Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Future Food Forum Wie eine Welt mit 10 Milliarden Menschen ernährt werden soll

Schon heute hungern mehrere Hundert Millionen Menschen. Wie die Welternährung dennoch gesichert werden kann, war Thema des dritten Future Food Forums.
Kommentieren
Die Nahrungsmittelproduzenten müssen immer mehr Menschen ernähren. Quelle: dpa
Getreideernte

Die Nahrungsmittelproduzenten müssen immer mehr Menschen ernähren.

(Foto: dpa)

Berlin Die Welt wird voller. Im Jahr 2050 werden rund zwei Milliarden mehr Menschen unseren Planeten bevölkern, insgesamt fast zehn Milliarden. Diese Entwicklung stellt neue Herausforderungen an die Nahrungsversorgung: Schon heute leiden rund 820 Millionen Menschen an Hunger.

Dabei ist ausreichende Ernährung ein Menschenrecht, festgeschrieben im Sozialpakt der Vereinten Nationen. „Die Weltgemeinschaft hat sich die Pflicht auferlegt, dafür zu sorgen, dass ausreichend Nahrungsmittel hergestellt werden und für alle zugänglich sind“, betonte der Vorstandsvorsitzende von K+S, Burkard Lohr, beim dritten Future Food Forum Mitte der Woche, das von dem Salz- und Düngemittelhersteller ausgerichtet wird und bei dem das Handelsblatt Medienpartner ist.

Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, erklärte bei seiner Eröffnungsrede, Ernährung sei „die Mutter aller Herausforderungen“. Unter anderem führe die „gewaltige Nachfrage nach Fleisch zu unglaublichen Problemen, wie Monokulturen oder zur Abholzung der Regenwälder.“ Die Gleichung dahinter: Steigender Wohlstand in Ländern wie China erhöht die Nachfrage nach Fleisch, das erhöht die Nachfrage nach Futtermitteln, für deren Produktion Soja in Monokulturen angepflanzt und Wälder gerodet werden.

Somit gerät die Sättigung der Weltbevölkerung in einen Konflikt mit dem Umweltschutz. Tassos Haniotis, Direktor für Strategie der Generaldirektion Landwirtschaft der Europäischen Kommission, betonte daher in seinem Vortrag, die zukünftige gemeinsame EU-Agrarpolitik müsse sowohl den Umwelt- als auch den Klimaschutz stärken.

Zu entscheiden sei, ob dies durch freiwillige oder verpflichtende Maßnahmen erzielt werden solle. Freiwillige Maßnahmen hätten laut Haniotis den Vorteil einer höheren Flexibilität, während verpflichtende Maßnahmen sicherstellen, dass die Ziele erreicht werden. Martina Fleckenstein, Policy Manager Food bei WWF International, plädierte eindeutig für verpflichtende Nachhaltigkeitsstandards und –kriterien, da „freiwillige Kriterien die Weichen nicht in die richtige Richtung stellen“.

Ein weiteres Thema bei der Veranstaltung, zu der rund 250 Gäste kamen, war die Lagerung von Lebensmitteln. Viele Bauern in Indien oder Afrika haben keine Möglichkeit, ihre Ernte in Hallen zu lagern, deswegen bleibt sie meist auf dem Feld im Freien liegen. Entwicklungsminister Müller betonte: „Durch den Befall von Schädlingen oder Regen verrottet bis zu 50 Prozent der jährlichen Ernte.“

Dieser Verlust durch vergammelte oder weggeworfene Lebensmittel kostet. Arif Husain, Chefökonom des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen, erklärte, dazu zählten etwa das Wasser für den Anbau und die Produktion, die letztendlich verschwendete Agrarfläche sowie die Tonnen an Emissionen, die entstehen.

Dass ein großer Teil der Nahrungsmittel verloren geht, ist insbesondere vor dem Hintergrund der begrenzten Agrarflächen ein großes Problem. Durch Urbanisierung, Versteppung und Versalzung von Böden gehen jedes Jahr 10 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche verloren. Zusätzlich wird das Trinkwasser knapp.

Die Erträge der verfügbaren Agrarflächen müssen daher steigen. Die größten Produktivitätspotentiale gibt es derzeit in Afrika. Entwicklungsminister Müller meinte: „Wir können die Erträge vervielfachen, aber nicht mit mehr Fläche oder Dünger, sondern mit Innovation und Bildung.“ Dazu sollten vor allem die Kleinbauern Förderung erhalten, sagte Bert Rürup, Präsident des Handelsblatt Research Instituts. Die seien für die Hälfte der Lebensmittelversorgung verantwortlich.

Welche Möglichkeiten innovative Ideen schaffen, zeigten vier Start-ups auf dem Future Food Forum. Das Start-up Akorion digitalisiert landwirtschaftliche Wertschöpfungsketten. Das Darmstädter Jungunternehmen Spacenus hat eine Software entwickelt, mit der ein Algorithmus Bauern anhand eines Fotos von einem Pflanzenblatt die beste Düngekonzentration vorhergesagt. Heike Baumüller vom Zentrum für Entwicklungsforschung ist aber der Ansicht: „Digitale Dienstleistungen sind nur hilfreich, wenn auch die Infrastruktur vorhanden ist.“ Nichtsdestotrotz gäbe es auch in Afrika Potenzial für ein Internet der Dinge, also vernetzte Geräte.

MINT Engineering setzt zur Lösung der Welternährung auf Algen und bietet großflächige, innerstädtische Algenfarmen an. Desertfoods verbindet in einem geschlossenen Kreislauf die Aufzucht von Fischen mit der Kultivierung von beispielsweise Salat. Dieser Prozess nennt sich Aquaponic. Dabei dienen die Ausscheidungen der Fische als Dünger für die Pflanzen.

Doch kein Unternehmen oder Staat kann die Welternährung im Alleingang sichern. Vielmehr brauche es gemeinsame Anstrengungen und zahlreiche Akteure, wie der K+S-Vorstandsvorsitzende sagt. Entwicklungsminister Müller mahnt: „Wir haben kein Erkenntnisproblem, denn wir kennen die Lösungen bereits“, sagt er, „Wir müssen endlich aufstehen und handeln.“

Startseite

Mehr zu: Future Food Forum - Wie eine Welt mit 10 Milliarden Menschen ernährt werden soll

0 Kommentare zu "Future Food Forum: Wie eine Welt mit 10 Milliarden Menschen ernährt werden soll"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.