Gerry Weber, Hugo Boss, Steilmann Harte Zeiten für die deutsche Textilindustrie

Bei vielen namhaften Textilherstellern von Gerry Weber bis Hugo Boss liefen die Geschäfte schlechter als erwartet. Das führte 2015 zu Kurseinbrüchen bei den börsennotierten Modefirmen. Doch es gab auch Gewinner.
Der Kurs der Hugo-Boss-Aktie brach zwischen August und dem Jahresende um mehr als 30 Prozent ein. Quelle: dpa
Keine glänzenden Zeiten für Hugo Boss

Der Kurs der Hugo-Boss-Aktie brach zwischen August und dem Jahresende um mehr als 30 Prozent ein.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEs sind schwierige Zeiten für die deutsche Textilindustrie. Die deutschen Kunden geben ihr Geld immer häufiger lieber für neue Handys und Reisen aus als für neue Garderobe. Wichtige Auslandsmärkte wie Russland stecken in der Krise. Und der warme Winter verdarb zudem in großen Teilen Europas und Nordamerikas den Verbrauchern die Lust auf die Winterkollektionen.

Erstmals habe sich deshalb die deutsche Modeindustrie 2015 vielleicht sogar „noch einen Ticken schlechter“ entwickelt, als der seit Jahren schwächelnde deutsche Modehandel, meint der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes German Fashion, Thomas Rasch.

Einige namhafte Hersteller traf es besonders hart: Gerry Weber, Hugo Boss oder die Steilmann-Gruppe schockten 2015 die Börse mit Gewinnwarnungen. Die Tom-Tailor-Gruppe kündigte ein Kostensenkungs- und Effizienzprogramm an, das unter anderem die Schließung nicht so profitabler Filialen und eine deutliche Verringerung des Expansionstempos vorsah.

Die Folgen waren dramatisch. Der einstige Börsenliebling Gerry Weber verlor 2015 rund 63 Prozent an Wert. Die Tom-Tailor-Aktie verzeichnete zwischen Januar und Dezember Einbußen von mehr als 55 Prozent. Der Kurs der Hugo-Boss-Aktie brach zwischen August und dem Jahresende um mehr als 30 Prozent ein.

Auch der mit großen Hoffnungen gestartete Börsengang von Steilmann geriet zum Trauerspiel: Der Modekonzern musste die Zahl der an die Börse gebrachten Papiere von ursprünglich geplanten 19,5 Millionen auf 2,5 Millionen reduzieren und auch beim Preis am untersten Ende der festgelegten Preisspanne bleiben. „Mode nicht in Mode“, titelte das Branchenfachblatt „Textilwirtschaft“ angesichts des Börsendebakels der Fashionbranche.

Das sind Europas größte Modekonzerne
Platz 10: Calzedonia
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Die Fachzeitschrift „TextilWirtschaft“ untersucht jedes Jahr die Umsätze der größten europäischen Bekleidungshersteller. Die Analyse zeigt: Der Markt steht vor großen Herausforderungen. Zwar konnten die meisten Konzerne wie zum Beispiel Calzedonia wachsen, doch die Krise in Russland und der Ukraine dürfte sich früher oder später in den Bilanzen niederschlagen.

Umsatz 2013: 1,60 Milliarden Euro
Umsatz 2014: 1,85 Milliarden Euro
Veränderung: + 15,4 Prozent

Platz 9: Giorgio Armani
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1975 gründete Georgio Armani das Modelabel Armani. Mittlerweile gehört der Konzern zu den Größten der Modebranche. Für Armani arbeiten rund 6500 Menschen. Neben Kleidungsstücken vertreibt Armani außerdem Home-Artikel und Parfüms. Seit 2002 verkauft der Konzern auch Konfiserie-Artikel sowie verschiedene Honig- und Marmeladensorten. Acht Jahre später entstand im Burj Khalifa in Dubai das erste Hotel im Armani-Stil.

