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Gesundheitliche Gründe Alain Caparros räumt den Chefposten beim Modekonzern C&A

Der 62 Jahre alte Caparros, der im Oktober einen Herzinfarkt erlitten hat, tritt als C&A-Chef zurück. Ein Mitglied des verschwiegenen Unternehmerfamilie Brenninkmeijer übernimmt.
Update: 20.03.2019 - 16:55 Uhr Kommentieren
Rücktritt bei C&A: Warum Alain Caparros den Chefposten räumt Quelle: dpa
Alain Caparros

C&A-Chef Alain Caparros sieht sich „nicht mehr in der Lage, meine Position mit dem erforderlichen Einsatz auszufüllen“.

(Foto: dpa)

DüsseldorfNun also doch: Alain Caparros gibt seinen Posten als Chef von C&A Europa aus gesundheitlichen Gründen ab. Der 62-Jährige, der 2017 bei dem Bekleidungsunternehmen als Modernisierer angetreten war und im Herbst 2018 einen Herzinfarkt erlitt, hört offenbar auf den Rat seiner Ärzte.

„Ich habe das Unternehmen mit Leidenschaft und Engagement geführt. Leider sehe ich mich aufgrund meines Herzinfarkts im vergangenen Jahr nicht mehr in der Lage, meine Position mit dem erforderlichen Einsatz auszufüllen“, erklärte er am Mittwochmittag.

Es ist ein plötzlicher, radikaler Schritt für den Manager, der zuvor den Lebensmittelkonzern Rewe geführt und grundlegend saniert hatte. Noch im vorigen November gab er sich vor Vertretern der Textilbranche in Düsseldorf unerschütterlich und kampfeslustig.

Freimütig erzählte der in Algerien geborene und in Frankreich aufgewachsene Firmenchef von seinem Infarkt, dem Krankenhausaufenthalt zuvor und gab zu: Die gesundheitliche Grenzerfahrung habe ihn dazu gebracht, über Grundsätzliches nachzudenken.

Er habe auch nicht alles richtig gemacht in seinem Berufsleben: „Ich habe viel Glück gehabt in meiner 35-jährigen Karriere. Meine Bilanz ist im Endeffekt so: Oh, là, là.“

Auch das war ein radikales Bekenntnis für einen so umtriebigen wie antreibenden Wirtschaftslenker, der seine Karriere einst bei der Kosmetik-Kette Yves Rocher begann, sie bei Aldi-Nord und Rewe fortsetzte und vor seinem Wechsel zu C&A auch ein Intermezzo im Aufsichtsrat von Karstadt einschob. Das endete nach wenigen Monaten 2011 mit einer öffentlichen Attacke auf Investor Nicolas Berggruen – ja, Caparros, der als so unkonventionell wie impulsiv gilt, ist ein Mann klarer Meinungen und offener Worte.

Von kürzertreten oder gar abtreten war jedenfalls auch im November noch nichts zu hören, im Gegenteil: Agil und angriffslustig, wie ihn Weggefährten kennen, wetterte er dort zum Beispiel, die Textilbranche habe den Angriff des Billiganbieters Primark regelrecht „verpennt“.

Eigentlich wollte sich der Vater von drei Kindern ja schon zum Ende seiner Zeit bei Rewe zur Ruhe setzen – aber es kam anders, als ihn der verschwiegene Unternehmerclan Brenninkmeijer als Chef und Sanierer für seinen Bekleidungskonzern gewann. Caparros trat dort an, um das Wunder von Rewe bei dem Traditionsunternehmen im Besitz der deutsch-niederländischen Familie zu wiederholen.

C&A Europa, ein Bekleidungsgigant mit etwa 1.500 Filialen und 35.000 Mitarbeitern, macht allein in Deutschland einen Umsatz von 2,3 Milliarden Euro. Doch das Image des 1841 gegründeten Unternehmens war in die Jahre gekommen.

Caparros sollte das ändern. Er verkleinerte das Topmanagement, holte unternehmensfremde Marken wie Mustang Jeans ins Haus, vereinbarte eine Kooperation mit der Deko-Kette Butlers, etablierte den „Best Deal“ – eine Billiglinie im Kampf gegen Primark.

Manche Aktion ließ Verkäufer auch mal den Kopf schütteln: etwa als in Filialen plötzlich auch Bobbycars zum Verkauf standen. Im Unternehmen fanden es viele gut, dass er die Kultur der offenen Bürotür einführte – anderen wiederum stieß seine emotionale und direkte Art übel auf.

Der Manager, dessen Familie mit zwei Koffern aus Algerien floh, als er sechs Jahre alt war, ist ja keineswegs verschwiegen, äußert sich auch mal politisch. So sagte er in der Flüchtlingskrise im September 2015, nachdem er die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen hatte, er schäme sich, aus Frankreich zu kommen, und sei nun stolz auf „sein Land“.

Caparros' Abgang schmerzt die Brenninkmeijers

Caparros ist ein streitbarer Typ, aber sein plötzlicher Abgang muss die Brenninkmeijers schmerzen, die sich ja schwertaten, einem familienfremden Manager Vertrauen zu schenken. Martijn Brenninkmeijer, Vorsitzender der C&A AG sowie der übergeordneten Cofra-Holding, gab am Mittwoch über Caparros zu Protokoll: „Er hat C&A in die richtige Richtung gelenkt, und das in einer Zeit mit vielen Herausforderungen im Einzelhandelssektor.“

Es übernimmt nun erst mal wieder ein Mitglied der Familie: Edward Brenninkmeijer, der seit 2014 C&A Brasilien, Mexiko und China leitet.

Er trug schon einmal kurz die Verantwortung für das Europageschäft – von Mitte Mai 2017, als Philippe Brenninkmeijer von der Europaspitze zurückgetreten war, bis August 2017, als Caparros kam. Mehr ist über den Mann, der nun mit dem Nimbus des Lückenbüßers antritt, nicht bekannt.

Ob Caparros’ Umbaumaßnahmen und Innovationen den erhofften Erfolg bringen, wird sich erst zeigen, wenn er schon längst nicht mehr auf dem Chefsessel sitzt. Aber er wird noch weiter präsent bleiben: Vertraute wie Deutschlandchef Mohamed Bouyaala und C&A-Finanzvorstand Tjeerd van der Zee, die Caparros in den Konzern holte, bleiben. Und auch er selbst will weiterhin als Berater zur Verfügung stehen.

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