Gemeinsame Zukunft Alitalia will bald mit Etihad verhandeln

Etihad hat nach Angaben des Alitalia-Chefs die Prüfung der Bücher der italienischen Fluggesellschaft fast abgeschlossen. Danach könnten zeitnah die Verhandlungen über einen Einstieg Etihads beginnen.
Kommentieren
Alitalia-Maschinen in Rom: Steigt bald Etihad ein? Quelle: dpa

Alitalia-Maschinen in Rom: Steigt bald Etihad ein?

(Foto: dpa)

RomAuf der Suche nach einem Geldgeber erwartet die italienische Fluggesellschaft Alitalia baldige Signale des Air-Berlin-Eigners Etihad Airways. Alitalia-Chef Gabriele Del Torchio sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag, das Unternehmen aus Abu Dhabi habe die Prüfung der Alitalia-Bücher fast abgeschlossen.

Binnen Tagen könnten nun die formellen Verhandlungen über einen Strategieplan für die Zukunft von Alitalia beginnen. Insidern zufolge liebäugelt Etihad mit der Übernahme von 40 Prozent. Zur Bedingung machten die Araber aber einen Konzernumbau nach ihren Vorstellungen, bei dem auch Stellen gestrichen und Schulden abgebaut werden sollen, wie mehrere mit den Überlegungen vertraute Personen sagten.

Etihad will auch die verlustträchtige deutsche Fluggesellschaft Air Berlin wieder auf die Erfolgsspur bringen. Dabei werde auch über eine Zusammenlegung mit Alitalia nachgedacht, verlautete unlängst aus Unternehmens- und Branchenkreisen. Nach Einschätzung von Experten ist die Einkaufstour von Etihad in Europa nur sinnvoll, wenn die einzelnen Airlines früher oder später zusammengeführt werden, um einen neuen Rivalen von Lufthansa oder British Airways-Iberia aufzubauen.

Das System Etihad
Air Berlin und Etihad Airways
1 von 10

Etihad

Flugzeuge: 89
Umsatz: 4 Milliarden
Passagiere: 11,5 Millionen

Die Linie hat in elf Jahren eine Größe erreicht, für die ihre Lokalrivalen Emirates aus Dubai und Qatar Airways aus Katar bis zu fünf Jahren mehr gebraucht haben. Um das Tempo weiter zu verstärken, hat sich die Linie ein dichtes Netz aus Partnern zugelegt...

Air France and Etihad to form joint venture
2 von 10

Das System hat zwei Kreise. Im äußeren sind gut 30 Partner, mit denen Etihad vor allem Codeshare genannte Gemeinschaftsflüge anbietet, wo sich die Linien Aufwand und Ertrag teilen und die Kunden bei beiden Airlines Meilen in den Vielfliegerprogrammen sammeln können. Dabei kooperiert Etihad quer durch alle Flugallianzen, etwa mit American Airlines aus Oneworld um British Airways, Air France aus Skyteam sowie All Nippon und Turkish Airlines aus der Star Alliance der Lufthansa. Dazu kommen noch jede Menge Exoten wie Ukraine International oder Bangkok – sowie der französischen Staatsbahn SNCF. Dazu kommt ein enger Kreis aus Equity Partner genannten Tochtergesellschaften, an denen Etihad zwischen drei und 49 Prozent der Anteile hält. Von ihnen arbeitet nur Aer Lingus wirklich profitabel. Doch mit ihrer Hilfe verdoppelt Etihad seine Größe.

Gruppe (ohne Alitalia)

Flugzeuge: 553
Umsatz: 11 Milliarden
Passagiere: 92,4 Millionen

Quelle: Unternehmensangaben, teilweise geschätzt

Irische Fluglinie Aer Lingus trotzt der Krise
3 von 10

Aer Lingus

Etihad-Anteil: 2,99 Prozent
Flugzeuge: 47
Flugziele: 58
Passagiere: 10,7 Millionen
Umsatz: 1,4 Milliarden Euro

Die 1936 gegründete Linie aus Irland hat mit die erstaunlichste Wandlung der Branche hinter sich. Gegründet als Staatslinie kooperierte sie eng mit British Airways in der Oneworld Allianz. Als sie unter dem Druck des irischen Lokalrivalen Ryanair vor gut zehn Jahren kurz vor der Pleite stand, reformierte sie sich zum Billigflieger, packte jedoch später ein paar Extras drauf. Nun agiert sie als Hybrid mit einem schlichten Standardprodukt auf Europaflügen, das die Passagiere durch Zukäufe verbessern können, und einem Premiumprodukt auf der Langstrecke in Richtung USA und Kanada. Damit schlägt sich die Linie am besten von allen europäischen Linien gegen  Ryanair – sowohl im Fluggeschäft als auch gegen unerbetene Übernahmeversuche durch den Lokalrivalen.

