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Geteilte Mobilität E-Bike-Sharing Bond: Ausleihzonen vor Betrieben als Teil des Geschäftsmodells

Raoul Stöckle startet zusammen mit Free Now ein Leihsystem. Geld sollen dank des innovativen Geschäftsansatzes vor allem Unternehmenskunden bringen.
03.09.2020 - 03:43 Uhr Kommentieren
Eckart Diepenhorst, Geschäftsführer FreeNow, Silvia Fischer, Vice President Partnerships FreeNow und Raoul Stöckle, Geschäftsführer von Bond Mobility, (v.l.n.r.) stehen mit E-Bikes der Firma Bond Mobility für ein Gruppenfoto zusammen. Quelle: dpa
Erste E-Bike Flotte in Hamburg

Eckart Diepenhorst, Geschäftsführer FreeNow, Silvia Fischer, Vice President Partnerships FreeNow und Raoul Stöckle, Geschäftsführer von Bond Mobility, (v.l.n.r.) stehen mit E-Bikes der Firma Bond Mobility für ein Gruppenfoto zusammen.

(Foto: dpa)

Hamburg Carsharing, E-Roller-Leihsysteme oder Stadtfahrräder: Leihfahrzeuge gibt es in Deutschlands Städten inzwischen reichlich. Viele Konzepte ähneln sich: Masse soll irgendwann einmal Gewinn abwerfen. Da ist es erfrischend, mit Raoul Stöckle zu sprechen. Der Schweizer hat eigene Ideen für sein E-Bike-Sharing. Das liegt wohl auch an der Geschichte seines Start-ups Bond Mobility.

Auf den ersten Blick unterscheidet sich das System, das derzeit mithilfe von Free Now in Hamburg und München startet, kaum von dem der E-Roller-Anbieter. Die Elektroräder stehen frei verfügbar in der Stadt und sind per App ausleihbar. Nur sind es bei Bond massive Räder, die auf bis zu 45 Stundenkilometer beschleunigen.

Nicht direkt sichtbar ist das unterschiedliche Geschäftsmodell. Stöckle hat Bond ursprünglich entwickelt, als er Innovationschef der Schweizer Versicherung Die Mobiliar war. Die Versicherung hatte ihn wegen seiner Erfahrung mit Start-ups – etwa eine Bäckereikette für Brot vom Vortag und eine Stromhandelsplattform – geholt.

Zu seinen Ideen gehörte damals, Kunden über das Bike-Sharing mit der Versicherungsmarke in Kontakt zu bringen. Darüber hinaus wollte Stöckle Kundendaten etwa zum Fahrverhalten nutzen. Riskanten Radfahrern hätte die Versicherung dann beispielsweise eine Autoversicherung verweigern können. „Wer auf dem E-Bike Risiken eingeht, macht das fast immer auch im Auto“, lautet seine Erkenntnis aus der Zeit.

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    Daten nur noch für den Hausgebrauch

    Doch bald nach dem Start 2016 sah Stöckle weltweites Potenzial für die schnellen E-Bikes – anders als die Versicherung. Zusammen mit zwei Mitstreitern entschied er sich beim Start-up zu einem Management-Buy-out. „Wir haben das Unternehmen danach radikal umgebaut, um als echtes Start-up agieren zu können“, erklärt der 46-jährige promovierte Chemiker. Dazu gehörte eine neue Strategie, die Kernthese jedoch blieb: Mit Verleih allein wird kein Anbieter wirklich Geld verdienen. Stöckle entwickelte also Ideen drumherum.

    Der Verkauf von Daten steht dabei nicht mehr im Mittelpunkt. Zwar erhebt Bond weiterhin Daten seiner Kunden: Wann leihen sie Räder? Wie schnell fahren sie, wie hart bremsen sie? Stöckle nutzt diese Daten aber intern. Er teilt damit die Kunden in Gruppen ein: Rationale Typen erhalten einen Newsletter, der nüchtern die Vorteile der Räder aufführt. Eher emotionale Radler will Stöckle mit Themen wie Nachhaltigkeit locken. Solche Typen seien zudem eher bereit, die Räder nicht einfach irgendwo abzustellen, sondern in Rabattzonen.

