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Geschäfte in der Krise Händler fordern klare Anweisungen statt Verbote

Ein zügiges Hochfahren der Geschäfte sei gefahrlos möglich, drängen die Unternehmen – wenn die Politik die Regeln ändert und deutschlandweit angleicht.
23.04.2020 - 12:23 Uhr Kommentieren
Der Handel versucht mit allen Mitteln, ein sicheres Einkaufserlebnis zu gewährleisten. Quelle: dpa
Thalia-Buchhandlung in Stuttgart

Der Handel versucht mit allen Mitteln, ein sicheres Einkaufserlebnis zu gewährleisten.

(Foto: dpa)

Düsseldorf In vielen Städten öffnet jetzt langsam wieder ein Laden nach dem anderen. Und bei vielen Händlern ist dieser wichtige erste Schritt in Richtung Normalität Chefsache. „Ich habe mir das am ersten Tag persönlich in vielen Buchhandlungen sowohl in den Innenstädten als auch in Einkaufszentren angeschaut und hatte den Eindruck, dass alles generalstabsmäßig vorbereitet und sehr gut abgelaufen ist“, erzählt Michael Busch, Chef der Buchhandelskette Thalia Mayersche.

Umfangreiche Hygienemaßnahmen begleiteten den Neustart: Mund-Nasen-Schutz sowie Handschuhe waren im Einsatz, Zählkontrollen am Eingang, getrennte Ein- und Ausgänge, wo das möglich ist, auch Desinfektionsmittel für Kunden und markierte Abstandszonen an der Kasse.

„Wir hatten da aber auch schon eine gewisse Routine entwickelt“, berichtet Busch. Denn die Läden in Berlin und Sachsen-Anhalt durften schon früher wieder öffnen, und in der vergangenen Woche waren viele Läden bereits für den Abholservice geöffnet.

Schwieriger war es für die Elektronikketten Media Markt und Saturn. Sie mussten ihre Filialen nicht nur umrüsten, sondern auf eine Fläche von 800 Quadratmetern verkleinern, um zumindest in einigen Bundesländern wieder verkaufen zu dürfen.

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    „Wir gehen die Öffnung der Märkte sehr sorgfältig an“, erklärt Bernhard Düttmann, Chef der Muttergesellschaft Ceconomy. „Jeder Laden muss vorher mit Fotos dokumentieren, dass alle Hygienemaßnahmen genau umgesetzt sind, wie die Kassenzonen aussehen, ob alle Markierungen für Abstände und Schilder mit Verhaltensregeln gemacht sind.“ Auch werden alle Mitarbeiter in einem speziellen Training für die neue Situation geschult.

    Doch die Händler kämpfen nicht nur mit der operativen Umstellung auf die neuen Bedingungen in der Coronakrise. Viele beklagen, dass ihnen die Entscheidungen der Politik zusätzlich das Leben schwer machen und ihnen nicht nachvollziehbare Beschränkungen auferlegen.

    Insbesondere die großen Unterschiede bis hin auf kommunaler Ebene rufen Kritik hervor. „Stark voneinander abweichende Landesregelungen fördern nur den Unmut über einen Flickenteppich unterschiedlicher Verordnungen – und dies im Bereich des Einzelhandels nicht nur auf Händler- und Vermieter-, sondern vor allem auch auf Kundenseite“, klagt Andreas Mattner, Präsident des Spitzenverbands der Immobilienwirtschaft (ZIA).

    „Wettbewerbsverzerrungen und Rechtsunsicherheiten“

    Im Zentrum der Kritik steht weiter das Verbot, Geschäfte zu öffnen, die eine Verkaufsfläche von mehr als 800 Quadratmetern haben. „Die Vorgaben führen zu Wettbewerbsverzerrungen und Rechtsunsicherheiten“, kritisiert Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes HDE.

    Diese umstrittene Regelung wurde am Mittwoch zunächst in Hamburg gekippt. Der Sporthändler Sportscheck war mit einem entsprechenden Eilantrag gegen die Corona-Maßnahme vor dem Verwaltungsgericht erfolgreich. Die Richter kippten erstmals die angeordneten Ladenschließungen.

    Sie argumentieren, der Infektionsschutz lasse „sich in großflächigen Handelsgeschäften ebenso gut wie oder sogar besser als in kleineren Einrichtungen einhalten“. Daher sei die Gewerbefreiheit mit dem Bund-Länder-Kompromiss unzulässig eingeschränkt worden.

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    Allerdings hat die Hansestadt Hamburg gegen die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Beschwerde bei der nächsten Instanz, dem Oberverwaltungsgericht, erhoben und beantragt, dass die umstrittene Regelung bis zur Entscheidung in Kraft bleibt. Daher wird Sportscheck, das seit Kurzem zu Galeria Karstadt Kaufhof gehört, seine Verkaufsfläche zunächst nicht ausweiten können. in der kommenden Woche will das Hanseatische Oberverwaltungsgericht die Lage klären.

