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Gastronomie Kochboxen für Gourmets – so trotzt Sternekoch Alexander Herrmann dem Lockdown

Die erneute Schließung der Restaurants bezeichnet Alexander Herrmann als Dummheit. Doch der Sternekoch will nicht aufgeben und gründet nun ein Liefer-Start-up.
02.11.2020 - 18:36 Uhr Kommentieren
Der Sternekoch setzt auf Kochboxen mit Gourmet-Anspruch. Quelle: imago images/BOBO
Alexander Herrmann

Der Sternekoch setzt auf Kochboxen mit Gourmet-Anspruch.

(Foto: imago images/BOBO)

Düsseldorf Das „Herbstgedicht“ von Sternekoch Alexander Herrmann klingt verlockend. Es beginnt mit einer Kürbis-Gewürzcremesuppe, gefolgt von rosa gebratenem Kalbsrücken in Morchelrahmsauce. Zum Abschluss gibt es Pralinenmousse mit karamellisierten Macademia-Nüssen.

Doch wer das Drei-Gang-Menü des Küchenchefs und TV-Stars genießen will, darf derzeit nicht sein mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnetes Restaurant im Posthotel in Wirsberg besuchen. Er hätte es aber schon spätestens am vergangenen Sonntag online ordern müssen, um es ab Freitag bei sich zu Hause servieren zu können.

Denn das „Herbstgedicht“, das für zwei Personen inklusive Wein 98 Euro kostet, gibt es nur über den Webshop von „Starchefbox“. Dort können sich die Kunden jede Woche ein neues Gericht des Starkochs frei Haus liefern lassen – so weit vorbereitet und vorgekocht, dass sie es mit wenigen Handgriffen in der eigenen Küche finalisieren können.

Die Gerichte werden mittwochs vorgekocht und anschließend aromadicht vakuumisiert. Am Freitag dann werden sie per Express in einer speziell entworfenen Verpackung gekühlt zu den Kunden geschickt. „Wir bringen das Sternerestaurant nach Hause“, sagt Herrmann.

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    Die Idee für Starchefbox ist aus der Not heraus entstanden. Als seine Restaurants in Wirsberg und Nürnberg im März zum ersten Mal schließen mussten, überlegte der Gastronom verzweifelt, wie er zumindest einen Teil des Umsatzausfalls kompensieren konnte. So entwickelte der 49-Jährige seine eigene Kochbox.

    Pünktlich zum zweiten Lockdown seiner Restaurants hat der geschäftstüchtige Koch, Buchautor und Fernsehmoderator aus der Idee ein Start-up gemacht. Zusammen mit der Börsenmedien AG des Verlegers Bernd Förtsch hat er die Sache professionell aufgezogen – und schafft es nach eigenen Angaben auch, die Versendung der Menüs profitabel zu organisieren.

    „Als Koch muss man heute zugleich auch Unternehmer sein“, sagt der aus zahlreichen TV-Kochshows bekannte Herrmann. Die immer mehr gestiegenen Kosten müsse man auffangen mit zusätzlichem Deckungsbeitrag. So ergänzten immer mehr Köche ihr Gourmetrestaurant mit Catering und Kochschule. Ein Lieferdienst sei da nur eine logische Folge.

    Theoretisch bis zu 4000 Menüs an einem Tag

    Herrmann ist nicht der erste Spitzenkoch, der auf die Restaurantschließungen mit Außer-Haus-Lieferungen reagiert. So hat beispielsweise der Berliner Promikoch Tim Raue zeitweise den Lieferdienst „Fu King Great“ unterhalten. Küchenchef Alexander Dinter aus dem Stuttgarter Sternerestaurant „5“ beim ersten Lockdown Gourmetboxen zum Abholen angeboten. Auch der Sternekoch Anthony Sarpong aus Meerbusch verschickt Kochboxen, mit denen seine Kunden zu Hause Kochen auf Spitzenniveau nachempfinden können.

    Doch keiner zieht es in einem solch unternehmerischen Maßstab auf wie jetzt Herrmann. Denn Basis für das Start-up ist nicht seine eigene Küche, sondern eine Produktionsküche mit EU-Zulassung, in die er sich für die Produktion jeweils einmietet und in der er theoretisch bis zu 4000 Menüs an einem Tag kochen könnte. „So ein Lieferdienst ist eine völlig neue Herausforderung“, stellt der Gründer fest. „Ich bin stolz darauf, dass wir geschafft haben, das auf die Beine zu stellen.“

    Die Entwicklung des neuen Service vergleicht er mit der Neueröffnung eines Restaurants. „Da muss jedes Detail stimmen“, sagt er. „Das ist irre anstrengend und eine große Verantwortung.“ Die schwierigste Herausforderung sei es gewesen, die richtige Versandverpackung auszutüfteln.

    Rund 200 bis 300 Boxen von einem Menü muss er mindestens verkaufen, damit die Sache wirtschaftlich wird. „Wir lernen von Box zu Box“, sagt Herrmann. „Natürlich ist das Ganze ein Risiko, aber ich hoffe, dass uns dieses Zusatzgeschäft schon kurzfristig helfen kann“, erklärt der Küchenchef und stellt nüchtern fest: „Wenn wir nichts tun, sterben wir in Schönheit.“

    Denn die erneute staatlich angeordnete Schließung aller Restaurants, daran lässt er keinen Zweifel, hält er für eine „Dummheit“. Die Gastronomen hätten sich nach der ersten Schließung gerade erst wieder ein bisschen freigeschwommen, hätten ein bisschen Stabilität bekommen, und jetzt folge der nächste Tiefschlag. Und er kritisiert, dass mal wieder die Perspektive für die Gastronomie fehle. „Keiner geht doch davon aus, dass wir am 1. Dezember wieder öffnen können.“

    Umso mehr freuen ihn die Bestätigungen, dass er mit seinem Start-up „Starchefbox“ offenbar auf dem richtigen Weg ist. Gerade hat ein Unternehmen bei ihm angefragt, das die Weihnachtsfeier für die Mitarbeiter wegen der Coronakrise absagen musste. Es will jetzt jedem der 2000 Mitarbeiter stattdessen eine Box von Alexander Herrmann zukommen lassen – um so wenigstens ein bisschen festtägliche Stimmung aufkommen zu lassen.

    Mehr: Promi-Koch Tim Mälzer: „Die Gastroszene wird sich massiv verändern“

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