    An der Stelle kommt Stöckles innovative Umsatzidee ins Spiel: Er will Unternehmen Zonen verkaufen, in denen Nutzer die Räder kostenlos oder zum halben Fahrpreis zurückgeben können. Ein Bäcker etwa könnte so Nutzer direkt vor seinen Laden locken – und mit einem Kaffeegutschein in der Bond-App sogar bis in den Laden. „In New York ist der Umsatz der Läden an neuen Fahrradrouten um 70 Prozent gestiegen. Einen ähnlichen Effekt können wir auch auslösen“, hofft Stöckle – und will seinen Teil davon abhaben.

    Arbeitgeber sollen zudem Fahrrad-Spots fürs kostenfreie Abstellen vor ihren Büros kaufen. In Zürich habe das etwa Google gemacht, sagt Stöckle. Kostenpunkt: um die 10.000 Franken im Jahr. Dafür könnten die Arbeitgeber Parkplätze einsparen. Zudem können Unternehmen eigene Flotten buchen, auch in Städten, in denen das Sharing-System nicht aktiv ist.

    Teure Fahrzeuge, günstige Wartung

    Weil sich die schnellen Räder mit Kennzeichen und Helmpflicht besonders für Pendler eignen, bietet Bond zudem Abos an. Gegen eine Monatsgebühr können die Nutzer eine festgelegte Zahl von Kilometern pro Tag zurücklegen. Besonders in Coronazeiten ist das eine Alternative zur vollen U-Bahn. Weitere Erlösquelle: Nach zwei Jahren im Einsatz verkauft Stöckle die Räder, um die Flotte zu erneuern. Derzeit ist die erste Generation im Angebot.

    Nach seiner Berechnung sind die Fahrzeuge für ihn zwar im Einkauf deutlich teurer als E-Roller, in der Wartung dafür dank größerer Akkus und stabilerer Bauweise günstiger. Dabei arbeitet Bond in Deutschland mit dem Anbieter Chargery zusammen, der auch viele Roller-Flotten betreut. Zudem setzt Stöckle darauf, dass die Nutzer weitere Fußwege zu einem schnellen Rad zurücklegen als zum nächsten E-Roller und daher weniger Bikes nötig sind. Die Kooperation mit Free Now, über dessen App die Räder ebenfalls buchbar sind, soll dabei helfen.

    Allerdings kritisieren Nutzer im Play-Store, die Räder seien oft nicht verfügbar. Zudem habe Bond kurzfristig die Schweizer Preise erhöht. Das sei wohl ein Zugeständnis an Investoren, mutmaßen Nutzer.

    20 Millionen Dollar Investorengelder hat Stöckle Anfang 2019 unter anderem beim japanischen Automobilzulieferer Denso eingesammelt, der auch an Uber beteiligt ist. Eine zweite Finanzierungsrunde läuft und soll 30 bis 60 Millionen Dollar einbringen. Um das Geldsammeln steuerlich zu erleichtern, hat Stöckle bereits den juristischen Sitz in die USA verlagert.

    Mit dem Geld will er bis zu 100 Städte in Europa mit seinen Rädern ausstatten, weiteres Potenzial sieht er etwa in Australien und Südostasien. Bislang existiert das Sharing-System neben den beiden deutschen Städten nur in Zürich, wo 30.000 Kunden aktiv seien. Der Umsatz liegt im mittleren einstelligen Millionenbereich – davon kommt bereits ein Viertel aus dem Verkauf von Rabattzonen.

    Nur in die USA will Stöckle nach einem abgebrochenen Versuch in Seattle vorerst mit dem Sharing nicht mehr gehen: Wegen der hohen Haftungsrisiken in dem Land ist dort ausgerechnet die Versicherung zu teuer.

    Mehr: Alle gegen Uber: So starten die deutschen Autohersteller den Gegenangriff

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