Führungsstreit bei Media-Saturn Metro setzt sich durch

Im Streit um die Führung bei Media-Saturn hat sich der Handelsriese Metro erwartungsgemäß durchgesetzt. Minderheitseigentümer Erich Kellerhals hatte versucht, Geschäftsführer Pieter Haas abzuberufen.
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Im Streit um die Führung bei Europas größtem Elektrofachhändler Media-Saturn hat sich der Handelsriese Metro erwartungsgemäß durchgesetzt. Quelle: dpa
Metro und Media-Markt.

Im Streit um die Führung bei Europas größtem Elektrofachhändler Media-Saturn hat sich der Handelsriese Metro erwartungsgemäß durchgesetzt.

(Foto: dpa)

IngolstadtDer von der Metro entsandte Manager Pieter Haas darf nach einem Gerichtsentscheid an der Spitze der Elektronikhandelskette Media-Saturn bleiben. Der Handelskonzern hat sich im Streit um die Führung bei Europas größtem Elektrofachhändler Media-Saturn gegen den Minderheitseigentümer Erich Kellerhals wie erwartet durchgesetzt.

Kellerhals scheiterte vor dem Landgericht Ingolstadt mit dem Versuch, den Media-Saturn-Geschäftsführer Pieter Haas per Urteil abzuberufen. Kellerhals, der sich mit dem Düsseldorfer Handelsriesen seit Jahren einen Machtkampf um Media-Saturn liefert, hatte Haas unter anderem vorgeworfen, einseitig Interessen der Metro zu vertreten und kein Konzept für die Zukunft der Kette zu haben.

Die Handelskammer des Landgerichts Ingolstadt wies mit einem Urteil vom Dienstag eine Klage von Kellerhals' Investmentgesellschaft Convergenta ab, mit der Kellerhals eine Abberufung von Haas durchsetzen wollte, wie das Gericht mitteilte.

Wer die umstrittenen Vorstands-Boni genehmigte
Metro Hauptversamlung
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Bei Metro läuft es derzeit nicht rund: Wegen der roten Zahlen im Geschäftsjahr 2013 will das Unternehmen den Anteilseignern erstmals in seiner Geschichte die Dividende streichen. Doch während die Aktionäre leer ausgehen, erhält der Vorstand üppige Bonuszahlungen – dank eines Tricks.

Metro Hauptversamlung
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Die Bezüge von Vorstandschef Olaf Koch und seinen drei Vorstandskollegen steigen um 1,8 Millionen Euro. Das geht ganz einfach: Die Grundlage für die Boni-Berechnung bezieht sich auf das Kalenderjahr, also inklusive des lukrativen Weihnachtsgeschäfts. Die Dividende wird hingegen auf Basis des Geschäftsjahres berechnet, das die Metro-Manager 2013 auf neun Monate verkürzt hatten – so fiel der Weihnachtsumsatz hier raus.

Metro Hauptversamlung
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Beschlossen wurden diese Vorstands-Vergütungsregeln vom Aufsichtsrat der Metro. In diesem Gremium sitzen zahlreiche hochrangige Manager, die in ihren jeweiligen Unternehmen stets auf Recht und Ordnung achten. In diesem Fall scheinen die Aufsichtsräte um ihren Vorsitzenden Franz M. Haniel (rechts neben dem Vorstandsvorsitzenden Olaf Koch) aber kein Problem mit dem fragwürdigen Boni-Trick gehabt zu haben.

File photo of Fitschen Co-CEO of Deutsche Bank
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In dem Gremium sitzt auch unter anderem der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen. Nach Informationen des Handelsblatts haben sich die Aufseher vor allem auf die Expertise externer Berater verlassen – weil kein Mitglied des Aufsichtsrats Erfahrung mit einem verkürzten Geschäftsjahr hatte.

E.ON Zahlen
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Auch Wulf Bernotat (Archivfoto aus dem Jahr 2009), ehemaliger Vorstandsvorsitzender des Energieriesen Eon, gab dem Boni-Trick seinen Segen. Da Dividenden und Manager-Boni allerdings inzwischen zu einem Politikum geworden sind, könnte der Aufsichtsrat hier einen gravierenden Taktikfehler in der Außendarstellung von Metro begangen haben.

Ann-Kristin Achleitner
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Ann-Kristin Achleitner, seit 2011 im Aufsichtsrat bei Metro, Linde und der Munich Re, tritt unter anderem als Testimonial für die Initiative „Neue Soziale Marktwirtschaft“ auf. Was an der Metro-Entscheidung „sozial“ ist, kann die Wissenschaftliche Direktorin des Center for Entrepreneurial and Financial Studies (CEFS) an der TU München aber wohl nur schwer erklären.

huGO-BildID: 25862871 Dr. Florian Funck, Vorstand Haniel, Aufsichtsrat Metro
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Auch Florian Funck, Vorstandsmitglied beim Metro-Mutterkonzern Haniel, gönnte in seiner Funktion als Metro-Aufsichtsrat den dortigen Vorstandskollegen anscheinend den üppigen Bonus.

Wie das Gericht am Dienstag mitteilte, gebe es keine relevanten Pflichtverstöße, die einen solchen Schritt rechtfertigen würden. Gegen den Richterspruch sind allerdings Rechtsmittel möglich.

Der Metro-Konzern hatte Haas in die Geschäftsführung von Media-Saturn entsandt, um die Neuausrichtung der Elektronik-Kette voranzutreiben. Da Haas zugleich auch Vorstand bei der Metro ist, sah Kellerhals in der Doppelfunktion einen Interessenkonflikt und zog vor Gericht.

Kellerhals, einer der Gründer der Elektrohandelskette, hält zwar nur knapp 22 Prozent an Media-Saturn, hat aber umfassende Veto-Rechte. Dem Metro-Konzern, der über 78 Prozent der Anteile kontrolliert, sind diese ein Dorn im Auge - der Konzern versucht, sie auszuhebeln.

  • dpa
  • rtr
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