Gerry Weber Modefirma kippt nach Rabattschlacht Prognose

Rabattschlachten im Modehandel und Kosten für die Expansion belasten Gerry Weber. Nun kippt die Modefirma ihre Prognose. Der Umsatz soll aber dank der Übernahme des Konkurrenten Hallhuber steigen.
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Im Frankfurter Späthandel verlor die Aktie knapp sieben Prozent im Vergleich zum Xetra-Schluss. Quelle: dpa
Gerry Weber unter Druck

Im Frankfurter Späthandel verlor die Aktie knapp sieben Prozent im Vergleich zum Xetra-Schluss.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Modefirma Gerry Weber hat nach einem Gewinneinbruch ihre Prognose gekippt. Das operative Ergebnis (Ebit) werde im laufenden Geschäftsjahr 2014/15 um 20 bis 25 Prozent unter dem Vorjahreswert von 108,9 Millionen Euro liegen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Bislang hatte das Unternehmen einen leichten Ergebnisanstieg in Aussicht gestellt.

Der Umsatz soll dank der Übernahme des Konkurrenten Hallhuber hingegen um einen hohen einstelligen Prozentbereich steigen. Das wären im besten Fall knapp 940 Millionen Euro – bislang hatte Gerry Weber aber einen Gesamtumsatz von mindestens 970 Millionen Euro angepeilt. Im Frankfurter Späthandel verlor die Aktie knapp sieben Prozent im Vergleich zum Xetra-Schluss.

Diese Modeketten zahlen Hungerlöhne
huGO-BildID: 6976306 Eine Schaufensterpuppe steht in einem mit Werbung beklebten Schaufenster beim Sommerschlussverkauf am Montag, 24. Juli 2006, in
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Die Textilbranche und der Trend zu ultragünstiger Kleidung in Industrieländern steht seit einiger Zeit in der Kritik, spätestens seit dem verheerenden Unfall in der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka im Frühjahr 2013. Doch Veränderungen ergeben sich nur langsam, dies zeigten zuletzt Rückblenden ein Jahr nach der Katastrophe, die vor allem die Sicherheitsbedingungen in den Fabriken in den Fokus nahmen.

Frauenpower in Bangladesch
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Einen weiteren Aspekt, der nach diesem und weiteren Unfällen stark diskutiert wurde, behandelt der aktuelle Clean Cloth Kampagne Firmencheck 2014: die unwürdigen Löhne, für die viele Arbeitnehmer bei Zulieferern von Kleidungsherstellern wie hier in Bangladesch schuften müssen. Die Nichtregierungsorganisation Clean Clothes Kampagne (CCK) hat 48 Firmen auf diesen Aspekt hin untersucht und kommt zu dem Ergebnis: Die meisten Firmen bieten vollkommen unzureichende Standards.

Versandhaus Quelle insolvent
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Mit 15 Firmen bekamen die meisten der getesteten Unternehmen ein Ungenügend – setzen sich also „kaum für die Bezahlung eines Existenzlohnes ein“. 13 Firmen antworteten indes gar nicht und haben somit vermutlich ebenfalls keine sonderlich präsentablen Zustände vorzuweisen. Diese Profile, etwa von Mexx, Benetton, Armani und Hugo Boss recherchierten die Analysten selbst aus öffentlichen Quellen. Hier eine Übersicht über die schwarzen Schafe der Branche laut der Clean Clothes Kampagne.

Aldi - Preissenkung
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Aldi

Aldi gibt an, der eigene Kodex sehe den gesetzlichen Mindestlohn in allen Produktionsländern vor und das Unternehmen arbeite in der Business Social Compliance Initative (BSCI) darauf hin, dass dies auch eingehalten werde. Das bewertet die NGO jedoch offenbar als Lippenbekenntnis: Es gebe „kaum Anhaltspunkte“, dass Aldi das Problem der Niedriglöhne wirklich angehe. Da das Unternehmen alle Waren von Agenturen, also Mittelsmännern, kaufe, entziehe sich Aldi der Verantwortung, die eigenen Zulieferer zu kontrollieren. Diese Verantwortung bleibe aber bestehen.

A customer pushes a shopping trolley as she arrives at the Carrefour's Bercy hypermarket in Charenton Le Pont, near Paris
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Carrefour

Der französische Konzern lässt in verschiedensten Ländern wie Brasilien, aber auch Bangladesch produzieren, allerdings nicht in eigenen Fabriken. Deshalb, so Carrefour, sei man auch nicht für die Angestelltenlöhne zuständig. Man sehe in der eigenen Charta aber vor, dass die Löhne die Grundbedürfnisse abdecken sollten. Dies ist der Clean Clothes Kampagne zu wenig: Allein ein Bekenntnis zu Grundbedürfnis deckenden Löhnen helfe den Arbeitnehmern wenig, wenn Carrefour keine Verantwortung für die Umsetzung übernehme.

Voegele
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Charles Vögele

Das Schweizer Unternehmen beantwortete die Anfrage der Kampagne mit vorgefertigten Standardantworten der Businessvereinigung BSCI, beruft sich darauf, mit der Initiative auf Existenzlöhne hinzuarbeiten. Die BSCI ist eine Industrie-Initiative von mehr als 600 Unternehmen und wurde gegründet, um die Bemühungen der Branche zu bündeln. CCK kritisiert, dass der Standard nicht verpflichtend sowie kaum extern nachvollziehbar sei und dass er die Zulieferer nicht bei der Verbesserung der Arbeitsbedingungen unterstütze. Eine Firma wie Vögele, die im Heimatland und in Deutschland mit einer verantwortlichen Mitarbeiterpolitik und Ausbildungsbedingungen werbe, verstecke sich hinter der intransparenten Vereinigung. Noch dazu scheint problematisch, dass Vögele die Freiwilligkeit des Existenzlohns betont.

NACKTER EINKAUF
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Decathlon

Man bevorzuge eine „Schritt-für-Schritt“-Methode für die eigene Lieferkette, nach und nach sollten die Bedingungen verbessert werden. Das antwortete das französische Unternehmen Declathon von der Oxylane-Gruppe, das hier bei einer Expo-Aktion für Nacktshopper 2001 eine gewisse Lässigkeit und Humor zeigt, auf die CCK-Anfrage. Grundsätzlich stimme es einem Existenzlohn aber zu. Diese Form von Lockerheit und Lässigkeit findet die Organisation unpassend: „Ein Großunternehmen wie Oxylane kann es sich nicht leisten, keinen klar definierten Standpunkt zur zentralen Frage des Existenzlohns zu haben“, lautet der vernichtende Kommentar von CCK. Stattdessen müsse es seine Marktmacht nutzen, um die Zulieferer per Richtlinie an einen Existenzlohn zu binden.

Im ersten Halbjahr lasteten die Rabattschlachten im Modehandel sowie Kosten für die Expansion auf dem MDax-Unternehmen. Das operative Ergebnis sank um gut ein Viertel auf 36,2 Millionen Euro. Der Umsatz legte zwar um 4,8 Prozent auf 432,7 Millionen Euro zu, blieb damit aber hinter den Erwartungen des Managements zurück.

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