    Ganz unabhängig von dieser Entscheidung fordern die Händler, dass die Regierungen klarere Vorgaben für den Schutz vor Ansteckung machen, die keinen Händler diskriminieren und ein zügiges Hochfahren des Handels möglich machen. „Wir müssen weg von Verboten und hin zu Handlungsanweisungen. Das ist der Weg, wie wir die Bevölkerung zur neuen Normalität mitnehmen“, rät Ceconomy-Chef Düttmann. „Wichtiger wären wenige Regeln, die aber klar sind“, ergänzt Thalia-Chef Busch.

    Busch kann zwar die Sorge der Politik in Teilen nachvollziehen, dass man sich bei der Öffnung überschlägt „und mit dem Hintern einreißt, was man mit den Händen aufgebaut hat“. Das heiße für ihn aber nicht, dass man langsamer machen sollte. „Die Politik sollte die Regeln vorgeben, ausfüllen müssen sie die Bürger und die Unternehmen“, betont er. „Bei den Hygienevorschriften wären klarere Vorgaben gut.“ Dass alle Bundesländer jetzt die Maskenpflicht einführen, begrüßt er ausdrücklich.

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    Angst sei ein schlechter Ratgeber, sagt Busch. „Aber wenn wir klare Regeln haben, die wir befolgen, dann werden wir eine kontinuierliche Phase der Lockerung haben und alle Instrumente in der Hand haben, um zu vermeiden, dass es einen Rückfall gibt. Davon bin ich fest überzeugt.“

    Die Händler schlagen vor, das richtige Verhalten in Zeiten der Pandemie in Videos zu visualisieren, ähnlich den Videos, die das Verhalten an der Sicherheitskontrolle am Flughafen zeigen. „Die meisten Menschen reagieren stärker auf Bilder als auf Worte“, weiß Busch.

    Diese Filme könnten dann auch zu prominenter Sendezeit im Fernsehen gezeigt werden. „Das wäre für die Bürger viel leichter zu verstehen als negative Vorgaben. Und das würde auch der Politik helfen, dass die Botschaften richtig verstanden werden“, sagt auch Ceconomy-Chef Düttmann.

    Handelsverband beziffert Schaden mit 30 Milliarden Euro

    Der Handel ist in großer Sorge, dass die unklare Situation rund um die Wiederöffnung von Geschäften die ohnehin schon hohen Umsatzverluste in der Branche noch verstärkt. Der Kaufhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof beispielsweise, der seine wöchentlichen Umsatzeinbußen durch die Komplettschließung auf 80 Millionen Euro beziffert hatte, kämpft gerade darum, zumindest auf Teilflächen von bis zu 800 Quadratmetern wieder öffnen zu dürfen. In einigen Bundesländern ist dies erlaubt, in anderen nicht. So kann das Unternehmen bisher nur in 50 von 170 Filialen wieder verkaufen.

    Auch die Frage, ob Läden öffnen dürfen, die zwar weniger als 800 Quadratmeter Verkaufsfläche haben, jedoch in großen Einkaufszentren liegen, wird überall anders gehandhabt. „Um nicht wieder in höhere Infektionsraten zurückzufallen, müssen Abstände und Hygienemaßnahmen eingehalten werden. Darin wollen wir die Politik unterstützen“, sagt Düttmann. „Aber wir dürfen uns nicht in Regelwerken verstricken“, mahnt er. Es werde ohnehin anfangs noch eine Kaufzurückhaltung geben. Bis der Handel wieder auf den alten Volumina sei, werde es lange dauern.

    Deshalb drängt der Handel auf ein zügiges Hochfahren, für viele Händler geht es um die Existenz. Der HDE beziffert den bisher entstandenen Schaden auf 30 Milliarden Euro. „Es liegt auf der Hand, dass viele Unternehmen ökonomisch irgendwann an ihre Grenzen kommen“, beobachtet Thalia-Chef Busch. Und das habe auch eine Kehrseite. „Die Ökonomie finanziert am Ende das Gesundheitswesen und stabilisiert unsere Gesellschaft. Das ist ein Dreieck, in dem wir eine Optimierung finden müssen.“

    Doch wie das Überleben des Handels gesichert werden kann, darüber gibt es unterschiedliche Vorstellungen. Der Immobilienverband ZIA beispielsweise hat die Entlastung durch steuerliche Maßnahmen angeregt. „Anstelle von ruinösen Rabattschlachten um die Saisonware nach dem Shutdown könnte eine temporäre Halbierung der Mehrwertsteuer den besseren Anreiz geben“, schreibt er in einem Positionspapier.

    Der HDE wiederum bringt Konsumschecks ins Gespräch, eine Lösung, die auch Thalia-Chef Busch für sinnvoll hält. Das könne er sich vorstellen als Ausgleich für Unternehmen, die ihre Läden geschlossen halten mussten. „Und wenn ich einen Wunsch frei hätte, wäre das eine Erhöhung des Kurzarbeitergeldes“, sagt er. Das senke die Kosten und wirke zugleich konsumverstärkend.

    Eine Erhöhung des Kurzarbeitergeldes würde auch der Ceconomy-Chef begrüßen. Doch bei direkter Staatshilfe ist er skeptisch. „Bei konjunkturellen Hilfen des Staates für die Unternehmen muss man vorsichtig sein, denn irgendwer muss das ja alles auch bezahlen“, mahnt er. „Der Staat kann nicht mit unbegrenzten Programmen in Vorleistung gehen.“

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