

Wie wirkt sich das auf die Reisepreise aus?
Im Schnitt sind die Preise gleichbleibend. In Spanien sind sehr hohe Preissteigerungen zu erwarten, Griechenland bleibt stabil, und Ägypten sowie die Türkei sind preislich so attraktiv wie nie. Grund hierfür ist unter anderem das Ausbleiben der russischen Gäste und somit zusätzlich freie Betten.

Das sind die größten Kreuzfahrtschiffe der Welt
Quantum of the Seas
1 von 13

Vor zwei Jahren hatte „Quantum of the Seas“ die Meyer-Werft in Papenburg verlassen. Die Daten: 168.000 Bruttoregistertonnen bei einer Länge von 348 Metern.

Quantum of the Seas
2 von 13

Der Ozeanriese mit seinen 18 Decks bietet 4188 Passagieren Platz.

Jahres-Pressekonferenz Hamburg Cruise Center
3 von 13

An Bord der 294 Meter langen neuen Queen Elizabeth haben 2058 Passagiere Platz. 1000 Besatzungsmitglieder kümmern sich um das Wohl der Gäste. Das 90.400 Tonnen schwere Schiff bereist unter anderem Afrika, die Britischen Inseln und Hawaii. Überwältigend ist auch die schiffseigene Bibliothek mit einem Bestand von 6000 Büchern.

Oasis of the Seas
4 von 13

Die Queen Elizabeth ist eines der größten Kreuzfahrtschiffe weltweit und folgte dem Vorbild der im Jahr 2009 in Dienst gestellten Oasis of the Seas. Auf 26 Decks hat der Gigaliner für bis zu 5400 Passagiere Platz. Mit seiner 2160 Mann starken Besatzung bereist der Kreuzer die Westliche und Östliche Karibik.

Oasis of the Seas
5 von 13

Das luxuriöse Innenleben der Oasis of the Seas, gebaut von der Werft STX Europe Cruise in Turku, Finnland. In der Liste der größten und teuersten Kreuzfahrtschiffe, die jemals in Auftrag gegeben und gebaut worden sind, liegt sie mit einer Länge von 360 Metern und rund 800 Millionen Euro Baukosten knapp hinter ihrem später fertig gestellten Schwesterschiff Allure of the Seas.

Allure of the Seas
6 von 13

Das Royal Caribbean Kreuzfahrtschiff lockt mit Freizeit- und Unterhaltungsangeboten: Vom AquaTheater, einem schwimmenden Amphitheater, über kreative Aktivitäten wie Basteln bis hin zum Planschen in einem gigantischen Wasserpark. Im Bild sieht man den Basketballplatz an Bord.

Luxusliner im Ostseebad Warnemünde
7 von 13

Die 252 Meter lange und 32 Meter breite Aida blu ist ein Luxusliner für 2176 Passagiere, die an Bord in den Genuss einer riesigen Spa-Kabine kommen. Es ist eines der erfolgreichen Clubschiffe aus dem Hause AIDACruises. Der Kreuzer entspricht abgesehen vom Raumangebot, das um ein halbes Deck vergrößert wurde, seinen Schwesterschiffen.

Werden die durch Terrorismus verursachten Krisen die Reisebranche insgesamt verändern?
Wir gehen nicht davon aus, dass sich die Reisebranche stark verändern wird. Die Mobilität steigt, das Fliegen ist günstiger als je zuvor und für jeden möglich, und zudem wächst das Angebot. Der Kunde weiß, dass ein gewisses Restrisiko nicht regional oder geografisch eingrenzbar und ausschließbar ist. Darüber hinaus sind – wegen der hohen sichtbaren und unsichtbaren Sicherheitsmaßnahmen – die vermeintlich unsicheren Reisegebiete derzeit wohl eher die sichersten.

Herr Gunz, vielen Dank für das Gespräch.

Startseite

Mehr zu: FTI-Gründer Dietmar Gunz - „Ein gewisses Restrisiko bleibt“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%