Umsatz 2013: 1,75 Milliarden Euro
Umsatz 2014: 2,00 Milliarden Euro
Veränderung: + 14,2 Prozent

Platz 8: Esprit
3 von 10

Ehemals etablierte Marken sind zu teuren Restrukturierungen gezwungen. So muss sich Esprit auf die Ansprüche der Kunden im digitalen Zeitalter einstellen, heißt es in der Studie von „TextilWirtschaft“. Auch Gerry Weber ist davon betroffen. Darüber hinaus leiden die Modekonzerne auch unter dem starken Dollar, der die Beschaffung verteuert. Esprit trifft es besonders hart. Bei keinem anderen Modekonzern in den Top-20 ist der Umsatz derart stark geschmolzen.

Umsatz 2013: 2,35 Milliarden Euro*
Umsatz 2014: 2,10 Milliarden Euro**
Veränderung: - 10,7 Prozent

*Geschäftsjahr 2013/14
**Geschäftsjahr 2014/2015

Platz 7: Kering
4 von 10

Das französisch-italienische Modeunternehmen Kering dürften nur den Wenigsten bekannt sein. Doch mit Labels wie Puma oder Gucci erreicht der Konzern ansehnlich Umsätze. 2014 konnte Kering seinen Umsatz um knapp zwölf Prozent erhöhen.

Umsatz 2013: 2,13 Milliarden Euro
Umsatz 2014: 2,38 Milliarden Euro
Veränderung: + 11,6 Prozent

Platz 6: Hugo Boss
5 von 10

damDie Edelmarke Hugo Boss ist das zweitgrößte Modeunternehmen Deutschlands. Gegründet wurde es 1924 in Metzingen durch Hugo Ferdinand Boss. Ursprünglich stellte Hugo Boss Berufskleidung her. Unrühmlich ist die Vergangenheit des Konzerns. Im Zweiten Weltkrieg stellte der Konzern die Uniformen für SA, SS und die Wehrmacht her. Dafür wurden unter anderem Zwangsarbeiter aus West- und Osteuropa eingesetzt. Erst nach dem Krieg und dem Tod des Gründers 1948 wurde Hugo Boss zum Modekonzern. Unter der Leitung von Hugo Ferdinand Boss' Schwiegersohn Eugen Holy begann das Unternehmen damit, Herrenanzüge herzustellen.

Umsatz 2013: 2,43 Milliarden Euro
Umsatz 2014: 2,57 Milliarden Euro
Veränderung: + 5,8 Prozent

Platz 5: Tommy Hilfiger
6 von 10

Modedesigner Tommy Hilfiger rief 1984 in New York sein eigenes Modelabel ins Leben. Dass der Konzern im Ranking europäischer Modekonzerne gelistet ist, hat er seinem Firmensitz zu verdanken. Tommy Hilfiger sitzt seit 1997 in Amsterdam. 13 Jahre später wurde das Unternehmen durch den US-Konzern Phillips-Van Heusen übernommen.

Umsatz 2013: 2,56 Milliarden Euro*
Umsatz 2014: 2,70 Milliarden Euro*
Veränderung: + 5,3 Prozent

*Geschäftsjahr 2013/14
**Geschäftsjahr 2014/15

Platz 4: Christian Dior
7 von 10

Direkt nach dem Krieg gegründet, trug Christian Dior maßgeblich dazu bei, dass sich Paris als Modehauptstadt der Welt etablieren konnte. Insgesamt beschäftigt das Unternehmenskonglomerat über 100.000 Mitarbeiter. Für die Modesparte von Dior arbeiten knapp 3600 Menschen.

Umsatz 2013: 2,26 Milliarden Euro
Umsatz 2014: 2,70 Milliarden Euro
Veränderung: + 19,6 Prozent

Die Gründe für diese Entwicklung seien vielfältig, betont Rasch. So mache den Unternehmen zu schaffen, dass Mode gegenüber anderen Konsumgütern an Bedeutung verloren habe. „Viele Verbraucher sind heißer auf ein Handy oder auf eine Reise, als auf neue Kleidung“, meint der Branchenkenner.

Opfer der eigenen Wachstumspläne
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