Quelle: Unternehmensangaben, teilweise geschätzt

Air Berlin am Nordpier
4 von 10

Air Berlin

Etihad-Anteil: 29 Prozent
Flugzeuge: 142
Flugziele: 147
Passagiere: 31,4 Millionen
Umsatz: 4,3 Milliarden Euro

Die vor fast 25 Jahren gegründete Fluglinie galt lange als Erfolgsgeschichte und Beispiel dafür, wie sich ein cleverer Selfmade-Mann wie Joachim Hunold gegen die Großen der Branche durchsetzte. Sie kaufte praktisch alle Airlines in Deutschland abseits der Lufthansa: vom Billigflieger DBA, dem Ferienflieger LTU sowie weiter Teile des Fluggeschäfts der Tuifly und Germania. Dabei unterliefen ihr jedoch drei Fehler. Sie überlastete ihr ohnehin nie wirklich profitables Geschäft mit den Verlustbringern, schloss nachteilige Verträge mit dem Touristikkonzern Tui und griff die lange ignorante Lufthansa unnötigerweise durch Flüge in deren Drehkreuz Frankfurt an. Als dann das Geld knapp wurde und Lufthansa zurückschlug, blieb nur die Flucht unter die Fittiche von Etihad. Doch trotz vieler Hilfen der arabischen Mutter sind die Zahlen schlecht und das Eigenkapital aufgebraucht. Erst kürzlich deutete Etihad-Chef James Hogan an, Air Berlin weiter helfen zu wollen.

Quelle: Unternehmensangaben, teilweise geschätzt

A firefighting vehicle sprays water near an Air Serbia Airbus A319 aircraft at Banja Luka International Airport during a ceremonial welcome
5 von 10

Air Serbia

Etihad-Anteil: 49 Prozent
Flugzeuge: 30
Flugziele: 30
Passagiere: 1,4 Millionen
Umsatz: 200 Millionen Euro

Die 1927 gegründete Staatslinie firmierte als JAT und setzte in Sachen Service lange eher negative Maßstäbe. Zuletzt machte die Sanierung zwar Fortschritte. Doch weil Gewinne ausbleiben, holte die Regierung schließlich Etihad an Bord.

Quelle: Unternehmensangaben, teilweise geschätzt

Air Seychelles
6 von 10

Air Seychelles

Etihad-Anteil: 40 Prozent
Flugzeuge: 7
Flugziele: 6
Passagiere: 0,4 Millionen
Umsatz: 90 Millionen Euro

Die 1978 gegründete Linie lebt von Inlandsflügen und touristischen Diensten auf der Inselgruppe im Indischen Ozean. Doch angesichts der wachsenden Konkurrenz, nicht zuletzt durch Urlaubsflieger aus Europa und die Linien vom Golf wie Emirates, drohte Air Seychelles das Ende - bis Etihad einstieg. Nun meldet die Linie einen kleinen Gewinn, ohne ihn jedoch zu spezifizieren.

Quelle: Unternehmensangaben, teilweise geschätzt

An Alitalia plane is pictured before takeoff at the Fiumicino airport in Rome
7 von 10

Alitalia

Etihad-Anteil: 49 Prozent
Flugzeuge: 137
Flugziele: 83
Passagiere: 24,3 Millionen
Umsatz: 3,6 Milliarden Euro

Die italienische Staatslinie gilt als bestes Beispiel für die Nachteile einer Staatslinie: schlechter Service, unzuverlässiger Betrieb und streikfreudige Gewerkschaften, die selbst für überholte Privilegien wie einen kostenlosen Abholdienst für Piloten kämpfen. Der Geist hat inzwischen mehrere Jahrzehnte Verluste, eine Handvoll halbherziger Sanierungsrunden und selbst den Einstieg eines inzwischen auf Effizienz getrimmten strategischen Investors wie Air France-KLM überstanden. Weil nun keine weiteren Staatshilfen mehr möglich sind, werfen die italienische Regierung und eine Reihe von ihr mehr oder weniger genötigter Investoren das Handtuch und holen Etihad an Bord; in der Hoffnung, dass die Petrodollars aus Abu Dhabi das Schlimmste in Form einer Modernisierung verhindern. Doch die Optimisten vergessen, dass Etihad zwar Geld gibt - aber nur gegen Reformen.

Quelle: Unternehmensangaben, teilweise geschätzt

Die rasant wachsende Fluggesellschaft aus dem Golf-Emirat hält seit 2011 knapp 30 Prozent der Air-Berlin-Aktien, hat aber de facto das Sagen. Etihad expandiert stark durch strategische Partnerschaften mit Konkurrenten und bekäme durch Alitalia Zugang zu Europas viertgrößtem Reisemarkt. Nach eigenen Angaben macht Etihad eine Investition aber nicht zuletzt davon abhängig, ob es einen erfolgversprechenden Plan zur Rückkehr in die schwarzen Zahlen gibt.

So verlangt Etihad Insidern zufolge den Abbau von mehreren Tausend der insgesamt rund 14.000 Alitalia-Jobs. Außerdem sollten Alitalia-Gläubiger wie die italienischen Banken Intesa Sanpaolo und UniCredit große Teile der Schulden von insgesamt 900 Millionen Euro abschreiben. Eine andere Möglichkeit wäre, Fälligkeiten zu verschieben oder Anleihen in Alitalia-Anteile umzuwandeln.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
  • rtr
Startseite

Mehr zu: Gemeinsame Zukunft - Alitalia will bald mit Etihad verhandeln

0 Kommentare zu "Gemeinsame Zukunft: Alitalia will bald mit Etihad verhandeln"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%