Funkchips RFID ermöglichen die schnelle Artikel-Erfassung und -Verwaltung Mit schlauen Labels können Einzelhändler Kosten drücken

Kleider machen Leute – aber auch viel Arbeit. Das sagte sich auch der Kölner Kaufhof, als er 2003 mit dem Bekleidungshersteller Gerry Weber RFID-Labels testete. Die Labels enthalten genaue Produktinformationen. Ziel der Versuche, die mittlerweile viel versprechend abgeschlossen sind: Die logistische Kette der Bekleidung vom Hersteller über das Kaufhof-Lager bis zu den Filialen zu verfolgen. Anders als bei den klassischen Barcodelabels lassen sich im Wareneingang jetzt ganze Stangen mit Bekleidung automatisch erfassen, ohne dass sie in die Hand genommen werden müssen. Zudem registrieren Lesegeräte am Regal Warenbewegungen, und Inventuren werden vereinfacht.
  • Edgar Lange

HB DÜSSELDORF. Der Vormarsch der kleinen Transponder-Speicherchips (RFID - Radio Frequency Identification) ist nicht aufzuhalten. Immer mehr Händler sagen dem Strichcode ade. Doch nicht alle Beteiligten profitieren gleichermaßen von RFID.

Laut den Marktforschern von Forrester Research sollen in den nächsten zwei Jahren über fünf Milliarden Konsumgüter per RFID gekennzeichnet werden. Die Handelskonzerne Metro, Tesco, Carrefour und Wal-Mart setzen schon heute auf die schlauen Labels. Wal-Mart hatte erst kürzlich angekündigt, demnächst nur noch Lieferanten zu akzeptieren, die ihre Ware mit RFID-Tags kennzeichnen. „RFID wird zur Nummer- eins-Technologie im Handel“, prognostiziert Michael Gerling, Geschäftsführer des Kölner Euro-Handelsinstituts EHI. Um bis zu 5 % werden Einzelhändler ihre Lagerkosten reduzieren können und ihre Personalkosten um bis zu 10 %. Für den deutschen Einzelhandel sind das etwa 6 Mrd. Euro jährlich. Das ist das Ergebnis einer aktuellen RFID-Studie der Managementberatung A.T. Kearney.

Einige Konsumgüterhersteller müssen laut Studie zunächst mit höheren Belastungen rechnen und werden erst später Nutzen daraus ziehen können. Die Händlern können zum einen durch verbesserte Logistik ihre Lagerbestände reduzieren. In Geschäften und Lagern wird zum andern weniger Personal benötigt. Hinzu kommt, dass durch die Neuorganisation der Logistik die Verfügbarkeit der Produkte in Regalen und Lagern verbessert wird. „Das wiederum bringt nach unseren Berechnungen einen jährlichen Zugewinn von 70 Mill. Euro pro einer Milliarde Euro Umsatz“, rechnet Peter Pfeiffer, A.T. Kearney Vizepräsident und Leiter des Bereichs Konsumgüterindustrie und Handel, vor. Durch die Einführung von RFID kostet die Händler etwa 300 000 Euro pro Warenverteilzentrum sowie weitere 50 000 bis 100 000 Euro pro Geschäft. Für die Integration der Systeme in den Organisationsprozess sei zusätzlich mit einem zweistelligen Millionenbetrag zu rechnen. Bei den Kosten teilt A.T. Kearney die Hersteller in zwei Kategorien ein: die „High Impact“-Hersteller – Anbieter von hochwertigen Artikeln wie hochpreisige Arzneimittel –, die direkt von einer verbesserten Warenverfügbarkeit profitieren. Andererseits die „Low Impact“-Hersteller, die z.B. niedrigpreisige Lebensmittel in großen Mengen verkaufen: „Sie werden unterm Strich weniger profitieren, da die Kosten den Nutzen kaum aufwiegen“, ist Pfeiffer überzeugt. „Wir raten allen Konsumgüterherstellern, Kosten und Nutzen genau zu prüfen und gegebenenfalls Alternativen zu erwägen.“

In den meisten Fällen werde ein Mix aus bekannten und neuen Technologien und Prozessen die ökonomisch sinnvollste Variante sein, glaubt Pfeiffer. Schon heute ist oft strittig, wer in der Lieferkette welchen Teil des RFID-Systems bezahlt. Laut IDC-Analyst James Weir bringt RFID den Händlern mit großer Marktmacht den größten Nutzen. „Wenn ein Unternehmen zur Verbesserung seiner Geschäftsprozesse RFID nutzen will, sollte es diese Technologie auch unternehmensweit integrieren“, so Steve Banker vom Analysten- und Beratungshaus ARC Advisory Group. Dafür hat SAP seine erste Softwarelösung für RFID- gestützte Geschäftsprozesse präsentiert. Sie erlaubt die Erfassung und Integration elektronisch lesbarer Produktetiketten. Damit können Warenfluss und Lieferketten präziser überwacht und geplant werden.

Forciert werden könnte der RFID- Einsatz durch die neue EU-Verordnung 178/2002, die die lückenlose Verfolgung aller Lebens- und Futtermittel verlangt. „Gerade hier werden sich die schlauen Mini-Tags durchsetzen“, glaubt Hilmar Juckel von der Handelsberatung BBE. „Sie erleichtern die Arbeit. Das rechnet sich dann auch von den Kosten her.“

Derzeit jedoch nur auf Palettenebene innerhalb der Supply-Chain. Hier funktioniert RFID im neuen Extra-Future-Store der Metro bereits tadellos. Ab November will der Konzern rund 100 Lieferanten mit ihren Paletten und Transportverpackungen auf RFID verpflichten: Rund 100 Märkte der Vertriebslinien Real und Extra, 122 Galeria Kaufhof Warenhäuser sowie 59 Metro-C&C-Märkte sollen RFID-etikettierte Lieferungen aus zehn Zentrallagern erhalten.

Die Tests in Rheinberg hätten gezeigt, dass RFID Handel und Kunden enorme Vorteile brächte – jedoch wurden bislang nur wenige Einzelprodukte etikettiert. „Es dauert noch 10 bis 15 Jahre, bis jeder Joghurt-Becher über ein Smartlabel verfügt“, schätzt Metro-Sprecher Albrecht von Truchseß. „Noch viel zu teuer“, ist auch der knappe Kommentar des Tengelmann-Konzerns.

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