Gegen das Innenstadtsterben City-Händler steigen bei eBay ein

Deutsche Innenstädte leiden unter teils dramatischen Umsatzrückgängen. In Mönchengladbach soll nun Internetgigant eBay das Geschäft mit ankurbeln. Ist der lokale Online-Marktplatz ein Beispiel für weitere City-Händler?
Mit dem Portal hoffen die Einzelhändler auf neue Kunden.
Mönchengladbach bei Ebay

Mit dem Portal hoffen die Einzelhändler auf neue Kunden.

MönchengladbachSchätzungsweise 45.000 Geschäfte des stationären Handels stehen in den kommenden fünf Jahren vor dem Aus. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Handelsforschung (IFH) in einer aktuellen Studie.

Damit sie diese dramatische Prognose nicht trifft, sind nun 50 Händler am Niederrhein ins Online-Geschäft eingestiegen. „Mönchengladbach bei eBay“ heißt das Pilotprojekt, das am vorigen Freitag offiziell an den Start gegangen ist.

Auf einem eigenen Ableger der eBay-Plattform bieten inhabergeführte Geschäfte wie Filialisten insgesamt rund 200.000 Produkte zum virtuellen Kauf an. Vom Werkzeughändler bis zum Teichbau-Fachmann sind alle auf dem lokalen Online-Marktplatz vertreten. Das Ziel: Der städtische Einzelhandel soll künftig durch das Potential des Online-Geschäfts gestärkt werden.

Mit dem Wissen, eBay an ihrer Seite zu haben, haben einige City-Händlern die Scheu verloren, ins virtuelle Geschäft einzusteigen. Und vielleicht können sie auch ein wenig am Erfolg des Internetgiganten teilhaben. Immerhin sind weltweit 157 Millionen Kunden bei eBay registriert, allein 17 Millionen in Deutschland.

Und die Marktmacht des Konzerns überzeugt auch Gerrit Heinemann. Der Handelsprofessor und Leiter des eWeb Research Center an der Hochschule Niederrhein betreut das Projekt aus wissenschaftlicher Sicht. „Wir wollten nicht bei null anfangen“, begründet er die Kooperation der Kommune mit eBay. „Das Schwierigste, was man gründen kann, ist ein Start-up.“

Sein Team und die Wirtschaftsförderung Mönchengladbach teilen die Einschätzung: Der lokale Online-Marktplatz hat nur in Zusammenarbeit mit eBay eine Chance – oder gar nicht.

Wo Ebay-Abtrünnige shoppen
Ebay
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Was sagen Nutzer über die Auktionsplattform Ebay? Viele haben bereits Alternativen zum Verkaufen und Kaufen gefunden.

Zum Artikel „Ebay zerlegt sich derzeit selbst“.

Amazon
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Das Online-Kaufhaus Amazon bietet fast alles: Vom Buch bis zum Rasenmäher. Facebook-Nutzer Gernot R. kommentiert auf der Handelsblatt-Facebook-Seite: „Das Einstellen von Artikel ist einfach umständlich und unübersichtlich, wenn man in mehreren Ländern und Sprachen vertreiben möchte. Zusätzlich sind die Gebühren für Fixpreisverkäufe ein Witz. Amazon ist das fortgeschrittener.“ Er hat aber auch noch einen Rat für die Auktionsplattform: „Ebay sollte wieder zu den Wurzeln von Auktionen zurückkehren und den Warenshop anderen überlassen.“

Kleinanzeigen
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Die gute alte Kleinanzeige gibt es nicht nur in Tageszeitungen: Auch online erfreut sich das Angebot großer Beliebtheit. Sven-Eric R. empfiehlt zum Beispiel das Portal Kalaydo. Maurice M. findet bei Ebay selbst die bessere Alternative: die Kleinzeigen der Plattform.

Facebook
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Roland H. empfiehlt Facebook für das Verkaufen: „Das was ich früher über Ebay verkauft habe geht heute viel schneller, billiger und seriöser über themenbezogene Facebook-Gruppen (z.B. „Gebrauchte Musikinstrumente -> 10.000 Mitglieder = 100% Zielgruppe!“) an neue Eigentümer.“

Marktplätze im Netz
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Der Marktplatz findet sich nicht nur offline in der Stadt, sondern auch im Netz: Nutzer Martin S. empfiehlt in den Kommentaren der Handelsblatt-Homepage zum Beispiel Smartvie. Hinter der Seite steckt ein Dortmunder Start-up, dass es mit der US-Konkurrenz aufnehmen will.

Kleiderkreisel
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Auch die Kleidertauschplattform Kleiderkreisel scheint eine Alternative zu Ebay. Wer früher seine Kleidung zum Trödel trug, kann die Klamotten auf der Plattform zum Verschenken, Tauschen oder Verkaufen anbieten. Ein neues Bezahlsystem mit Gebühren sorgten im November 2014 aber für Ärger bei den Nutzern, vorher erhob die Webseite keine Gebühren.

Wie das Geschäft im virtuellen Kaufhaus funktioniert? Über die eigene Einstiegsseite „Mönchengladbach bei eBay“ haben die Händler die Möglichkeit, ihr Angebot auf ihrer eigenen Online-Präsenz vorzustellen. Darüber können Kunden ihre Artikel online bei Geschäften bestellen und diese entweder dort abholen oder sich nach Hause liefern lassen.

Doch der neue Online-Marktplatz ist auch für die Händler mit viel zusätzlicher Arbeit verbunden. Obwohl eBay Unterstützung anbietet, kümmern sie sich allein um ihre eigene Shop-Seite. Zum Beispiel müssen sie von Fotos von den Produkten machen, diese mit Texten versehen und im Portal hochladen. Daher warnt eBay-Deutschland-Chef Stephan Zoll weitere City-Händler in anderen Städten vor zu großen Erwartungen: „Diese Kooperation wird es nicht überall geben. Mönchengladbach und der New Yorker Stadtteil Brooklyn sind bislang die einzigen Pilotprojekte.“ Bis Mitte kommenden Jahres soll die Testphase laufen. Erst dann wird sich zeigen, ob sich das Geschäft sowohl für die City-Händler als auch für eBay lohnen könnte.

Denn im ersten Jahr ist das Angebot für die Teilnehmer kostenlos, ab dem zweiten müssten sie dem Internet-Konzern eine Provision von bis zu acht Prozent gemessen am Umsatz überweisen. Zusätzlich zu einer jährlichen Gebühr von 300 Euro.

Es ist ein Versuch, dem Veröden der Innenstädte entgegenzuwirken. Doch auch Handelsexperte Heinemann weiß: „Ein Selbstläufer ist das nicht.“

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