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Fusionsfolgen Karstadt und Kaufhof: Warenhaus-Konzern streicht 2600 Arbeitsplätze

Firmenchef Stephan Fanderl macht mit den Sparplänen Ernst. Auch für die Zentrale gibt es eine Entscheidung. Experten sind skeptisch, ob das reicht.
Update: 25.01.2019 - 16:03 Uhr Kommentieren
Der Konzern muss im erbitterten Wettbewerb mit den Online-Händlern von Amazon bis Zalando bestehen. Quelle: dpa
Karstadt und Kaufhof in Düsseldorf

Der Konzern muss im erbitterten Wettbewerb mit den Online-Händlern von Amazon bis Zalando bestehen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfNach dem Zusammenschluss der Warenhausriesen Karstadt und Kaufhof machen die neuen Eigner mit ihren Sparplänen Ernst. Der Chef des Gemeinschaftsunternehmens, Stephan Fanderl, will insgesamt 2600 sogenannte Vollzeitäquivalent-Stellen bei Kaufhof streichen: das heißt, dass beispielsweise zwei 50-Prozent-Stellen als eine Vollzeitstelle verstanden werden. Das teilte Karstadt am Freitagnachmittag mit.

Rund 1000 Vollzeitstellen sollen in den Führungs- und Verwaltungsstrukturen wegfallen, weitere 1600 Vollzeitstellen in den Filialen, wie der Konzern mitteilte. Sanierungsbedingte Filialschließungen sind dagegen vorläufig nicht geplant. Fanderl betonte, in seinem derzeitigen Zustand sei Kaufhof „langfristig nicht überlebensfähig“.

In der Mitteilung vom Freitagnachmittag schlägt Karstadt einen alarmistischen Ton an. „Die Kosten bei Galeria Kaufhof (müssen) nachhaltig auf ein wettbewerbsfähiges Niveau gesenkt werden. Denn bereits im November 2018 musste Galeria Kaufhof durch eine Finanzspritze der Signa in signifikanter Millionenhöhe stabilisiert werden.“

Signa ist die Beteiligungsgesellschaft des österreichischen Immobilienunternehmers und Karstadt-Eigners René Benko. Kaufhof habe im Weihnachtsgeschäft vier Prozent weniger Umsatz geschrieben als im Vorjahr und auch Online gegen den Trend zwei Prozent weniger verkauft.

Die Effekte des bereits gestarteten Sanierungsprogramms „Turn 2 Win“ reichten daher bei weitem nicht aus, um Kaufhof zu retten. Nun seien nicht nur weitere Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe im Frühjahr notwendig, sondern auch eine Reihe einschneidender Maßnahmen, um Galeria Kaufhof nachhaltig abzusichern.

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Der Konzern will die wichtigsten Führungs- und Verwaltungsstrukturen beider Warenhäuser künftig in der bisherigen Karstadt-Zentrale in Essen bündeln. Am Standort Köln, bisher der Sitz der Kaufhof-Zentrale, soll ein „Kompetenz-Center“ für Digitalisierung und E-Commerce aufgebaut werden. Außerdem soll von hier aus das Gastronomie- und Lebensmittelgeschäft gesteuert werden.

Das Outletgeschäft, das der kanadische Kaufhof-Eigner HBC mit seiner Marke „Saks Off 5th“ in eigenen Häusern vorangetrieben hatte, soll neu aufgestellt werden. Zusammen mit dem Karstadt-Pendant „Look & Viel“ soll es eigene Shops in regulären Filialen bekommen.

Gewerkschaft kündigt Widerstand an

Um Kosten zu sparen, wird Kaufhof außerdem umgehend eine Ausstiegsklausel im Tarifvertrag nutzen. Das Unternehmen strebe eine individuelle Tariflösung an, die der wirtschaftlichen Notsituation von Kaufhof Rechnung trage.

Die Gewerkschaft Verdi kündigte Widerstand gegen den Sanierungsplan an, der ohne Einbeziehung des Betriebsrats aufgestellt worden sei. „Wir lassen keine Sanierung zu, die ein Gesundstoßen des Konzerns allein auf dem Rücken der Beschäftigten vorsieht“, sagte Gewerkschaftsvorstand Stefanie Nutzenberger „Wo sind die Vorschläge, wie es in Zukunft weitergeht? Wo soll investiert werden? Welche Opfer sollen die Manageretagen aufbringen? Nichts davon wird angepackt. Stattdessen wird ein Ausstieg aus der Tarifbindung angekündigt. Dem wird die Arbeitnehmerseite nicht zustimmen.“

Kaufhof ist seit Ende November Teil eines Gemeinschaftsunternehmens mit dem Konkurrenten Karstadt. Der frühere Kaufhof-Eigner HBC hatte der Fusion im vergangenen Jahr nach langem Zögern zugestimmt. Die Nordamerikaner sind mit 49,99 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen mit Karstadt beteiligt, das über rund 240 Filialen mit einem Umsatz von gut fünf Milliarden Euro und rund 32.000 Mitarbeiter verfügt.

Mehrheitseigner ist die Signa Holding des österreichischen Investors Benko. Karstadt hat im operativen Geschäft das Sagen. Der langjährige Karstadt-Chef Fanderl führt den neuen Warenhaus-Riesen. Der Konzern muss im erbitterten Wettbewerb mit den Online-Händlern von Amazon bis Zalando bestehen.

Die Arbeitnehmervertreter hatten erklärt, beide Warenhäuser hätten ihren Platz in Deutschland. Die Tarifkommissionen hatten eine Standort- und Beschäftigungssicherung sowie eine volle Tarifbindung der beiden Häuser an die Flächentarifverträge für den Handel gefordert. Über einen umfassenden Stellenabbau müsste Fanderl mit den Arbeitnehmervertretern verhandeln.

Einzelhandelsexperte Gerrit Heinemann sieht in den Sparplänen keinen großen Wurf. „Warenhäuser sind am Ende ihres Lebenszyklus angelangt und müssen neu erfunden werden. Der Umsatzrückgang im Kaufhof-Online-Shop zeigt allerdings, dass das nicht gelingt“, sagte der Mönchengladbacher BWL-Professor dem Handelsblatt.

Wenig Sinn erkennt er beispielsweise in der Aufteilung der Zentrale auf Köln und Essen. „Das ist ein fauler Kompromiss, der wegen des übermächtigen Betriebsrats von Kaufhof zustande kommt“, meinte er. Allerdings gebe es Synergien aus der Fusion: „Tausende Stellen fallen alleine schon dadurch weg, dass die vielen Doppelbesetzungen bereinigt werden. Man braucht beispielsweise nicht für dasselbe Produkt zwei Zentraleinkäufer.“

Die Botschaft, dass nur wenige Filialen schließen sollen, relativierte er. Schließlich plane das Unternehmen die Untervermietung von Flächen – und reduziere so ebenfalls seine Präsenz: „Nennen wir das Thema statt Filialschließung einfach Flächenreduktion, um die das Unternehmen bei den miserablen Flächenproduktivitäten nicht herumkommt.“

Nötig wäre seiner Meinung nach eine Online-Offensive, die allerdings hohe Investitionen erfordern würde. Um nach dem Beispiel der britischen Kette John Lewis auf 40 Prozent Online-Umsatz zu kommen, müsste Karstadt-Eigner René Benko geschätzte zwei Milliarden Euro in die Hand nehmen, rechnete Heinemann vor.
Mit Agenturmaterial

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