Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Getlink-Chef Jacques Gounon Der Eurotunnel ist bereit für den Brexit – „Eine Verschiebung bringt nichts“

Tunnelbetreiber Getlink ist auf einen harten Brexit vorbereitet. Weitere Verzögerungen seien nur schädlich, sagt der Chef. Ein Problem gibt es aber: den Pferdetransport.
Kommentieren
Brexit: Der Eurotunnel ist bereit Quelle: Reuters
Eurotunnel

Wichtigste Verbindung zwischen Großbritannien und den Handelspartnern auf dem Festland.

(Foto: Reuters)

ParisPferde bereiten dem Getlink-Chef Jacques Gounon Kopfzerbrechen. Fast alle Folgen des Brexits hatte der Betreiber des Kanaltunnels vorhergesehen. Aber dass er in Frankreich eine Veterinärklinik bauen musste, das kam doch etwas überraschend.

22 Millionen Passagiere, 2,7 Millionen Autos und 1,7 Millionen Lastwagen befördert Getlink, ehemals Eurotunnel, im Jahr durch die Röhre. Aber nicht nur das, sondern auch 700.000 Pferde. Rund 2.000 Vierbeiner fahren jeden Tag vom Kontinent auf die Insel oder umgekehrt – vor allem, um an Rennen teilzunehmen.

„Jedes Pferd, das in Frankreich ankommt, müssen wir laut EU-Vorschrift nach dem Brexit kontrollieren, deshalb bauen wir eine Klinik“, erläutert Gounon immer noch leicht verwundert. Dagegen wird es, wo Außenstehende die größten Hürden erwarten – beim Lkw-Transport – wohl kaum welche geben.

„Wenn alle mitspielen, werden keine Probleme auftreten“, sagt der Franzose, dessen wichtigster Handelspartner die Bundesrepublik ist. Er erklärt: „Für Lkw wird es eine digitale Vorab-Deklaration der Ladung geben. Am Tunneleingang lesen wir lediglich den Barcode ein, den jedes Fahrzeug erhält.“

Kontrollen würden wie bisher stichpunktartig durchgeführt, um Steuerbetrügern auf die Schliche zu kommen, in maximal drei Prozent der Fälle. „Das verlangt die EU und das wird sich nicht ändern“, stellt er fest. Gounon hat Getlink zu einem hoch profitablen Unternehmen gemacht. Vergessen die Zeit, da Eurotunnel praktisch pleite war. Getlink weist eine operative Marge von 52 Prozent aus.

Der Aktienkurs des französischen Unternehmens rauschte nach der Brexit-Entscheidung erst einmal in den Keller. Doch heute liegt er mit knapp 14 Euro wieder nahe an seinem Fünfjahreshoch. Von der vorsorglich erhöhten Lagerhaltung vieler Unternehmen nach dem Brexit hat Getlink stark profitiert: Das Wachstum des Tunneltransports verdoppelte sich auf sechs Prozent.

Nicht alles wird so glatt ablaufen wie der Lkw-Transport. Im Falle von pflanzlichen Importen von der Insel, die europäischen Vorschriften unterliegen, müssen künftig die Papiere manuell abgestempelt werden. Dafür braucht Frankreich mehr Beamte nahe Calais. Der Tunnelbetreiber Getlink hat die notwendigen Büros gebaut.

Verzögerungen im Transport erwartet Gounon dennoch nicht. Die gibt es zwar derzeit schon, aber nur, weil die Zöllner „Dienst nach Vorschrift“ machen: Sie verlangen eine Sonderprämie wie die Polizei und außerdem einen höheren Nachtzuschlag.
„Nach einer Anpassungsphase von zwei bis drei Monaten wird es keine Probleme durch den Brexit geben“, ist sich Gounon sicher. Getlink habe sich vorbereitet. „Eine Verschiebung bringt nichts, wir ziehen den 29. März als Ausstiegsdatum vor.“

Immer noch staunt er über die Irrationalität der Brexit-Befürworter: „Die EU ist der wichtigste Handelspartner der Briten. Bei allem, was sie auf den Kontinent liefern, müssen sie unsere Vorschriften einhalten – der Brexit ändert daran überhaupt nichts.“

Ärgern kann er sich aber auch über manche EU-Beamte. Die verlangen nun eine EU-Lizenz für britische Lokführer der Kanaltunnel-Züge, obwohl sie lediglich unter dem Ärmelkanal hin- und zurückfahren und nicht ins europäische Bahnnetz kommen. Die Lizenz erfordert das Gutachten eines französischen Psychologen, und das Gespräch müsse auf Französisch geführt werden. „Auf diese Art macht man Europa zum Hassobjekt“, ärgert sich Gounon.

Das größte Risiko für Getlink heißt Amazon. Der Online-Versandhändler hat in Großbritannien sein Hauptzentrum für ganz Europa und ist der wichtigste Kunde der Franzosen. Würde Amazon dieses Logistikzentrum auf den Kontinent verlagern, bräche bei Getlink ein großer Teil des Umsatzes weg. Doch Gounon ist zuversichtlich: „Amazon hat uns zugesagt, dass sie in Großbritannien bleiben.“ Deshalb schaut er optimistisch in die Zukunft.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

0 Kommentare zu "Getlink-Chef Jacques Gounon: Der Eurotunnel ist bereit für den Brexit – „Eine Verschiebung bringt nichts“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.